Silber überflügelt Gold: Solarboom verschärft Defizit am Silbermarkt
Silber steht traditionell im Schatten von Gold, doch an den Edelmetallmärkten hat sich das „Nebenmetall“ zuletzt deutlich emanzipiert. Während Gold die Schlagzeilen dominiert, erzielt Silber höhere prozentuale Kursgewinne und gewinnt durch seine industrielle Rolle – vor allem in der Solarindustrie – zusätzlich an Bedeutung. Vor dem Hintergrund eines wachsenden Angebotsdefizits rückt Silber damit stärker in den Fokus von Marktbeobachtern.
Silber im Vergleich zu Gold
Seit Oktober 2023 befindet sich der Silberpreis in einem ausgeprägten Aufwärtstrend. Spot-Silber stieg von einem Tief bei 20,67 US-Dollar je Unze am 3. Oktober 2023 auf ein Rekordhoch von 54,38 US-Dollar am 13. November, ein Plus von rund 163 Prozent. Zuletzt notierte Silber bei 53,39 US-Dollar und damit nicht einmal mehr einen Dollar unter dem Höchststand.
Gold legte im selben Zeitraum ebenfalls kräftig zu, blieb aber zurück. Der Goldpreis kletterte von 1.813,90 US-Dollar auf ein Rekordniveau von 4.381,21 US-Dollar und gab anschließend auf etwa 4.163,51 US-Dollar nach – ein Anstieg von 142 Prozent. Silber hat Gold damit deutlich übertroffen, obwohl Gold aufgrund seiner Rolle als Wertspeicher und Schmuckmetall stärker im medialen Rampenlicht steht.
Auch frühere Haussephasen zeigen, dass Silber dazu neigt, Gold prozentual zu übertreffen. In der Rallye nach der Finanzkrise Ende der 2000er-Jahre stiegen beide Edelmetalle deutlich, Silber jedoch wesentlich stärker. Die größere Hebelwirkung von Silber ist damit ein bekanntes Muster im Edelmetallsektor.
Der aktuelle Aufschwung wurde zusätzlich durch politische und geldpolitische Erwartungen in den USA verstärkt. Nach der Rückkehr von Donald Trump ins Präsidentenamt rechneten Marktteilnehmer mit einer lockereren Geldpolitik und potenziell höherem Misstrauen gegenüber US-Staatsanleihen. Zentralbankkäufe sowie Zuflüsse in goldgedeckte ETFs, Barren und Münzen trieben die Goldnachfrage; Silber profitierte als „Begleiter“ des Goldes von diesem Umfeld, auch wenn die Lagerung physischer Silberbestände aufgrund des größeren Volumens je Wertbetrag kostspieliger bleibt.
Solarindustrie treibt Silber-Nachfrage
Entscheidend für die Perspektive von Silber ist zunehmend die industrielle Nutzung. Silber ist ein wichtiger Rohstoff für Elektronik und ein zentrales Element in Photovoltaikzellen. Laut Daten von LSEG stieg der industrielle Silberverbrauch 2024 auf 689,1 Millionen Unzen, nach 644 Millionen Unzen im Vorjahr.
Besonders stark wuchs der Einsatz in der Solarindustrie. Der Silberverbrauch für Solarmodule nahm von 191,8 Millionen Unzen im Jahr 2023 auf 243,7 Millionen Unzen im Jahr 2024 zu – rund 158 Prozent mehr als 2020, als 94,4 Millionen Unzen in diesem Segment eingesetzt wurden. Parallel dazu wächst die weltweit installierte Solarkapazität: 2024 wurden rund 600 Gigawatt neuer Leistung installiert, bis 2030 könnten es Schätzungen zufolge nahe 1.000 Gigawatt pro Jahr sein.
Die Internationale Energieagentur erwartet, dass von 2024 bis 2030 insgesamt etwa 4.000 Gigawatt zusätzliche Photovoltaikleistung hinzukommen. Hochrechnungen zufolge könnte allein dieser Ausbau die Silbernachfrage bis 2030 um nahezu 150 Millionen Unzen pro Jahr erhöhen. Bezogen auf die physische Gesamtnachfrage von 1,169 Milliarden Unzen im Jahr 2024 entspräche dies einem Zuwachs von rund 13 Prozent, der im Wesentlichen aus einer einzigen industriellen Anwendung stammt.
Vor allem im Kontext der Energiewende entwickelt sich Silber damit zu einem strategischen Werkstoff und verbindet klassische Edelmetallfunktionen mit wachsender industrieller Bedeutung.
Strukturelles Defizit und begrenzte Silberproduktion
Auf der Angebotsseite kann der Markt mit dieser Entwicklung nur begrenzt Schritt halten. Für 2024 weist LSEG ein Defizit von 501,4 Millionen Unzen aus, nach lediglich 19,4 Millionen Unzen im Jahr 2023. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage hat sich damit binnen Jahresfrist massiv vergrößert und unterstreicht die strukturelle Knappheit am Silbermarkt.
Ein zentraler Grund liegt darin, dass der Großteil des Silbers als Beiprodukt aus Minen stammt, deren Hauptfokus auf Metallen wie Kupfer, Blei, Zink oder Gold liegt. Investitions- und Produktionsentscheidungen orientieren sich daher primär an der Wirtschaftlichkeit dieser Metalle, nicht an der Preisentwicklung von Silber. Selbst deutlich höhere Silberpreise führen deshalb nicht automatisch zu einer raschen Ausweitung der Förderung.
Zugleich sind neue Projekte oder Kapazitätserweiterungen in der Bergbauindustrie generell mit langen Vorlaufzeiten verbunden. Branchenanalysen gehen zudem davon aus, dass bis 2030 einzelne bestehende Silberminen geschlossen werden. Ein im Juli auf der Plattform Mining Technology veröffentlichter Bericht prognostiziert, dass die weltweite Silberproduktion bis 2030 von erwarteten 944 Millionen Unzen im laufenden Jahr auf etwa 901 Millionen Unzen sinken könnte.
Damit trifft ein wachsender, vor allem durch die Solarindustrie getriebener Silberbedarf auf ein Angebot, das nur begrenzt ausgebaut werden kann. In einem im Vergleich zu Gold kleineren Markt bedeutet dies, dass bereits zusätzliche Nachfrageimpulse spürbare Preisreaktionen nach sich ziehen können. Während Gold weiterhin als klassischer Wertspeicher gilt, etabliert sich Silber zunehmend als Schlüsselrohstoff der Energiewende.
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III. Interessenkonflikte
Gemäß §34b WpHG und §48f Abs. 5 BörseG (Österreich) weisen wir darauf hin, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH sowie ihre Partner, Auftraggeber oder Mitarbeiter Aktien der oben genannten Unternehmen halten. Zudem besteht ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag zwischen diesen Unternehmen und der GOLDINVEST Consulting GmbH, und es ist möglich, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH jederzeit Aktien dieser Unternehmen kauft oder verkauft. Diese Umstände können zu Interessenkonflikten führen, da die oben genannten Unternehmen die GOLDINVEST Consulting GmbH für die Berichterstattung entlohnen.
Silber im Vergleich zu Gold
Seit Oktober 2023 befindet sich der Silberpreis in einem ausgeprägten Aufwärtstrend. Spot-Silber stieg von einem Tief bei 20,67 US-Dollar je Unze am 3. Oktober 2023 auf ein Rekordhoch von 54,38 US-Dollar am 13. November, ein Plus von rund 163 Prozent. Zuletzt notierte Silber bei 53,39 US-Dollar und damit nicht einmal mehr einen Dollar unter dem Höchststand.
Gold legte im selben Zeitraum ebenfalls kräftig zu, blieb aber zurück. Der Goldpreis kletterte von 1.813,90 US-Dollar auf ein Rekordniveau von 4.381,21 US-Dollar und gab anschließend auf etwa 4.163,51 US-Dollar nach – ein Anstieg von 142 Prozent. Silber hat Gold damit deutlich übertroffen, obwohl Gold aufgrund seiner Rolle als Wertspeicher und Schmuckmetall stärker im medialen Rampenlicht steht.
Auch frühere Haussephasen zeigen, dass Silber dazu neigt, Gold prozentual zu übertreffen. In der Rallye nach der Finanzkrise Ende der 2000er-Jahre stiegen beide Edelmetalle deutlich, Silber jedoch wesentlich stärker. Die größere Hebelwirkung von Silber ist damit ein bekanntes Muster im Edelmetallsektor.
Der aktuelle Aufschwung wurde zusätzlich durch politische und geldpolitische Erwartungen in den USA verstärkt. Nach der Rückkehr von Donald Trump ins Präsidentenamt rechneten Marktteilnehmer mit einer lockereren Geldpolitik und potenziell höherem Misstrauen gegenüber US-Staatsanleihen. Zentralbankkäufe sowie Zuflüsse in goldgedeckte ETFs, Barren und Münzen trieben die Goldnachfrage; Silber profitierte als „Begleiter“ des Goldes von diesem Umfeld, auch wenn die Lagerung physischer Silberbestände aufgrund des größeren Volumens je Wertbetrag kostspieliger bleibt.
Solarindustrie treibt Silber-Nachfrage
Entscheidend für die Perspektive von Silber ist zunehmend die industrielle Nutzung. Silber ist ein wichtiger Rohstoff für Elektronik und ein zentrales Element in Photovoltaikzellen. Laut Daten von LSEG stieg der industrielle Silberverbrauch 2024 auf 689,1 Millionen Unzen, nach 644 Millionen Unzen im Vorjahr.
Besonders stark wuchs der Einsatz in der Solarindustrie. Der Silberverbrauch für Solarmodule nahm von 191,8 Millionen Unzen im Jahr 2023 auf 243,7 Millionen Unzen im Jahr 2024 zu – rund 158 Prozent mehr als 2020, als 94,4 Millionen Unzen in diesem Segment eingesetzt wurden. Parallel dazu wächst die weltweit installierte Solarkapazität: 2024 wurden rund 600 Gigawatt neuer Leistung installiert, bis 2030 könnten es Schätzungen zufolge nahe 1.000 Gigawatt pro Jahr sein.
Die Internationale Energieagentur erwartet, dass von 2024 bis 2030 insgesamt etwa 4.000 Gigawatt zusätzliche Photovoltaikleistung hinzukommen. Hochrechnungen zufolge könnte allein dieser Ausbau die Silbernachfrage bis 2030 um nahezu 150 Millionen Unzen pro Jahr erhöhen. Bezogen auf die physische Gesamtnachfrage von 1,169 Milliarden Unzen im Jahr 2024 entspräche dies einem Zuwachs von rund 13 Prozent, der im Wesentlichen aus einer einzigen industriellen Anwendung stammt.
Vor allem im Kontext der Energiewende entwickelt sich Silber damit zu einem strategischen Werkstoff und verbindet klassische Edelmetallfunktionen mit wachsender industrieller Bedeutung.
Strukturelles Defizit und begrenzte Silberproduktion
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Ein zentraler Grund liegt darin, dass der Großteil des Silbers als Beiprodukt aus Minen stammt, deren Hauptfokus auf Metallen wie Kupfer, Blei, Zink oder Gold liegt. Investitions- und Produktionsentscheidungen orientieren sich daher primär an der Wirtschaftlichkeit dieser Metalle, nicht an der Preisentwicklung von Silber. Selbst deutlich höhere Silberpreise führen deshalb nicht automatisch zu einer raschen Ausweitung der Förderung.
Zugleich sind neue Projekte oder Kapazitätserweiterungen in der Bergbauindustrie generell mit langen Vorlaufzeiten verbunden. Branchenanalysen gehen zudem davon aus, dass bis 2030 einzelne bestehende Silberminen geschlossen werden. Ein im Juli auf der Plattform Mining Technology veröffentlichter Bericht prognostiziert, dass die weltweite Silberproduktion bis 2030 von erwarteten 944 Millionen Unzen im laufenden Jahr auf etwa 901 Millionen Unzen sinken könnte.
Damit trifft ein wachsender, vor allem durch die Solarindustrie getriebener Silberbedarf auf ein Angebot, das nur begrenzt ausgebaut werden kann. In einem im Vergleich zu Gold kleineren Markt bedeutet dies, dass bereits zusätzliche Nachfrageimpulse spürbare Preisreaktionen nach sich ziehen können. Während Gold weiterhin als klassischer Wertspeicher gilt, etabliert sich Silber zunehmend als Schlüsselrohstoff der Energiewende.
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