USA contra Iran bleibt zentrales Thema - Commerzbank/Unicredit, Volkswagen, US-Banken - Börse München
Die neuerliche Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat den Börsianern in Deutschland in der vergangenen Woche die Stimmung verhagelt. Nachdem der Deutsche Aktienindex (DAX) zu Wochenanfang noch seine Rekordjagd fortgesetzt hatte und in den Bereich von 25.900 Punkten geklettert war, sorgte der deutlich gestiegene Benzinpreis und die daraus resultierenden neuen Inflations- und Konjunkturängste für fallende Kurse, ehe sich die Notierungen dann doch wieder leicht erholten. Händler verwiesen zudem darauf, dass der Markt überkauft gewesen sei.
Der Deutsche Aktienindex (Dax) rutschte im Wochenvergleich um 2,8 Prozent auf 25.067,09 Punkte ab. Er beendete den Handel am Freitag damit aber immerhin über der Marke von 25.000 Punkten, unter die er zuvor gefallen war. Der MDAX gab 3,3 Prozent auf 31.919,45 Zähler nach. Der TecDAX hielt sich mit einem Abschlag von 1,8 Prozent auf 3.838,42 deutlich besser. Dies gilt auch für den m:access All Share, der lediglich 1,1 Prozent auf 1.050,69 Zähler abgab.
Zu den meist beachteten Aktien im Dax zählten einmal mehr Volkswagen. Die bislang ergebnislosen Diskussionen um das vom Vorstand vorgeschlagene Sparpaket wurden am Markt mit einem Wochenminus von 5,2 Prozent abgestraft. Bayer verloren nach der Hausse der Vorwochen 5,9 Prozent. Noch stärker standen Siemens Energy mit einem Minus von 9,1 Prozent unter Druck. Die Papiere gaben damit nahezu den kompletten Vorwochen-Gewinn wieder ab. Zu den wenigen Wochengewinnern zählten dagegen Commerzbank mit einem Plus von 2,6 Prozent. Die Unicredit hatte zur Wochenmitte bekanntgegeben, dass sie im Rahmen ihrer angestrebten Übernahme der Commerzbank inzwischen über 49,65 Prozent der Stimmrechte verfügt.
Wie die deutschen Aktienmärkte, so haben auch die hiesigen Anleihebörsen eine sehr verhaltene Woche hinter sich. Auch hier sorgten Inflations- und Konjunktursorgen für fallende Kurse, was wiederum deutlich steigende Renditen zur Folge hatte. Insgesamt kletterte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich um 13 Basispunkte auf 3,06 Prozent. Die Umlaufrendite stieg um 11 Hundertstel auf 3,03 Prozent.
Im Gegensatz zu den deutschen Aktienmärkten haben die US-Börsen in der vergangenen Woche die Inflations- und Zinssorgen beiseitegeschoben und überwiegend Kursgewinne verzeichnet. Getrieben wurden die Notierungen dabei von Ki- und High-Tech-Aktien wie beispielsweise Nvidia und Meta Platforms die ein Wochenplus von 7,4 bzw. von 13,1 Prozent verzeichneten. Dadurch kletterte der tech-lastige Nasdaq-Composite-Index im Wochenvergleich um 1,7 Prozent auf 26.281,61 Zähler. Der marktbreite S&P-500-Index legte um 1,2 Prozent auf 7.575,39 Punkte zu. Der Dow-Jones-Index rutschte dagegen nach seinen vorangegangenen Höchstständen um 0,5 Prozent auf 52.637,01 Punkte ab.
Ausblick
Nachdem die Börsen den Iran-Konflikt zwischenzeitlich schon fast vergessen hatten, spricht wenig dagegen, dass er in der aktuellen Woche wieder einmal eines der zentralen kursbeeinflussenden Themen an den Aktienmärkten sein wird. Immerhin ist der Ölpreis über das Wochenende weiter gestiegen, nachdem die USA und der Iran ihre gegenseitigen Attacken fortgesetzt haben und der Iran die Straße von Hormus inzwischen wohl dicht gemacht hat. Dies dürfte nach allgemeiner Auffassung die Kurse weiter belasten. Gleichzeitig verweisen die Optimisten unter den Marktteilnehmern allerdings darauf, dass beide Parteien vor einem „großen“ Krieg zurückschrecken und nach wie vor miteinander verhandeln würden. Zudem setzen sie auf weiter steigende KI- und High-Tech-Werte, auch wenn die Kursentwicklung in diesem Segment in der jüngsten Vergangenheit extrem volatil war.
Inwiefern aktuelle Konjunkturdaten die Kursentwicklung in der neuen Woche beeinflussen werden, bleibt abzuwarten. Mit Sicherheit werden die Anleger aber vor allem bei den Daten sehr genau hinschauen, die als Inflationsindikatoren gelten. Dazu zählen z. B. der am Dienstag zur Veröffentlichung anstehende US-Verbraucherpreisindex, der US-Erzeugerpreisindex (Mittwoch) und der Verbraucherpreisindex für die Eurozone. Letzterer wird am Freitag veröffentlicht. Ebenso erhoffen sich die Marktteilnehmer bei der zweitätigen ersten Kongress-Anhörung des neuen US-Notenbank-Präsidenten Kevin Warsh Hinweise zu den Inflationserwartungen sowie über die weitere Zinspolitik der Fed.
Daneben gilt der Blick der Anleger der beginnenden Quartalsberichts-Saison. So legen am Dienstag beispielsweise die versammelten US-Top-Banken ihre neuesten Zahlen vor, darunter unter anderem JP Morga, Goldman Sachs und die Citigroup. Am Donnerstag folgt mit Netflix der weltweit führende Streamingdienst.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 13.07: Leistungsbilanz Deutschland; Monatliches Budget-Statement der USA.
Dienstag, 14.07: Chinesische Handelsbilanz; Entwicklung der Großhandelspreise in Deutschland; US-Verbraucherpreisindex; ADP-Beschäftigungsänderungen in den USA; Anhörung von Fed-Chef Kevin Warsh vor dem US-Kongress.
Mittwoch, 15.07: Entwicklung der Industrieproduktion und des Bruttoinlandsprodukts in China; Industrieproduktion in der Eurozone; US-Erzeugerpreisindex; Fortsetzung der Anhörung von Fed-Chef Warsh.
Donnerstag, 16.07: US-Einzelhandelsumsätze; Erstanträge und Folgeanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA.
Freitag, 17.07: Verbraucherpreisindex für die Eurozone; Entwicklung der Industrieproduktion in den USA; Uni Michigan Verbraucher-Stimmungsindex.
Disclaimer: Dies ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt von Text und Video wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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