Börse am Morgen: BMW, Mercedes, Volkswagen, Anleihen, Konjunkturdaten - Nord/LB
Nach dem DIW haben auch die Forschungsinstitute Ifo, IWH und IfW sowie RWI ihre Konjunkturprognosen für Deutschland angehoben. Ifo und IWH erwarten 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,4%, das IfW und das RWI rechnen mit 1,3%. Als Gründe nennen die Ökonomen robuste Exporte, höhere staatliche Investitionen sowie geringere Belastungen durch den Iran-Krieg als befürchtet. Zugleich warnen sie, dass die Erholung wegen hoher Energiepreise, struktureller Standortprobleme und einer schwachen Konsumnachfrage weiterhin fragil bleibt.
Laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) haben die deutschen Maschinenbauer im Juli ihre Orders um 2% gesteigert. Dabei legten die Aufträge aus dem Ausland um 4% zu. Im Gegensatz hierzu gingen die Bestellungen aus dem Inland um 2% zurück.
Der Branchenverband der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie VCI hält an seiner Prognose eines Produktionsrückgangs von 1,5% im Jahr 2026 fest. Zwar dürfte der Umsatz preisbedingt um 2,5% steigen, doch belasten eine schwache Auslastung, hoher Kostendruck und die verhaltene Industriekonjunktur. In Q2 stiegen Umsatz und Produktion zwar erstmals seit über drei Jahren wieder, doch laut VCI beruhte dies vor allem auf Sondereffekten wie Lageraufstockungen infolge des Nahostkonflikts und Lieferproblemen asiatischer Wettbewerber. Bereits im Juni gingen Aufträge und Umsätze wieder zurück. Mit einer Kapazitätsauslastung von lediglich 73,2% liegt die Branche zudem deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.
Der deutsche Automarkt ist im August um 2,6% auf 212.563 Neuzulassungen gewachsen. Treiber waren ausschließlich Privatkunden mit einem Plus von knapp 17%, während die gewerblichen Zulassungen um mehr als 5% sanken. Besonders gefragt waren Elektroautos: Die Zahl der Neuzulassungen reiner E-Autos stieg um 75% Prozent auf fast 69.000 Fahrzeuge und einen Marktanteil von 32,4%. Dagegen brach die Nachfrage nach Benzinern und Diesel-Pkw deutlich ein. Unter den Herstellern verzeichneten Mercedes und BMW Zuwächse, während Volkswagen und Audi Rückgänge hinnehmen mussten.
Die Zahlen des ISM Services PMI zeigen ein grundsätzlich positives Bild für die US-Ökonomie. Mit 55,4 Punkten konnte die Headline-Rate unerwartet stark steigen. Eine eher schwache Entwicklung zeigte jedoch die Beschäftigungskomponente mit einer marginalen Steigerung um 0,4 Punkte auf 47,8 Punkte. Diese dürfte wohl perspektivisch weiter sinken – ein schlechtes Omen für den heutigen Arbeitsmarktbericht.
Tagesausblick
Heute Vormittag werden die Einzelhandelsumsätze aus der Eurozone zu analysieren sein, welche aus unserer Sicht im Juli gerade mal die Wachstumsschwelle überschritten haben dürften – immerhin! Negativ überraschende Zahlen könnten allerdings geldpolitische Relevanz entfalten. Was geldpolitisch wirklich extrem relevant sein wird, ist der Arbeitsmarktbericht aus den USA. Sollten die Zahlen eher schlecht ausfallen, dann müsste sich das FOMC wohl von potenziellen Zinsanhebungsphantasien verabschieden müssen.
Renten- und Aktienmärkte
In der DAX-Familie kommt es im Rahmen der turnusmäßigen Indexüberprüfung zu Anpassungen, die zum 21. September wirksam werden. DAX: keine Anpassung; MDAX: rein: Ströer SE & Co. KGaA, raus: Hugo Boss AG; SDAX: rein: Hugo Boss AG, raus: Ströer SE & Co. KGaA; TecDAX: rein: OHB SE, raus: Cancom SE; Die nächste geplante Indexüberprüfung in der DAX-Familie findet am 3. Dezember 2026 statt.
An der Wall Street unterstützten auch gestern Hoffnungen auf eine Zinspause der Fed den Aktienhandel, nachdem ein weiterer Fed-Offizieller dies bestärkte. Die Kurse von US-Anleihen kletterten weiter, womit sich die Renditen etwas von ihrem Mehrjahreshoch entfernten. Diese positive Stimmung stützte nachmittags auch den europäischen Aktienhandel. Der DAX eroberte die Marke von 26.000 Punkten zurück. DAX +0,63%; MDAX +0,93%; TecDAX +0,37%; Dow Jones +1,18%; S&P 500 +1,06%; Nasdaq Comp. +1,40%.
Unternehmen
Der Volkswagen-Aufsichtsrat hat einstimmig ein umfassendes Sanierungsprogramm beschlossen, um die Profitabilität des Konzerns bis 2030 zu steigern. Geplant sind der Abbau von rund 50.000 Stellen, eine Straffung der Modellpalette sowie eine Verschlankung des Beteiligungsportfolios. Ziel ist eine Rendite von 9%. Bis Juni 2027 soll ein Konzept für eine nachhaltige und Wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entwickelt werden, welches auch alternative Verwendungsmöglichkeiten für bestehende Werke prüft.
Rohstoffe
Während Rohöl sich gestern weitgehend stabil hielt, profitierte Gold von nachlassenden Zinssorgen.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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