Börse am Morgen: Citigroup, Goldman Sachs und JPMorgan, Brent - Nord/LB
Die Kreditbedingungen für Selbstständige und Kleinstunternehmen in Deutschland haben sich laut Ifo-Institut deutlich verschärft. Im zweiten Quartal berichteten 44,8% von Schwierigkeiten bei Kreditverhandlungen, nach 34,6% zu Jahresbeginn. Besonders betroffen ist der Einzelhandel, wo der Anteil der Betroffenen auf 59,1% stieg. Trotz der verschlechterten Finanzierungssituation bleibt die Kreditnachfrage insgesamt niedrig, auch wenn sie im Einzelhandel zuletzt leicht zunahm. Das Geschäftsklima verbesserte sich im Juni zwar leicht, die aktuelle Lage wird jedoch weiterhin kritisch beurteilt. Eine nachhaltige Erholung ist nach Einschätzung des Ifo-Instituts bislang nicht erkennbar.
In diesem Umfeld stiegt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im April um 7,1% auf 2.276 Fälle und erreichte damit den höchsten Stand seit 14 Jahren. Besonders betroffen waren Verkehr und Logistik, Gastgewerbe sowie Bauwirtschaft, welche unter hohem Kostendruck, schwacher Nachfrage und anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit litten. Laut DIHK kämpft inzwischen jedes fünfte Unternehmen, bei kleineren und mittleren Betrieben sogar fast jedes vierte, mit Liquiditätsengpässen. Trotz steigender Fallzahlen sanken die Forderungen der Gläubiger auf EUR 13,9 Mrd., da weniger große Unternehmen Insolvenz anmeldeten. Aus Kreditrisikosicht bleibt die Bonitätsentwicklung insbesondere im Mittelstand angespannt, weshalb die Wirtschaft weitere Entlastungen bei Kosten, Bürokratie und Finanzierung fordert.
Die Baupreise in Deutschland sind im Mai 2026 mit +5,0% gegenüber dem Vorjahr so stark gestiegen wie seit knapp drei Jahren nicht mehr und haben sich damit deutlich stärker verteuert als noch im Februar (+3,3%). Die hohen Baukosten gelten weiterhin als wesentliche Ursache für die schwache Neubautätigkeit, weshalb der Immobilienverband GdW für 2026 nur rund 200.000 fertiggestellte Wohnungen erwartet – deutlich weniger als der jährliche Bedarf von etwa 320.000 Einheiten. Besonders stark verteuerten sich Dachdecker-, Zimmerer- und Holzbauarbeiten (jeweils +7,3%), während Beton- und Mauerarbeiten um rund 4% zulegten. Auch die Ausbaugewerke wurden mit durchschnittlich +5,1% teurer, darunter Heizungs- und Warmwasseranlagen einschließlich Wärmepumpen (+5,0%). Neben dem Wohnungsbau stiegen auch die Neubaupreise für Büro- und Gewerbegebäude um rund 5%, während der Straßenbau sogar einen Preisanstieg von 6,2% verzeichnete.
Wochenausblick
Die Berichtssaison beginnt traditionell Mitte Juli mit den Quartalszahlen der großen US-Banken wie JPMorgan, Citigroup und Goldman Sachs. Nach aktuellem Analystenkonsens dürften die Unternehmen insgesamt solide Ergebnisse vorlegen, wenngleich sich regional und sektoral ein differenziertes Bild abzeichnet. Für Anleger bleibt die Berichtssaison dennoch spannend. Die Gewinnerwartungen sind hoch, während sich viele Aktienmärkte bereits in der Nähe ihrer Rekordstände bewegen. Entsprechend könnte der Fokus weniger auf den zurückliegenden Quartalszahlen als vielmehr auf den Ausblicken der Unternehmen für das 2. Halbjahr liegen. Sollten die Prognosen die hohen Erwartungen nicht erfüllen, dürfte dies angesichts der ambitionierten Bewertungen zu Kursreaktionen führen. Positive Überraschungen hingegen haben das Potenzial, die aktuell hohe Marktbewertung weiter zu rechtfertigen. Überdies werden in dieser Woche die neuesten Inflationszahlen aus den USA eines der absoluten geldpolitischen Highlights sein, gefolgt von den Einzelhandelsumsätzen aus den USA. Außerdem wird in dieser ohnehin US-lastigen Veröffentlichungswoche auch das Spotlight auf den NAHB Bauklimaindex gerichtet, welcher Einblick in die Vitalität des dortigen Immobilienmarktes gibt.
Aktien- und Rentenmärkte
Japan erwägt, seinen staatl. weltgrößten Pensionsfonds GPIF (Assetsize rd. EUR 1,6 Bio.) stärker in heimische Anlagen zu lenken, um den Finanzmarkt zu stützen und den Yen zu stärken. Die Ankündigung sorgte am vergangenen Freitag für eine Aufwertung des Yen und sinkende Renditen bei japanischen Staatsanleihen (da Anleger mit Kapitalrückflüssen rechnen – die Rendite 10jähriger jap. Bonds fiel um 13bp auf 2,73%). Eine Umschichtung zulasten ausländischer Anlagen könnte insbesondere den US-Anleihemarkt (Treasuries) belasten, während europäische Märkte mittelfristig von einer stärkeren Diversifizierung japanischer Investoren profitieren könnten.
In Europa und an der Wall Street zeigten sich die Börsen zum Wochenschluss indes uneinheitlich. Die Lage in Nahost bleibt weiterhin fragil. DAX -0,20%; MDAX +0,26%; TecDAX +0,36%; Dow Jones +0,29%; S&P 500 +0,42%; Nasdaq Comp. +0,29%.
Rohstoffe
Zum Wochenschluss verbilligte sich Brent und fällt unter USD 75 pro Barrel. Der Schiffsverkehr in Hormus wurde wieder aufgenommen. Heute morgen Rolle Rückwärts. Der Konflikt eskaliert wieder.
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