Iran und kein Ende - Commerzbank, Infineon, Nvidia, Siemens - Börse München
Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche erneut uneinheitlich tendiert. Nachdem die Kurse zunächst vom anhaltenden Boom bei Tech-Werten in den USA sowie von Hoffnungen auf zählbare Ergebnisse beim Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping gestützt wurden, kehrte sich der Trend zum Wochenausklang um. Ausbleibende Ergebnisse bei dem Treffen, vor allem auch im Hinblick auf den Iran-Konflikt, steigende Benzinpreise und die stetig wachsenden Inflations- und Konjunktursorgen hatten am Freitag deutlich fallende Aktienkurse zur Folge.
Dadurch gab der Deutsche Aktienindex (DAX) im Wochenvergleich letztlich um 1,6 Prozent auf 23.950,57 Punkte nach. Der MDAX rettete dagegen trotz deutlicher Kursverluste am Freitag noch einen Wochengewinn von 0,6 Prozent über die Ziellinie. Er beendete den Handel bei 31.365,17 Zählern. Der TecDAX blieb mit 3.795,76 Punkten, und damit mit einem Plus von 0,4 Prozent, ebenfalls noch in der Gewinnzone. Der m:access All Share wiederum machte im Wochenvergleich 0,2 Prozent auf 1.182,15 Punkte gut.
Zu Gewinnern unter den Dax-Werten zählten einmal mehr Infineon. Die Papiere des Chip-Herstellers rutschten am Freitag zwar deutlich ab, wiesen aber immer noch einen Wochengewinn von 4,5 Prozent aus – und haben damit seit Jahresanfang um rund 73 Prozent zugelegt. Bei Siemens zeigten sich die Anleger nach der Quartalszahlen dagegen zurückhaltend. Die Aktien verloren im Wochenvergleich 2,9 Prozent. Noch weniger honorierten die Börsianer die Quartalszahlen von Siemens Energy und der Münchener Rück. Beide Titel gaben im Wochenvergleich 6,2 Prozent ab. Im Gegensatz dazu legten Allianz ebenfalls nach den Quartalszahlen um 1,1 Prozent zu.
Die deutschen Anleihenmärkte wiederum haben in der vergangenen Woche deutlich nachgegeben. Auch dies war zu einem wesentlichen Teil auf die Kursentwicklung am Freitag zurückzuführen. Belastet wurde das Geschehen dabei vor allem durch den gestiegenen Ölpreis sowie die auch dadurch stark in den Vordergrund rückenden Inflations- und Zinssorgen. Durch die schwache Kursentwicklung kletterte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich um 14 Hundertstel auf 3,15 Prozent, während die Umlaufrendite um 11 Basispunkte auf 3,09 Prozent stieg.
Auch die US-Aktienmärkte litten am Freitag unter den gleichen Faktoren wie die deutschen Börsen. Zudem wurden sie durch schwächer als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten sowie von Gewinnmitnahmen bei Tech-Werten belastet. Allerdings hatten sie bis einschließlich Donnerstag noch ihre Rekordjagd der vergangenen Wochen, z. B. mit neuen Höchstständen beim S&P-500-Index, fortgesetzt. Dieser ging bei einem Schlussstand von 7.408,50 Punkten noch mit einem kleinen 5-Tages-Plus von 0,1 Prozent ins Wochenende. Der Nasdaq-Composite-Index gab dagegen minimal auf 26.225,14 Zähler nach, und beim Dow-Jones-Index errechnete sich ein Wochenminus von 0,2 Prozent. Er beendete den Handel am Freitag bei 49.526,17 Zählern.
Ausblick
Iran und kein Ende. Auch in der neuen Handelswoche dürfte der Krieg zwischen den USA und dem Iran und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen die Entwicklung an den Aktien- und den Rentenmärkten maßgeblich beeinflussen. Dass dabei über das Wochenende die Vereinigten Arabischen Emiraten bekanntgaben, dass ihr Kernkraftwerk Barakah durch Drohnen angegriffen worden sei, auch Saudi Arabien Drohnenangriffe meldete – und US-Präsident Donald Trump darüber hinaus seine Drohungen gegenüber dem Iran wieder wesentlich verschärfte, dürfte die Anleger kaum beruhigen. Dies vor allem auch deshalb, weil der Ölpreis dadurch noch weiter gestiegen ist. So kostet ein Barrel der Nordseesorte Brent inzwischen wieder über 110 Dollar.
Wenig Einfluss auf das generelle Geschehen an den Börsen dürften dagegen zunächst sowohl Unternehmens- als auch Konjunkturnachrichten haben. Denn zumindest zu Wochenanfang stehen hier nur sehr wenige relevante Termine im Kalender. So neigt sich auf der Unternehmensseite die Quartalsberichtssaison ihrem Ende entgegen. Die meisten großen, marktrelevanten Player haben ihre Zahlen bereits veröffentlicht. Eine wesentliche Ausnahme ist allerdings Nvidia. Der Chiphersteller gibt sein Quartalsergebnis am Mittwoch bekannt. Dieses werden sich viele Marktteilnehmer aufgrund des großen Einflusses von Nvidia auf den Tech- und KI-Sektor sehr genau anschauen.
Eher nicht relevant für den Gesamtmarkt ist die ebenfalls für Mittwoch angesetzte Hauptversammlung der Commerzbank. Allerdings blickt zumindest der Bankensektor sehr wohl auf das Geschehen in Frankfurt, denn aufgrund der im Raum stehenden möglichen Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit verspricht die Veranstaltung spannend zu werden.
Ähnlich wie auf der Unternehmensseite füllt sich auch der Konjunkturkalender erst zur Wochenmitte. So steht am Mittwoch beispielweise eine mögliche Zinsentscheidung in China an, und in den USA wird das jüngste FOMC-Protokoll veröffentlicht, das einen detaillierten Einblick über die Stimmungslage innerhalb der US-Notenbank FED zu den Themen Konjunktur, Inflation und Zinsen geben dürfte.
Kurz vor dem Start in das verlängerte Pfingst-Wochenende gibt es am Freitag dann eine große Datenflut. Dafür sorgen in Deutschland beispielsweise das ifo-Institut mit seinem neuesten Geschäftsklimaindex und die Gfk mit Zahlen zum Verbrauchervertrauen. Die Erwartungen an diese beiden Konjunkturbarometer sind von Haus aus niedrig. Werden sie aber kursrelevant sein? Die Antwort auf diese Frage hängt nach Auffassung vieler Beobachter maßgeblich davon ab, ob sich die Lage im Iran-Konflikt bis dahin wieder etwas beruhigt hat.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 18.05: Entwicklung der Einzelhandelsumsätze und der Industrieproduktion in China.
Dienstag, 19.05: ADP Beschäftigungsänderung (USA).
Mittwoch, 20.05: Zinsentscheidung der chinesischen Zentralbank; Verbraucherpreisindex in der Eurozone; Veröffentlichung des FOMC-Protokolls (USA).
Donnerstag, 21.05: Bundesbank-Monatsbericht; Erzeugerpreisindex für Deutschland; HCOB-EMI-Gesamtindex für Deutschland und die Eurozone; S&P Global EMI Dienstleistungen und verarbeitendes Gewerbe in den USA.
Freitag, 22.05: deutsches Bruttoinlandsprodukt; GfK Verbrauchervertrauen; ifo-Geschäftsklimaindex; Universität Michigan Verbraucher-Stimmungs- und -Erwartungsindex. Uni Michigan: fünfjährige Inflationserwartung der US-Verbraucher.
Disclaimer: Dies ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt von Text und Video wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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