Wirecard Aktie: Neue Aufregung um die Asien-AffÀre
Schon seit Anfang Februar versucht Wirecard-Chef Markus Braun, die âAffĂ€reâ um fragwĂŒrdige GeschĂ€ftspraktiken im Asien-GeschĂ€ft fĂŒr beendet zu erklĂ€ren. Bisher erfolglos: An der Börse und in den Medien ist das Thema, zuerst Ende Januar von der âFinancial Timesâ aufgebracht, weiter Ă€uĂerst prĂ€sent. Der Aktienkurs von Wirecard notiert weit unter dem Niveau, das Ende Januar zu sehen war - doch das ist nicht so ĂŒberraschend - an der Börse baut sich verloren gegangenen Vertrauen nur langsam wieder auf.
Das jĂŒngste Statement des Konzernchefs in einem Interview mit dem Nachrichtensender n-tv, mit dem Braun die AffĂ€re abhaken wollte, dĂŒrfte sich ebenfalls als voreilig erweisen. Da ist unter anderem die anstehende Vorlage der Bilanz fĂŒr 2018 am 25. April, am 18. April lĂ€uft das Verbot der BAFin zum Aufbau neuer Netto-Leerverkaufspositionen aus und nicht zuletzt spielen die weiter laufenden Ermittlungen der Behörden in Singapur eine gewichtige Rolle. Die Behörden gehen einer ganzen Reihe von VorwĂŒrfen nach und sichten Berge von Aktien, die man aus den Wirecard-BĂŒros in dem Stadtstaat geholt hat - Ende offen.
Neue Aufregung könnte nun ein Bericht in der âSĂŒddeutsche Zeitungâ zu Wirecard schĂŒren. Alles in Allem enthĂ€lt der schon am Freitagabend veröffentlichte Bericht zwar viel Bekanntes, dennoch wirft er ein alles andere als gutes Licht auf das GeschĂ€ftsgebaren bei Wirecard. Insbesondere die Rolle des Wirecard-Managements in der AffĂ€re ist laut dem Bericht von zweifelhafter Natur: Das Engagement, die fragwĂŒrdigen GeschĂ€fte in Asien aufzuklĂ€ren und hieraus Konsequenzen zu ziehen, war dem Bericht zufolge enorm begrenzt. Das passt zur Whistleblowergeschichte rund um Wirecard könnte in der nĂ€chsten Zeit die Rolle des Konzernmanagements an der Börse noch einmal zu einem Thema werden lassen - trotz der entlastenden bisherigen Untersuchungen der von Wirecard beauftragten Anwaltskanzlei Rajah & Tann.
Wirecards undurchsichtige Kommunikationsstrategie
In der AffĂ€re bleibt die Kommunikationsstrategie des Unternehmens undurchsichtig. Wiesen die SĂŒddeutschen zunĂ€chst alle Berichte der âFinancial Timesâ pauschal zurĂŒck, man sprach unter anderem von falschen, irrefĂŒhrenden und verleumderischen VorwĂŒrfen, so hat sich lĂ€ngst gezeigt, dass es Ungereimtheiten im Asien-GeschĂ€ft gibt - im Zentrum die Asien-Zentrale in Singapur. Seitdem versucht man in der Konzernzentrale vor allem, das starke operative GeschĂ€ft in den Vordergrund zu schieben und die AffĂ€re mit den Neuigkeiten von den Rajah&Tann-Untersuchungen fĂŒr beendet zu erklĂ€ren.
Doch das wird nicht reichen. Nach dem bisherigen Stand der Dinge ist das Volumen der Ungereimtheiten zwar klein im Vergleich zum Volumen, das Wirecard jĂ€hrlich als Umsatz verzeichnet. Doch wieder einmal dĂŒrften sich Kritiker des Unternehmens in ihrem Vorwurf bestĂ€tigt sehen, dass der DAX-Konzern intransparent ist und man enorme Schwierigkeiten hat, das stĂŒrmische Wachstum zu managen. Wirecard-Chef Braun hat im n-tv-Interview immerhin zusĂ€tzliche Transparenz auf der Bilanzpressekonferenz versprochen. An der Börse wird man nun erst recht genau hinschauen: Wirecard muss liefern.
