Siemens und Nvidia: KI soll „Kosteneinsparungen von bis zu 20 Prozent ermöglichen”
Siemens und Nvidia haben im Elektronikwerk Erlangen neue Anwendungen für den Einsatz künstlicher Intelligenz in der industriellen Fertigung vorgestellt. Die gemeinsam entwickelten Systeme sollen den Produktionsanlauf beschleunigen und die Fertigungsplanung verbessern. Nach Angaben von Siemens lässt sich der Engineering-Aufwand bei neuen Leiterplatten um bis zu 85 Prozent reduzieren, während die Zeit bis zur Markteinführung um bis zu 40 Prozent sinken kann. Bei der Produktionsplanung stellen die Partner Kosteneinsparungen von bis zu 20 Prozent in Aussicht. Die Technologien wurden innerhalb von weniger als zehn Monaten entwickelt und bereits in der laufenden Fertigung getestet.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Qualitätsprüfung neuer Leiterplatten, für die bislang zunächst physische Prototypen benötigt wurden. Erst danach konnten die Bildverarbeitungssysteme trainiert und eingerichtet werden, was den Produktionsbeginn häufig um mehrere Wochen verzögerte. Siemens und Nvidia nutzen nun digitale Zwillinge, um mithilfe künstlicher Intelligenz fotorealistische Darstellungen der Bauteile zu erzeugen. Damit lassen sich die Prüfsysteme bereits vor der Herstellung erster Prototypen trainieren. Zum Einsatz kommen unter anderem die NVIDIA Cosmos World Models, die entsprechende Trainingsdaten bereitstellen.
Auch die Produktionsplanung wird in Erlangen zunehmend durch KI unterstützt. Ein KI-Agent erstellt bei neuen Aufträgen automatisch verschiedene Fertigungsszenarien und berücksichtigt dabei unter anderem verfügbare Kapazitäten, Materialbestände und Liefertermine. Die Auswirkungen der Vorschläge werden anhand von Kennzahlen dargestellt und vor einer möglichen Umsetzung mithilfe eines digitalen Zwillings der gesamten Fabrik überprüft. Dafür kombinieren Siemens und Nvidia unter anderem das NVIDIA Factory Operations Blueprint mit den Omniverse-Bibliotheken. Die Entscheidung über die Umsetzung der Planungsvorschläge bleibt bei den verantwortlichen Mitarbeitern.
Das Werk in Erlangen dient Siemens und Nvidia als Entwicklungsstandort für KI-Anwendungen, die später auch in anderen Fabriken eingesetzt werden sollen. Bereits heute arbeiten dort mehr als 100 KI-Algorithmen in Produktion, Logistik, Qualitätsprüfung und Instandhaltung. Rund 1.000 Beschäftigte fertigen an dem Standort unter anderem Leistungselektronik und Automatisierungstechnik. Siemens investiert bis 2030 insgesamt 500 Millionen Euro in den Ausbau des Werks. Die beiden Konzerne hatten ihre Pläne für vollständig KI-gestützte Fertigungsstandorte im Januar 2026 angekündigt. Weitere Anwendungen sollen in den kommenden Monaten folgen.
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