Wirecard Aktie gibt Rätsel auf - wo bleibt die Erholungsrallye?

Rätsel Wirecard: Viele Börsianer haben den Eindruck, dass die Asien-Affäre des Konzerns überstanden ist. An der Frankfurter Börse notiert die Wirecard Aktie aber weiter deutlich unter dem Kursniveau vor dem Ausbruch der Krise Ende Januar. Bild und Copyright: Wirecard.

Rätsel Wirecard: Viele Börsianer haben den Eindruck, dass die Asien-Affäre des Konzerns überstanden ist. An der Frankfurter Börse notiert die Wirecard Aktie aber weiter deutlich unter dem Kursniveau vor dem Ausbruch der Krise Ende Januar. Bild und Copyright: Wirecard.

03.05.2019, 08:01 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Viel wird in den Medien zur Wirecard Aktie beschworen, nun, wo mit der Bilanz für 2018, den Erkenntnissen der Anwaltskanzlei Rajah & Tann zur Asien-Affäre und dem geplanten Einstieg von Softbank via Wandelanleihe angeblich alle Fakten auf dem Tisch liegen. Man hat das Gefühl, einige Börsenjournalisten wollen die Erholungsrallye förmlich herbei schreiben. Und doch tut sich bei der Wirecard Aktie aktuell nichts dergleichen. Mit aktuellen Kursen um 130/131 Euro liegt der DAX-notierte Fintech-Wert weiterhin deutlich unter dem Kursniveau von kurz vor dem Ausbruch der Asien-Affäre Ende Januar. Da zahlte die Börse bis zu 170,70 Euro für Wirecards Anteilscheine.

Erstaunlich ist das indes nicht. Die Süddeutschen haben im Zuge der Asien-Affäre kommunikativ keine Meisterleistung vollbracht. Trotz testierter Bilanz (bei der allerdings der Hinweis der Wirtschaftsprüfer auf die andauernden Ermittlungen der Behörden in Singapur nicht vergessen werden darf!) und den Untersuchungsergebnissen der Anwaltskanzlei gab es berechtigte Kritik an der Aufklärungsarbeit der Gesellschaft, die zunächst aus mauern und dementieren bestand, bis schließlich doch irgendwann kleinere Millionenschäden durch Buchungsakrobatik einzelner Angestellter in Singapur zugegeben werden musste. Dass man den Bericht der Anwaltskanzlei nicht vorlegt, nicht einmal geschwärzt, mag Gründe haben, sorgt an der Börse aber nicht gerade für einen Vertrauensschub. Softbanks geplanter Einstieg bei Wirecard via Wandelanleihe, dem die Hauptversammlung der Gesellschaft aber noch grünes Licht geben muss, vermochte das Vertrauen ebenfalls nur partiell wieder herstellen.

Doch das ist, siehe frühere Fälle ähnlicher Art bei Wirecard, Ströer, Aurelius & Co., auch nicht ungewöhnlich: Stets hat es eine ganze Zeit gedauert, bis sich die jeweiligen Aktien von den teils tiefen Kursrückschlägen erholt hatten. Wirecard stürzte immerhin bis auf 86 Euro ab, hatte sich damit gegenüber dem Kursniveau vor der Asien-Affäre nahezu halbiert. Größere Teile des Sturzes hat das Papier bereits wieder aufgeholt. An der Börse stehen nun die Quartalszahlen im Blickpunkt, die Wirecard am 8. Mai vorlegen wird. Hoffte mancher an der Börse, dass der Konzern seine Prognose für 2019 mit der Vorlage der Bilanz für 2018 anheben wird, so sind derzeit keine solche Spekulationen zu vernehmen - und das, obwohl Wirecard jede Gelegenheit nutzt, um auf das starke operative Geschäft zu verweisen und neue Projekte und Kooperationen zu melden. Hier, wo es dem Aktienkurs nutzen könnte, ist das Unternehmen dann alles andere als mitteilungsfaul und intransparent, was von vielen Börsenmedien immer wieder aufgegriffen und in ein Schlagzeilengewitter umgesetzt wird - egal wie geringfügig das neue Projekt auch ist. Belastend bleibt zudem, dass die Ermittlungen der Behörden in Singapur noch nicht abgeschlossen sind. Hier bleibt ein Damoklesschwert vorhanden.

Wirecard Aktie: An der Börse bleibt man hoch nervös


Dass die Börse nervös und weiter eine teils turbulente Zockerveranstaltung in Sachen Wirecard ist, zeigte der gestrige Tag wieder einmal. Entscheidend waren dabei nicht einmal die Kursbewegungen der Wirecard Aktie, sondern zwei andere Faktoren. Zum einen gieren die Anleger weiter nach Infos zu dem Wert. So kam es, dass gestern auf dem Portal finanznachrichten.de die meistgelesene News zu Wirecard ausgerechnet die banale und routinemäßige Terminbestätigung des Konzerns für den 8. Mai war. Zum anderen zeigen die zahlreichen Wirecard-Stimmrechtsmitteilungen von Goldman Sachs mit stark schwankenden Stimmrechtshöhen, dass hier weiter größere Räder im Hintergrund gedreht werden. Dabei gibt die Bank der Börse Rätsel über die Hintergründe der Transaktionen auf. Man darf die Mitteilungen nicht als großen Einstieg der US-Investmentbank bei Wirecard verstehen. Viel läuft nicht über die Aktien des Fintech-Konzerns, sondern andere Finanzinstrumente wie Optionen, CFD und Swaps. Die genauen Hintergründe kennt nur Goldman Sachs und schweigt sich hierüber aus.

Aus charttechnischer Sicht war der gestrige Tag für die Wirecard Aktie zudem ein Rückschlag. In der technischen Analyse hat der Titel mit dem Rutsch auf 130,15 Euro (-2,66 Prozent, zugleich Tagestief) und aktuellen Indikationen bei 131,15/131,50 Euro ein kleineres Verkaufssignal an der Unterstützung bei 132,15/133,80 Euro generiert. Bisher hatte dieses Signal keine massiven Auswirkungen. Es steigert aber das Risiko, dass Wirecards Aktienkurs weiter nach unten durchgereicht wird. Die nächsten charttechnischen Unterstützungen finden sich bei 124,00/125,50 Euro, darunter dann vor allem um 113,80/115,50 Euro und in der breiten Zone zwischen 105 Euro und 110 Euro.

Kommt es allerdings nun zu einem schnellen Rebreak über 132,15/133,80 Euro, könnten recht schnell wieder die diversen Hindernisse bei 136,50/137,15 Euro und darüber das Ziel werden. In der technischen Analyse der Wirecard Aktie sind weiterhin die Hürden bei 141,75/142,70 Euro und um 148,00/149,50 Euro die übergeordnet wichtigen Signalmarken für den DAX-Wert. Ein anstieg hierüber wäre ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zurück in Richtung 169/171 Euro, den sich an der Frankfurter Börse so viele erhoffen.

Auf einem Blick - Chart und News: Wirecard

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