Börse am Morgen: Aumovio, HelloFresh, TAG Immobilien, Brent, EZB - Nord/LB Marktbericht
Im dt. Wohnungsbau setzt sich der Aufwärtstrend fort: Im Januar stiegen die Baugenehmigungen erstmals nach drei Jahren wieder um 8,4?% auf 19.500 Wohnungen. Besonders dynamisch entwickelten sich Ein- und Zweifamilienhäuser mit zweistelligen Zuwächsen (Zweifamilienhäuser: +26,1%; Einfamilienhäuser: +12,6%).
Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland entwickeln sich laut einer IW?Studie (Institut der deutschen Wirtschaft) zunehmend auseinander. Während Metropolen und wirtschaftsstarke Regionen bis 2035 mit weiteren Preissteigerungen rechnen können, drohen in strukturschwachen Gebieten Stagnation oder deutliche Wertverluste (teils von bis zu 20%). Entscheidend für die Preisentwicklung sind weniger Stadt?Land?Unterschiede als vielmehr die wirtschaftl. Stärke und Anbindung an große Arbeitsmärkte. Bundesweit soll der mittlere Quadratmeterpreis (rd. EUR 3.024 im Jahr 2025) bis 2035 inflationsbereinigt um jährlich etwa 1,1% steigen (auf EUR 4.092), wobei Regionen mit Energie? und Autoindustrie aufgrund des Strukturwandels zusätzlichen Druck erleben. Die IW-Autoren fordern eine regional ausgerichtete Wohnungspolitik: mehr Neubau in Metropolen und Bestandserhalt sowie energ. Modernisierung in schwachen Regionen.
Tagesausblick
Am heutigen Donnerstag geben sich die Zentralbanken regelrecht die Klinke in die Hand. Nachdem die australische sowie die US-Notenbank bereits über die Leitzinsen berieten, folgen heute die BoJ, die BoE, die SNB und die EZB. Trotz der angestiegenen Inflationserwartungen sollten die Geldpolitiker zunächst nicht zu offensiv über Leitzinsanhebungen nachdenken. Sowieso haben die verschiedenen Volkswirtschaften sehr unterschiedliche Themen in Bezug auf die Geldpolitik, der Iran-Konflikt bzw. die faktische Sperrung der Straße von Hormus stellt dennoch eine gewisse Zäsur dar. Alles scheint derzeit von einer zügigen Befriedung der für die Ölexporte so wichtigen Wasserstraße – oder gar einem Ende des Konfliktes selbst – abzuhängen.
Aktien- und Rentenmärkte
Wie gewonnen so zerronnen. Die positiven Vorzeichen am Aktienmarkt drehten gestern nach dem Newsflow über Angriffe auf Gasinfrastruktur im Iran ins Minus. Es bleibt dabei. Die Energiepreise definieren das derzeitige Kapitalmarktsentiment.
Im SDAX stürzte die HelloFresh?Aktie (SDAX) nach enttäuschenden Geschäftszahlen und einem erneut trüben Ausblick für 2026 auf ein Rekordtief von EUR 3,788 ab (Tagesverlust von rd. 18%). Marktbeobachter nennen als Grund fehlende positive Aspekte, die pessimistische Marktstimmung beim Kochboxversender hält schon seit längerem an und erreichte am Mittwoch einen neuen traurigen Tiefpunkt.
Am Rentenmarkt kam es nach einem erfreulichen Start analog zu den Entwicklungen bei Aktien gestern zu einem U-Turn. Ängste über einen längerfristigen Inflationsschock lassen die Renditen von Staatsanleihen wieder steigen.
DAX -0,96%; MDAX +0,13%; TecDAX -1,10%; Dow Jones -1,64%; S&P 500 -1,36%; Nasdaq Comp. -1,46%.
Unternehmen
Aumovio steigert 2025 trotz Umsatzrückgang sein bereinigtes Betriebsergebnis deutlich auf EUR 717 Mio., rutscht jedoch wegen Steuern, Abspaltungskosten und Transformationsaufwand mit EUR 655 Mio. in die Verlustzone. Die ehemalige Conti-Sparte bleibt im Schrumpfkurs, reduziert weltweit bis Ende 2026 bis zu 4.000 Stellen und verbessert ihre Marge durch Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen auf 3,9%. Für 2026 erwartet der Vorstand ein herausforderndes Marktumfeld, strebt aber eine Marge von bis zu 5%, einen normalisierten Cashflow von EUR 500–800 Mio. sowie vorerst keine Dividende an.
TAG Immobilien (MDAX) hat 2025 dank starker Ergebnisse in Polen und höherer Mieteinnahmen seine Gewinnziele übertroffen. Der FFO I stieg um 3% auf EUR 181?Mio., der FFO II um 4% auf EUR 248,2?Mio., jeweils über den Prognosen. Wesentliche Treiber waren höhere Verkaufspreise und ein starkes Ergebnis der polnischen Tochter Robyg, für die ein möglicher Börsengang in Warschau geprüft wird. Zudem konnte TAG entgegen dem Branchentrend den Wert des deutschen Immobilienportfolios um 3,1% steigern und den LTV deutlich auf 41% senken. Für 2026 peilt das Unternehmen weitere FFO?Steigerungen an und plant eine Dividendenerhöhung auf EUR 0,40 je Aktie.
Rohstoffe
Sorgen einer Ausweitung des Iran-Krieges auf regionale Energieinfrastruktur belasten die Ölpreise. Brent ist heute morgen schon wieder über die USD 120er-Marke gesprungen.
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