Wirecard: Die Stunde der Wahrheit

Wird das KPMG-Audit wirklich der Abschluss im Streit von Wirecard mit den diversen Konzern-Kritikern sein? Zweifel daran sind aktuell noch angebracht. Entscheidend wird Wirecards Transparenz. Bild und Copyright: Wirecard.

Wird das KPMG-Audit wirklich der Abschluss im Streit von Wirecard mit den diversen Konzern-Kritikern sein? Zweifel daran sind aktuell noch angebracht. Entscheidend wird Wirecards Transparenz. Bild und Copyright: Wirecard.

22.04.2020 00:05 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter auf Twitter 

Knapp 15 Monate ist es her, dass die Wirecard Aktie von der „Affäre Financial Times” überrollt wurde. Immer wieder standen die Bilanzierungspraktiken des DAX-notierten Unternehmens im Blickpunkt. Gefälschte Umsätze soll es gegeben haben, Geld-Karusselle, überteuerte Übernahmen, bei denen fraglich gewesen sein soll, wohin die Kaufpreise geflossen sind, dubiose Partnerschaften und undurchsichtige Drittgeschäfte. Irgendwann sollen sogar private Spitzel auf Journalisten und Kritiker angesetzt worden sein, polizeiliche Ermittlungen in Singapur gegen das Unternehmen und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Journalisten und Shortseller liefen und laufen weiterhin.

Vom massiven Kursverlust nach dem ersten Bericht der „Financial Times” zu Wirecard hat sich die Aktie des Unternehmens aus Aschheim bei München nie wieder gänzlich erholt. Aus dem Bereich von 170 Euro ließen die Berichte Wirecards Aktienkurs binnen weniger Tage auf 85,88 Euro zusammen brechen. Eine zwischenzeitliche Erholung endete bei 162,10 Euro. Als sich Wirecards Aktienkurs stabilisiert hatte, kam der Corona-Börsencrash. Dieser ließ den DAX-Titel bis auf 79,68 Euro absacken. Zuletzt pendelte das Papier im Bereich 115/124 Euro.

Tatsächlich erhärtet hat sich von all den Vorwürfen, die vor allem 2019 auf Wirecard einprasselten, bisher wenig. So laut die Kritik ausfiel, so wenig Spuren hinterließ sie bisher in der Bilanz von Wirecard. Der DAX-Konzern nahm kleinere Wertberichtigungen in Höhe weniger Millionen Euro vor. Ob berechtigt und ausreichend oder eben nicht, bleibt bis heute eine unentschiedene Frage. Der Malus potenzieller kreativer Buchführung begleitet Wirecard und die Bewertung der Aktie aber bis heute. Wirecards Gang in die Offensive, um die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen, begann spätestens im Oktober des vergangenen Jahres: Man beauftragte eine ausführliche Prüfung der diversen Kritikpunkte durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG. Thomas Eichelmann, Vorsitzender des Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat und früherer CFO der Deutsche Börse AG, sollte die Untersuchung auf Wirecard-Seite begleiten.

Wird das Audit wirklich der Abschluss im Streit von Wirecard mit den Konzern-Kritikern?

Die aufkommende Covid-19-Pandemie kam für Wirecard dann zur Unzeit. Ohnehin umfangreicher als erwartete Prüfungsarbeiten wurden durch aufkommende Reisebeschränkungen und andere Probleme im Zuge der Pandemie behindert. Die Arbeiten verzögerten sich. Mitte März musste man einräumen, dass sich das Ende der Prüfung länger als erwartet hinziehen werde. Eigentlich sollte das Audit noch im ersten Quartal 2020 abgeschlossen werden, nun sollte es der 22. April sein. „Die Untersuchung des Dritt-Partnergeschäfts (TPA) dauert noch an und wird voraussichtlich bis spätestens zum 22. April 2020 abgeschlossen werden. Die umfassende Einsichtnahme in relevante Unterlagen auch externer Gesellschaften sowie Corona-Virus bedingte Reiserestriktionen machen den verlängerten Zeitrahmen erforderlich”, so Wirecard. Die Vorlage der Bilanz für 2019 wurde gleichzeitig vom 8. April auf den 30. April verschoben.

Dennoch gab es Mitte März schon einmal eine Teil-Entlastung für Wirecard. „Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat die Wirecard AG darüber informiert, dass die Sonderuntersuchung in Bezug auf die Geschäftstätigkeit der Wirecard AG in Indien und Singapur sowie den Geschäftsbereich Merchant Cash Advance (MCA) / Digital Lending weitestgehend abgeschlossen ist. Diese Teile des Audits haben in diesen Untersuchungsgebieten aus heutiger Sicht keine substanziellen Feststellungen ergeben, die zu Korrekturbedarf für die Jahresabschlüsse im Untersuchungszeitraum 2016, 2017 und 2018 führen würden”, hieß es in der Mitteilung von Wirecard.

Doch wird das KPMG-Audit wirklich der Abschluss im Streit von Wirecard mit den Konzern-Kritikern sein? Zweifel sind aktuell noch angebracht. Zum einen wird viel davon abhängen, wie viel Transparenz Wirecard rund um das Audit tatsächlich schaffen wird. Versprochen hat man diese Transparenz, wie diese im Detail aussehen wird, muss sich noch zeigen. Legt Wirecard alle Karten auf den Tisch, dürfte dies helfen, die Vorwürfe endgültig abzuhaken und die Aktie vom Malus der Vorwürfe zweifelhafter Bilanzpraktiken zu befreien - welche Konsequenzen man auch immer noch in der Bilanz wird ziehen müssen, falls es überhaupt noch Konsequenzen gibt. Dass die Kritiker anschließend komplett verstummen werden, davon sollte man aber nicht zwingend ausgehen. Dass Wirecard die Prüfung in Eigenregie beauftragt und begleitet hat, wird ein potenzielles Einfallstor für neue Zweifel bieten. Ob berechtigt oder nicht, wird sich zeigen müssen.

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