Wirecard: Vertrauen verspielt - KPMG mit harter Kritik - Tore für neue Shortseller-Attacken geöffnet

Wirecard verkauft das KPMG-Audit öffentlich wie einen Freispruch von den Manipulationsvorwürfen. Tatsächlich aber ist der Report der Wirtschaftsprüfer das überhaupt nicht. Bild und Copyright: Wirecard.

Wirecard verkauft das KPMG-Audit öffentlich wie einen Freispruch von den Manipulationsvorwürfen. Tatsächlich aber ist der Report der Wirtschaftsprüfer das überhaupt nicht. Bild und Copyright: Wirecard.

28.04.2020 10:30 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Liest man Wirecards Pressemitteilung zum mittlerweile veröffentlichten Ergebnis des KPMG-Audits der Bilanzmanipulationsvorwürfe, so könnte man denken: „Alles in Ordnung!” Wirecard meldet: „Belastende Belege für die öffentlich erhobenen Vorwürfe der Bilanzmanipulation wurden nicht gefunden”. Es hätten sich „keine substanziellen Feststellungen ergeben, die für die Jahresabschlüsse im Untersuchungszeitraum 2016, 2017 und 2018 zu Korrekturbedarf geführt hätten”, so Wirecards Interpretation der Dinge.

Doch im Report von KPMG zu Wirecard liest sich dies schon bei einem flüchtigen Lesen völlig anders und wirft die Frage auf, wie stark Wirecard hier die Realität des Prüfungsergebnisses verzerrt wiedergibt. Durch die Kommentare der Prüfer ziehen sich scharf formulierte, kritische Passagen, die nicht nur Fragen aufwerfen, sondern neue Einfallstore für Shortseller-Attacken und weitere kritische Medienberichte geradezu geöffnet haben. Dass die Wirecard Aktie heute im Handel an der Frankfurter Börse regelrecht abstürzt, ist nur konsequent.

Einige Passagen des Grauens aus dem Prüfbericht: So liegt KPMG bis heute wohl keine finale Vollständigkeitserklärung vonseiten des Wirecard-Vorstands vor. Die Prüfer können damit bis dato gar nicht sicher beurteilen, ob die ihnen vorgelegten Datensätze vollständig, richtig und widerspruchsfrei seien. Man könne „nicht ausschließen, dass wir bei Kenntnis weiterer Informationen und Dokumente zu einem anderen Ergebnis gekommen wären”. Schon mit dieser Erklärung wird das von Wirecard wie ein Freispruch verkaufte Prüfurteil weitgehend wertlos.

Fast schon vernichtend auch das Urteil der KPMG-Prüfer zur Zusammenarbeit von Wirecard. Unterlagen seien verspätet oder zum Teil gar nicht geliefert worden, kritisieren die Prüfer, zum Teil habe man diese nicht auf ihre Authentizität prüfen können. „Für die Übergabe von Transaktionsdaten zumindest für die Jahre 2016 und 2017 bedurfte es Unterstützung durch die TPA-Partner, die jedoch bisher ausblieb”, so KPMG im Report. Noch drastischer wird man im weiteren Verlauf bei den Prüfergebnissen: Man könne „weder eine Aussage treffen, dass die Umsatzerlöse existieren und der Höhe nach korrekt sind noch die Aussage treffen, dass die Umsatzerlöse nicht existent und in der Höhe nicht korrekt sind”, so KPMG mit Blick unter anderem auf die TPA-Geschäftsbeziehungen von Wirecard, die immer wieder im Fokus der medial erhobenen Vorwürfe standen.

KPMG spricht von einem Untersuchungshemmnis für die Jahre 2016 bis 2018, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Wirecards Partnerunternehmen kein großes Interesse gezeigt haben, an den Untersuchungen mitzuwirken und Dokumente sowie Daten zur Verfügung zu stellen. Man kommt damit unweigerlich zu der Frage, warum KPMG die Prüfung nicht abgebrochen hat. Wirecards Aussage, dass keine belastenden Belege für diese Jahre gefunden wurden, wird spätestens an dieser Stelle absurd und belastet wieder einmal das ohnehin arg strapazierte Vertrauen in Konzern und Management.

Dass sich dies für 2019er-Zahlen aufgrund einer internen Umstellung der Transaktionsabwicklung im TPA-Geschfäft auf eine Wirecard-eigene Plattform anders darstellt, ist zwar positiv zu erwähnen, doch in den Vorwürfen unter anderem der „Financial Times” gegenüber Wirecard spielten immer wieder nur die früheren Jahre eine Rolle. Und genau da bringt der KPMG-Report Wirecard nicht die Entlastung, die man der Börsen-Öffentlichkeit in den eigenen Meldungen suggerieren will.



Daten zum Wertpapier:
Ticker-Symbol: WDI
WKN: 747206
ISIN: DE0007472060



Auf einem Blick - Chart und News: Wirecard


4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

4investors-Newsletter

Exklusive Interviews und Analysen für Sie aus der 4investors-Redaktion!

Der Newsletter ist kostenlos. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Wir speichern Ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.

4investors-News - Wirecard

17.11.2020 - Wirecard Aktie wird langsam zur leeren Hülle: Ausverkauf der Kernsparte an Santander
23.10.2020 - Wirecard mit News: Wieder einmal Vorsicht bei der Aktie!
19.10.2020 - Wirecard: Investor für Wirecard Retail Services gefunden
01.10.2020 - Wirecard: Neues aus Amerika
01.10.2020 - Wirecard: Nächstes Insolvenzverfahren - Kaufinteresse für Tochtergesellschaft
29.09.2020 - Wirecard: Ein alter Verdacht sorgt für „Besuch” der Behörden
28.09.2020 - Wirecard-Tochter wird verkauft - immer noch 100 Millionen Euro Börsenwert
09.09.2020 - Wirecard Aktie: So schnell kann es gehen
08.09.2020 - Wirecard an der Börse weiter 128 Millionen Euro wert - News von Jaffé
31.08.2020 - Wirecard: Das nächste Aus
25.08.2020 - Wirecard: Gericht eröffnet Insolvenzverfahren
24.08.2020 - Wirecard: Das Ende
21.08.2020 - Wirecard: Erster Verkaufserfolg in Südamerika
20.08.2020 - Wirecard Aktie fliegt raus - nächstes Problem für die Börse im DAX?
18.08.2020 - Wirecard Aktie: Das unsägliche Insolvenz-Spielchen wiederholt sich
17.08.2020 - Gold, Wirecard und die sieben Todsünden... - Börse München Kolumne
14.08.2020 - Wirecard: Nächster Schock für die Insolvenz-Zocker
13.08.2020 - Wirecard und der DAX: Das Ende naht…
12.08.2020 - Wirecard und die Folgen - Weiterbildung von Aufsichtsräten: (K)Ein Thema!
04.08.2020 - Wirecard und der „boon.-Schock”: Wer hier zockt geht hohe Risiken ein!

DGAP-News dieses Unternehmens

27.08.2020 - Anleger-Research: Wirecard Update: Jetzt wird es brenzlig! Immer neue Details erschüttern die ...
25.08.2020 - DGAP-News: Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Wirecard ...
19.08.2020 - Wirecard der Jahrhundert ...
11.08.2020 - Immer wenn man denkt, es gibt nichts Neues mehr, erschüttern weitere Details die ...
23.07.2020 - Wirecard Update: Das hat Zeug zum ultimativen ...
30.06.2020 - DGAP-Adhoc: Wirecard AG: Kündigung Anstellungsvertrag Dr. Markus Braun ...
27.06.2020 - DGAP-News: Die Wirecard AG informiert Kunden und Partner zum laufenden ...
25.06.2020 - DGAP-Adhoc: Wirecard AG: Antrag auf Eröffnung eines ...
25.06.2020 - DGAP-News: Wirecard AG: Unternehmensstatement zum ...
22.06.2020 - DGAP-Adhoc: Wirecard AG: Stellungnahme des Vorstands zur aktuellen Lage des ...

Stammdaten dieses Wertpapiers: WKN/ISIN, Börse etc.