Börse am Morgen: Metro, Roche, Südzucker, Edelmetalle, Zinsen - Nord/LB
Rekordhohe Kraftstoffpreise dürften die deutsche Inflationsrate im September laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen auf 3,2% und damit auf den höchsten Stand seit Ende 2023 getrieben haben. Im August hatte die Teuerung noch 2,9% betragen. Eine erste Schätzung veröffentlicht das Statistische Bundesamt am Mittwoch.
In vielen Engpassberufen sind Menschen mit Einwanderungsgeschichte überdurchschnittlich stark vertreten. 2025 lag ihr Anteil laut Destatis bei 56% unter Köchinnen und Köchen, 55% in der Lebensmittelherstellung sowie jeweils über 50% im Bodenleger-, Gerüstbau- und Fleischverarbeitungsgewerbe. Auch bei Bus- und Straßenbahnfahrern sowie bei Servicekräften in der Gastronomie war ihr Anteil mit 47% deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft von 27%. In diesen Berufen besteht laut Bundesagentur für Arbeit ein Fachkräftemangel oder es drohen Engpässe.
Tagesausblick
Nachdem die australische Zentralbank am frühen Morgen deutscher Ortszeit bereits über den Leitzins entschieden hat, folgen aus der Schweiz und der Eurozone Konjunktur- und Stimmungsbarometer. Außerdem wird der US-Immobilienmarkt am Nachmittag noch einmal für die Märkte interessant. Mit dem Case-Shiller-Hauspreisindex werden ex-Post die Werte der gehandelten Privatimmobilien ermittelt, was zuletzt weniger dramatisch ausfiel als gedacht. Gleichwohl gerät dort wegen des abgekühlten Marktes zunehmend die Verkaufsseite immer stärker in den Fokus, denn auch die Lust am Verkauf ist zuletzt deutlich eingebrochen.
Renten- und Aktienmärkte
Weiter steigende Ölpreise sowie die daraus resultierenden höheren Inflationserwartungen belasteten auch gestern die Anleihemärkte, nachdem US-Präsident Trump am Wochenende einen iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus abgelehnt hatte. Anleger befürchten weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed.
Der deutsche Aktienmarkt konnte diesen Widrigkeiten gestern lange trotzen, drehte aber im späten Handel im Gefolge der Wall Street dann doch ins Minus. DAX -0,13%; MDAX -0,44%; TecDAX -0,16%.
Die US-Aktienmärkte zeigten sich dagegen von Handelsbeginn an belastet durch die steigenden Ölpreise und Anleiherenditen. Hinzu kam Gegenwind aus dem KI-Bereich, nachdem OpenAI (ChatGPT) nach einem erneuten Zwischenfall mit eigenständigen Aktionen der KI das Training seines neuesten KI-Modells GPT 6.1 Astra aussetzte. Dow -0,67%; S&P 500 -0,77%; Nasdaq Comp. -0,92% Auch die asiatischen Börsen handelten heute früh schwächer.
Unternehmen
Russland hat die russischen Vermögenswerte von Metro per Dekret unter vorübergehende staatliche Verwaltung gestellt. Metro betreibt dort 91 Märkte mit rund 9.000 Beschäftigten. Das Eigentum bleibt zwar formell bei der Metro AG, die operative Kontrolle über das Russland-Geschäft liegt jedoch nicht mehr beim Konzern. Russland steuert knapp 9% zum Konzernumsatz bei und zählt zu den wachstumsstärksten Märkten von Metro.
Südzucker hat in Q2 (Juni bis August) seinen operativen Gewinn auf EUR 168 Mio. (Vj.: EUR 93 Mio.) gesteigert. Maßgeblich waren vor allem höhere Ethanolpreise im Segment CropEnergies sowie höhere Absatzmengen im Segment Spezialitäten. Für das laufende Geschäftsjahr stellt das Management nun einen Umsatz von EUR 8,3 Mrd. bis EUR 8,7 Mrd. (EUR 200 Mio. mehr als bisher) sowie ein Betriebsergebnis von EUR 540 Mio. bis EUR 680 Mio. (bisher: EUR 480 Mio. bis EUR 680 Mio.) in Aussicht.
Der Schweizer Pharmakonzern Roche will seine Forschung effizienter gestalten und bis Ende 2026 rund zwei Milliarden Franken aus Einsparungen in wachstumsstarke Projekte investieren. Zudem soll die Entwicklungszeit neuer Medikamente, unter anderem durch den Einsatz von KI um rund 19 Monate sinken. Die Erfolgsquote in Phase-III-Studien stieg laut Roche im laufenden Jahr auf über 80 Prozent nach 65 Prozent im Jahr 2025. Bis 2030 plant Roche die Markteinführung von bis zu 20 neuen Wirkstoffen und erwartet zwischen 2025 und 2030 ein Umsatzplus von 16,3 Milliarden Franken.
Rohstoffe
Anleger rechnen mit weiter steigenden Zinsen und meiden daher Edelmetalle. Belastend wirken die Erwartungen einer weiteren Straffung der US-Geldpolitik, die durch die gestiegenen Ölpreise infolge der wieder verschärften Spannungen zwischen den USA und dem Iran zusätzlich angeheizt wurden. Neben Gold gerieten auch Silber, Platin und Palladium deutlich unter Druck.
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