Börse am Morgen: BMW, Continental, EZB und US-Midterms - Nord/LB
Das Geschäftsklima in der dt. Automobilindustrie hat sich im Oktober kräftig aufgehellt, der Ifo-Index stieg von -33,2 auf -4,1 Punkte. Zur besseren Stimmung dürfte auch die deutsch-französische Einigung auf eine flexiblere europ. Automobilstrategie beigetragen haben, die den Herstellern bei den CO?-Vorgaben etwas mehr Spielraum verschafft. Eine nachhaltige Trendwende ist jedoch noch nicht erkennbar. Hohe Schwankungen des Geschäftsklimas spiegeln die anhaltende Unsicherheit wider, während die Branche insbesondere bei Elektromobilität und im wichtigen chin. Markt unter erheblichem Wettbewerbsdruck steht.
Der Inflationsdruck im Euroraum hat im Oktober erneut zugenommen. Nach den vorläufigen Daten von Eurostat klettert die HVPI-Inflationsrate auf 4,0% Y/Y. Ausschlaggebend hierfür sind insbesondere die kräftig gestiegenen Energiepreise. Die Kernrate (ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak) verharrt dagegen bei 2,5% Y/Y, während sich die Dienstleistungsinflation geringfügig von 3,2% auf 3,3% Y/Y erhöht. Eine starke Ausbreitung des Energiepreisschocks ist damit bislang nicht erkennbar, wenngleich sich in einzelnen Ländern erste indirekte Effekte anzudeuten scheinen. Zweitrundeneffekte sind bisher nicht zu beobachten, wären angesichts der verzögerten Lohnreaktion zu diesem Zeitpunkt allerdings auch kaum zu erwarten gewesen. Obwohl die letzte Ratssitzung nur wenige Tage zurück liegt, haben Vertreter der EZB eindeutig restriktive Töne angeschlagen. Im Fokus steht das Risiko, dass der Energiepreisschock zu einer länger anhaltenden Überschreitung des Inflationsziels führt. Vor diesem Hintergrund spricht derzeit vieles für eine weitere Zinserhöhung im Dezember.
Tagesausblick
Neben den Nachwehen aus dem gestrigen Wahlbeben in den USA dürfen wir uns heute nun wieder auch auf geldpolitische Impulse freuen. Die Bank of England wird nämlich über die Leitzinsen entscheiden und dürfte die Bank Rate um 25 Basispunkte auf 4,00% anheben. Einerseits ist die Konjunktur robust genug für diesen Schritt und gleichzeitig steigt der Preisdruck auch dort. Vor allem die Energiepreise für die Haushalte, bei welchem der Preisdeckel im Sommer angehoben wurde, könnten die Haushalte in der kommenden Heizperiode vor zusätzliche finanzielle Belastungen stellen.
Aktien- und Rentenmärkte
Der überraschend deutliche Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen löste gestern in Europa und an der Wall Street eine Erholungsrally an den Börsenaus, da die Aussicht auf eine stärkere politische Blockade extreme wirtschaftspolitische Maßnahmen erschweren und damit die Risikoprämien senken könnte. Rückenwind gab es insbesondere für amerik. Ökostrom- und Gesundheitswerte in Erwartung einer zukünftig demokratisch geprägten Förder- und Ausgabenpolitik. DAX +2,22%; MDAX +1,41; TecDAX +1,08%; Dow Jones +3,03%; S&P500 +1,58%; Nasdaq Comp. +1,44%.
Am US-Rentenmarkt sorgte die Aussicht auf eine stärkere Begrenzung der Staatsausgaben für Kaufinteresse von US-Treasuries, wodurch die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zwischenzeitlich von 4,95% auf 4,88% sank und sich anschließend bei rd. 4,9% einpendelte. Auch der europ. Bondmarkt haussierte. Renditen frz. 10-jähriger Staatsanleihen fielen bspw. zweistellig (um 17 Basispunkte auf 4,77%).
Unternehmen
Der Münchener Autobauer BMW leidet trotz eines sich aufhellenden Geschäftsklima in der Branche (s. o.) unter dem schwachen China-Geschäft und senkte seine Prognose erneut. Die Gewinnmarge im Autogeschäft soll nur noch zwischen -0,5% und 0,5% liegen. Gegensteuern will der Konzern mit einem beschleunigten Hochlauf der Elektroauto-Generation „Neue Klasse“, einer höheren Produktion des stark nachgefragten iX3 sowie weiteren Kostensenkungen. Konträr zu BMW profitiert
Continental dagegen nach dem Rückzug aus großen Teilen des Autozuliefergeschäfts vom margenstarken Reifengeschäft und erhöhte seine Prognose für die bereinigte EBIT-Marge auf bis zu 14% (Aumovio – ehemaliger Geschäftsbereich Automotive der Continental AG berichtet heute Q3-Zahlen). In diesem Umfeld legt der deutsche Automarkt im Oktober mit 254.492 Neuzulassungen um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu (dabei getragen allein vom kräftigen Wachstum bei Elektroautos). Während sich deren Nachfrage nahezu verdoppelte, gingen die Zulassungen von Verbrennern einschließlich Hybriden deutlich zurück.
Devisen und Rohstoffe
Erhöhter Verkaufsdruck beim Greenback in Kombination einer stärkeren europ. Gemeinschaftswährung subsummieren das Ergebnis der Midterms.
Ölpreise bleiben gefangen in einer Zange zwischen einer bevorstehenden Eskalation oder möglichen Friedenslösung in Nahost.
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