Mario Draghi behält Deutungshoheit und Niedrigzinsausblick - DWS Kolumne


24.10.2019 16:50 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Mario Draghis Abschiedsvorstellung als EZB-Präsident geriet zur erwartbaren Mischung aus Nostalgie und Selbstvergewisserung. Sowohl im lang- als auch im kurzfristigen Rückblick fühlt sich Draghi in seiner Politik bestätigt. So auch mit seinen im September verkündeten geldpolitischen Maßnahmen, die er bereits einige Wochen vorher zur Überraschung vieler Kollegen im portugiesischen Sintra angedeutet hatte. Vor dem Hintergrund der zuletzt schwächeren europäischen Konjunkturdaten dürften einige Kritiker konzilianter geworden sein.

Aus Draghis Antworten geht hervor, dass die EZB ihren "easing bias" (also die Tendenz, geldpolitisch eher zu lockern als zu straffen) beibehalten wird und bereit steht, notfalls noch expansiver zu werden. Erneut appellierte Draghi an die Staaten, den fiskalischen Spielraum zu nutzen, auch um negative Effekte der expansiven Geldpolitik abzumildern. Diese Steilvorlage wird seine Nachfolgerin gerne nutzen. Damit geht die Draghi-Ära zu Ende, Christine Lagarde übernimmt, doch die geldpolitische Ausrichtung bleibt unverändert auf Expansion. Angesichts der schwächelnden Wirtschaft gehen wir davon aus, dass Lagarde ihren Spielraum nutzen und wenn nötig über die bereits eingeleiteten Maßnahmen hinausgehen wird. Die Zinsen dürften also nicht nur vorerst, sondern längerfristig niedrig bleiben.

Autorin: Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa, zur Abschieds-Pressekonferenz von Mario Draghi

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der DWS. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer heutigen Sitzung wie erwartet keine neuen Beschlüsse gefasst. Die Leitzinsen blieben unverändert, zudem wurde die Forward Guidance wiederholt. Erst im September hatte der EZB-Rat ein umfangreiches Stimuluspaket auf den Weg gebracht. Insofern war trotz anhaltend schwacher Konjunktur- und Inflationsdaten von einer Politik der ruhigen Hand zumindest für die Oktobersitzung auszugehen. Zum QE äußerte Draghi, dass bis zu einer notwendigen Anpassung der Issuer Limite noch einige Zeit verstreichen werde. Im Anschluss an die Septembersitzung hatte sich insbesondere an der Wiederaufnahme der Nettoassetankäufe Kritik entzündet. Diese Diskussion dürfte heute fortgeführt worden sein. Auch dem Lager um Mario Draghi muss daran gelegen sein, zu einem geschlossenen Erscheinungsbild der EZB zurückzukehren. Ein wie in den vergangenen Wochen öffentlich ausgetragener Streit über die eigenen Beschlüsse sind der Glaubwürdigkeit und der ... diese News weiterlesen!

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