Nervöse Stimmung bei Aktionären - Lam Research, Qiagen, Siemens Energy - Börse München
Die deutschen Aktienmärkte haben eine schwache Handelswoche hinter sich. Belastet wurden die Kurse dabei wieder einmal durch die hohen Ölpreise und durch eine anhaltende Nervosität beim Thema KI-Investments. Darüber hinaus wirkten sich auch Sorgen über die Staatsfinanzen und die wirtschaftliche Entwicklung Frankreichs negativ auf die Notierungen aus. Hinzu kam, dass sich die Stimmung der Unternehmen in der Eurozone im Oktober überraschend stark eingetrübt hat. Darauf deutete jedenfalls der jüngste S&P Einkaufsmanagerindex hin. Dass gleichzeitig die Daten für Deutschland recht positiv ausgefallen waren, konnte die Märkte dagegen nur wenig stützen.
Unter dem Strich gab der Deutsche Aktienindex (DAX) im Wochenvergleich um 1,8 Prozent auf 25.181,65 Punkte nach, und der MDAX verlor 2,5 Prozent auf 29.876,31 Zähler. Der Tech-Dax hielt sich dagegen mit einem Wochenplus von 0,2 Prozent im schwarzen Bereich. Er beendete den Handel am Freitag bei 4.024,30 Punkten. Der m:access All Share wiederum rutschte mit einem Minus von 1,0 Prozent auf 901,51 Zähler weiter ab.
Wie bereits in den Handelstagen davor gehörten auch in der vergangenen Woche Aktien mit KI-Bezug zu den großen Verlierern im Dax. Den herbsten Verlust verzeichneten dabei Siemens Energy mit einem Minus von 11,4 Prozent. Damit haben die Aktien nun den kompletten Zuwachs, den sie seit Jahresbeginn hatten, wieder abgegeben. Vor sechs Monaten hatte dieser noch bei 56 Prozent gelegen. Infineon wiederum rutschten in der vergangenen Woche um 5,5 Prozent ab.
Positiv nahm der Markt dagegen die Quartalszahlen von SAP auf. Die Papiere stiegen um 6,1 Prozent. Größter Gewinner im Dax waren allerdings Qiagen. Die Aktien des Labordienstleisters und Diagnostikkonzerns schossen um 9,5 Prozent nach oben, nachdem dieser nicht nur vorläufige Quartalszahlen bekannt gegeben hatte, sondern vor allem auch mitgeteilt hatte, dass er zugestimmt hat, vom schwedischen Finanzinvestor EQT übernommen zu werden. Dessen Papiere kletterten um 1,5 Prozent.
Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche insgesamt weiter zugelegt. Grund dafür war vor allem auch eine Flucht in den sicheren Hafen aufgrund der anhaltenden Sorgen um die Finanzstabilität Frankreichs. Auch Zinshoffnungen, bzw. die Erwartung, dass weder die US-Notenbank Fed noch die Europäische Zentralbank die Leitzinsen bereits in der kommenden Woche erhöhen werden, stabilisierten die Märkte. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe sank im Wochenvergleich um 6 Hundertstel auf 3,34 Prozent. Die Umlaufrendite gab um 9 Basispunkte auf 3,31 Prozent nach.
Die US-Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche erneut uneinheitlich tendiert. Generell zeigten sie sich dabei trotz teilweise erfreulicher Zahlen im Rahmen der laufenden Quartalsberichtssaison volatil und nervös. Während viele Marktteilnehmer zu Wochenanfang noch Gelder aus dem KI-Bereich in konservativere Titel umgeschichtet hatten, kamen am Freitag Aktien aus allen Branchen unter Druck. Dennoch konnte der Dow-Jones-Index ein Wochenplus von 0,4 Prozent auf 52.215,16 Punkte über die Ziellinie retten. Der tech-lastige Nasdaq-Composite-Index verlor dagegen im Wochenvergleich 0,7 Prozent auf 25.955,34 Punkte. Und der marktbreite S&P-500-Index rutschte um 0,5 Prozent auf 7.623,68 Zähler ab. Wie nervös die Anleger waren, zeigte unter anderem die Kursentwicklung von Meta. Nach guten Quartalszahlen zog der Kurs des Konzerns zunächst deutlich an, nur um nach Nachrichten über weitere hohe Investments letztlich abzustürzen und mit einem Wochenminus von 9,4 Prozent aus dem Handel zu gehen. Die Papiere von Lam Research (-11,7 Prozent) kamen direkt nach Bekanntgabe der Quartalszahlen unter die Räder. Tesla (+5,8) Prozent und SpaceX (+1,3 Prozent) profitierten dagegen unter anderem von ihren neuesten Zahlen und von Meldungen über einen möglichen Zusammenschluss.
Ausblick
Über eines sind sich die Marktteilnehmer einig: Die Stimmung an den Börsen ist aktuell ziemlich nervös, und dies wird sich in den kommenden Handelstagen auch nicht ändern – und zwar selbst dann, wenn die Börsianer am Ende der Woche bei den Themen Konjunktur, Inflation, KI und Unternehmensentwicklung deutlich klarer sehen, als zuletzt. Dabei müssen sie eine so hohe Zahl an relevanten Veröffentlichungen verarbeiten, wie selten. Die Frage ist also auch, auf welche Nachrichten sie sich konzentrieren und welche sie eher ignorieren.
Konzentrieren werden sie sich auf alle Fälle auf die Notenbanken. Denn am Mittwoch entscheidet in den USA die Fed über die Leitzinsen und am Donnerstag ist die EZB bei diesem Thema an der Reihe. Weitgehender Konsens am Markt ist dabei, dass beide Zentralbanken in diesem Monat die Leitzinsen trotz der nach wie vor bestehenden Inflationssorgen (noch) nicht weiter erhöhen. Bei der Fed kommt hinzu, dass eine Anhebung kurz vor den US-Zwischenwahlen am 3. November auch politisch recht heikel wäre. Umso wichtiger ist es, welche Hinweise die Notenbanken zu möglichen weiteren Zinsschritten geben.
Ebenfalls relevant sind zahlreiche Daten, die mehr über den generellen Zustand der Konjunktur verraten. Wie stabil ist also der aktuelle leichte Aufschwung in Deutschland? An diesem Montag veröffentlicht dazu beispielsweise das ifo-Institut die neueste Auswertung seines Geschäftsklimaindex. Am Mittwoch folgt das GfK-Verbrauchervertrauen und am Freitag werden mit dem Bruttoinlandsprodukt, den Arbeitslosenzahlen und vor allem der Inflationsrate gleich drei wesentliche Konjunkturindikatoren publiziert.
Und inwieweit könnte der Ölpreis die weltweite Wirtschaftsentwicklung weiter ausbremsen? Viele Marktbeobachter erwarten jedenfalls angesichts der Tatsache, dass aktuell weder im US-Iran-Krieg noch beim Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den Huthis mit einer Entspannung zu rechnen ist, weiter anziehende Preise – obwohl diese bereits den höchsten Stand seit April erreicht haben. Das aber würde bedeuten, dass für ein Barrel der Sorte Brent statt rund 116 Dollar wie am Freitag vergangener Woche möglicherweise mehr als 120 Dollar gezahlt werden müssen. Zum Vergleich: Kurz vor Beginn des US-Iran-Kriegs waren es noch deutlich weniger als 70 Dollar gewesen.
Und schließlich ist auch noch der Unternehmenskalender voll mit Quartalsberichten wichtiger Unternehmen. Wenn sich der Trend der letzten Woche fortsetzt, dürften diese überwiegend gute Ergebnisse präsentieren. Ob das aber genügt, um die Börsen generell zu unterstützen? Die Stimmungslage der Marktteilnehmer lässt sich jedenfalls so zusammenfassen: gut alleine genügt nicht. Die Zahlen müssen schon sehr gut sein, über den Erwartungen liegen, und die Ausblicke noch besser. Nur dann honorieren die Börsianer dies aktuell mit steigenden Kursen.
Besonders wichtige Tage sind in diesem Zusammenhang der Mittwoch und der Donnerstag. So legen am Mittwoch unter anderem Airbus, BASF, Deutsche Bank und Mercedes-Benz ihre neuesten Zahlen vor. Und am Donnerstag folgen Adidas, Volkswagen und Linde.
Für die internationale Kursentwicklung noch wichtiger dürften allerdings die Zahlen sein, die Microsoft und Alphabet am Mittwoch und Amazon und Intel am Donnerstag jeweils nach US-Börsenschluss vorlegen. Denn sie alle werden vor allem auch Informationen dazu liefern, wie rentabel das Geschäft mit KI zuletzt war und ihrer Meinung nach in den kommenden Quartalen sein wird.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 26.10: ifo-Geschäftsklimaindex;
Dienstag, 27.10: EZB-Bankkreditumfrage; ADP-Beschäftigungsänderungen in den USA; Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA; US-Verbrauchervertrauen; US-Immobilienpreisindex.
Mittwoch, 28.10: GfK-Verbrauchervertrauen (Deutschland); Offenmarkt-Ausschusssitzung der Fed mit Zinsentscheidung.
Donnerstag, 29.10: Zinsentscheidung der EZB; Geschäftsklimaindex Eurozone; Verbrauchervertrauen in der Eurozone; Preisindex persönliche Konsumausgaben USA; Bruttoinlandsprodukt USA; Erstanträge zur Arbeitslosenunterstützung in den USA.
Freitag, 30.10: Bruttoinlandsprodukt Deutschland; Arbeitslosenquote Deutschland; Verbraucherpreisindex Deutschland; Bruttoinlandsprodukt Eurozone; Arbeitslosenquote Eurozone; US-Arbeitskostenindex.
Disclaimer: Dies ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt von Text und Video wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
4investors.de als bevorzugte Quelle bei Google festlegen
Damit sehen Sie unsere Börsen- und Aktiennews häufiger in Ihren Google-Suchergebnissen.
