Krieg statt Rekordhoch - Börse München
Die deutschen Aktienmärkte haben sich in der vergangenen Woche erneut uneinheitlich präsentiert, sich in der Summe aber nur wenig bewegt. Während die Märkte unter anderem von der US-Zollpolitik und der zunehmenden Angst vor einem Krieg zwischen den USA und dem Iran belastet wurden, konnten sie von Konjunkturdaten und auch von moderat ausgefallenen deutschen Inflationszahlen profitieren. Auch einige gute Nachrichten von Unternehmensseite im Rahmen der nach wie vor laufenden Bilanzberichtssaison stützten die Kurse.
Wie schon in der Vorwoche schwankte der Deutsche Aktienindex (Dax) auch in den vergangenen fünf Handelstagen um die 25.000-Punkte-Marke, konnte diese letztlich aber verteidigen. So ging er am Freitag mit 25.284,26 Punkten aus dem Handel. Damit verzeichnete er im Wochenvergleich ein minimales Plus von 0,1 Prozent. Im gesamten Februar hat er damit um rund 3 Prozent zugelegt. Der MDax verlor 0,8 Prozent auf 31.560,34 Zähler, und der TecDax kletterte um 0,2 Prozent auf 3.787,92 Punkte. Der m:access All-Share rutschte dagegen weiter etwas ab. Er verlor in der vergangenen Woche 0,1 Prozent und wurde zuletzt mit glatt 1.166 Punkten berechnet.
Zu den großen Wochen-Gewinnern im Dax zählten E.ON. Die Aktien des Versorgers zogen nach Veröffentlichung der jüngsten Geschäftszahlen um 5,47 Prozent an, profitierten dabei aber auch von Umschichtungen der Anleger hin zu als sicher geltenden Werten. Im Fahrwasser davon legten RWE um 4,56 Prozent zu. Die Münchener Rück wiederum profitierten von der überraschenden Nachricht, die Dividende stark anzuheben und ein Aktienrückkaufprogramm zu starten. Unter dem Strich verteuerten sich die Titel im Wochenvergleich um 2,1 Prozent. Allianz kamen dagegen trotz eines ebenfalls angekündigten Aktienrückkaufprogramms mit einem Plus von 0,34 Prozent nur wenig vom Fleck. Sehr starke Kursausschläge gab es teilweise unter den MDax-Werten. So schossen Nordex nach einem starken Ergebnis um 26,66 Prozent in die Höhe, während z. B. Gerresheimer um 18,42 Prozent in die Knie gingen.
Die deutschen Anleihemärkte haben eine relativ ruhige Handelswoche hinter sich. Aufgrund der politischen Unsicherheiten – und hier insbesondere den Sorgen über eine Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran – zogen die Kurse allerdings schrittweise an. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe wurde am Freitag im späten Geschäft mit 2,65 Prozent berechnet. Damit lag sie 9 Basispunkte unter dem Niveau eine Woche zuvor. Die Umlaufrendite gab um 3 Hundertstel auf 2,68 Prozent nach.
Wie auch in Deutschland hatten die US-Aktienbörsen in der vergangenen Woche zunächst keine einheitliche Tendenz gezeigt, sind letztlich aber überwiegend in den Keller gegangen. Grund dafür war vor allem das schwache Geschäft am Freitag. Hier hatten überraschend hohe Inflationsdaten auf die Stimmung gedrückt. Auch die mit Spannung erwarteten – und allgemein als sehr gut beurteilten – Zahlen von Nvidia zur Wochenmitte konnten den Markt nicht stützen. Im Gegenteil: Sie belasteten den gesamten Tech-Sektor. So gaben die Nvidia-Aktien an der gettex im Wochenvergleich um 6,59 Prozent nach. „Über den Erwartungen zu liegen genügt aktuell nicht mehr“, kommentierten etliche Marktbeobachter die Kursentwicklung. Der Dow-Jones-Index verlor im Wochenverlauf 1,3 Prozent auf 48,977.92 Punkte. Der marktbreitere S&P-500-Index gab um 0,4 Prozent auf 6,878.88 Zähler nach, und beim technologielastigen Nasdaq-100 stand mit 24.963,35 Punkten letztlich ein Minus von 0,2 Prozent auf der Anzeigentafel.
Ausblick
Noch am Freitag hatten etliche Marktbeobachter vorausgesagt, dass der deutsche Aktienindex in der neuen Woche sein bisheriges Rekordhoch von 25.507 Punkten, das er im Januar erreicht hatte, überbieten könnte. Seit dem Kriegsausbruch zwischen den USA und dem Iran am Samstag dürfte diese Prognose allerdings hinfällig sein. Denn aufgrund der nicht absehbaren Folgen des Kriegs dürften die Anleger in den kommenden Tagen nur sehr vorsichtig agieren, heißt es am Markt. Und dies bedeute auch, dass sie Gelder in die sicheren Häfen Gold und Anleihen umschichten könnten und die Aktienkurse auf Talfahrt gehen. Der Goldpreis war aufgrund der Kriegsangst bereits am Freitag um knapp 1,9 Prozent gestiegen und liegt damit nur noch sehr wenig unter seinem bisherigen Rekordniveau. Wie es an den Börsen tatsächlich weitergeht hängt jedenfalls nach allgemeiner Auffassung vor allem auch von der weiteren kriegsbedingten Entwicklung des Ölpreises ab.
Inwiefern andere Nachrichten neben dem alles überlagernden Thema „Krieg“ die Kurse bewegen können, bleibt entsprechend abzuwarten. Allerdings werden auch in der neuen Woche etliche Konjunkturdaten veröffentlicht, die unter normalen Umständen relevant für die Kursentwicklung sind – so z. B. die Bekanntgabe der Einzelhandelsumsätze in Deutschland am Montag. Am Dienstag folgt der Verbraucherpreisindex in der Eurozone und am Mittwoch unter anderem der Erzeugerpreisindex in der Eurozone und der Einkaufsmanagerindex für die USA; gefolgt unter anderem von der Entwicklung der US-Arbeitslosenquote am Donnerstag und den neuesten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone. Diese werden am Freitag veröffentlicht.
Auch von Unternehmensseite sind zahlreiche News zu erwarten. Zwar geht die aktuelle Unternehmensberichtsaison langsam ihrem Ende entgegen. In der neuen Woche veröffentlichen allerdings noch etliche wichtige Konzerne ihre Zahlen. Dazu zählen beispielsweise Beiersdorf und die nicht börsennotierte DZ-Bank am Dienstag. Am Mittwoch folgen unter anderem Bayer, Adidas sowie Continental. Für Donnerstag hat Merck die Veröffentlichung seiner Geschäftszahlen angekündigt und für Freitag schließlich die Lufthansa.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 02.03.: Einzelhandelsumsätze in Deutschland; Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; ISM-Einkaufsmanagerindex und Beschäftigungsindex in den USA.
Dienstag, 03.03.: Verbraucherpreisindex für die Eurozone.
Mittwoch, 04.03.: HCOB EMI Gesamtindex für Deutschland und die Eurozone; Erzeugerpreisindex Eurozone; Arbeitslosenquote für die Eurozone; ISM Einkaufsmanagerindex für die USA; Fed Beige-Book.
Donnerstag, 05.03.: Einzelhandelsumsätze in der Eurozone; Entwicklung der Lohnstückkosten und der Arbeitsproduktivität in den USA; Erstanträge Arbeitslosenunterstützung in den USA.
Freitag, 06.03.: Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone; Einzelhandelsumsätze in den USA; Entwicklung der Stundenlöhne in den USA; Arbeitslosenquote in den USA.
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