GECAM - DAX: Deutsche Unternehmen in Europa am besten
Die Erwartungen zum Jahreswechsel waren groß: Die Wirtschaft in den USA wird 2014 um 3 Prozent wachsen, Deutschland um 2 Prozent und selbst Euroland wächst wieder um 1 Prozent. In der Folge werden auch Aktienmärkte und selbst Rohstoffe weiter gewinnen und die Zinsen ansteigen.
Doch zunächst machten die in den letzten zehn Jahren für die Dynamik in der Welt verantwortlichen Schwellenländer einen Strich durch die Heile-Welt-Rechnung, indem sich von der Türkei über Thailand und Brasilien bis hin zu der Ukraine strukturelle bzw. politische Unzufriedenheiten in Aufstände verwandelten. Darüber hinaus erlebte Nordamerika einen der härtesten Winter der letzten 50 Jahre, was zum Teil zu starken Einbrüchen bei diversen Konjunkturindikatoren führte und das BIP-Wachstum im ersten Quartal auf Null drückte. Zuletzt erwachten durch die Entwicklungen in der Ukraine und den damit zusammenhängenden geopolitischen Interessen der USA und Russlands wieder Ängste vor einem (kalten) Krieg, wie sie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr für möglich gehalten wurden.
Unternehmensergebnisse entscheiden langfristig über Aktienmarktentwicklung
Doch dies sind alles politische bzw. saisonale Einflüsse auf die Stimmung an den Märkten. Langfristig entscheidet nur ein Parameter über die Entwicklung des Aktienkurses: Die Gewinnentwicklung bzw. die Gewinnperspektive.
Die Erwartungen an die US-Berichtssaison zum 1. Quartal lagen unmittelbar vor Beginn unter dem Ergebnis des 4. Quartals 2013. Für Nicht-Finanzunternehmen befürchteten Analysten gar einen Gewinnrückgang von sieben Prozent. Die niedrigen Erwartungen setzten die Basis dafür, dass die führenden US-Unternehmen die Erwartungen mit einem Gewinnanstieg von 4,3 Prozent übertreffen können. In Summe liegen die bisher veröffentlichten Zahlen um 9,7 Prozent über dem ersten Quartal 2013, verfehlen damit aber das Gewinn-Niveau des 4. Quartals 2013 um 3,3 Prozent. Damit übertreffen die führenden US-Unternehmen die an sie gestellten Erwartungen nun schon zum 21. Mal in Folge. Vergleicht man noch die Gewinnausweise mit der Umsatzentwicklung, so klafft im ersten Quartal 2014 eine Lücke. Einer Quote positiver Gewinn-Überraschungen von 62 Prozent steht eine besser als erwartete Umsatzquote von nur 47 Prozent gegenüber, was auf geringere Kosten und nicht mehr Neugeschäft hinweist.
EuroStoxx 50: Starker Euro und schwache Schwellenländer belasten
Die bisher vorgelegten Ergebnisse der europäischen Unternehmen geben ein ambivalentes Bild ab. Ein wesentlicher Grund für die noch verhaltene fundamentale Entwicklung lässt sich auf den starken Euro und die Nachfrageschwierigkeiten in einzelnen Schwellenländern zurückführen. Auch hier wurden im Vorfeld die Erwartungen an die Gewinne zurückgenommen. In Summe erwarten die Analysten im Vergleich zum Vorjahr einen Nettogewinnrückgang um 6,7 Prozent. Auch ein Blick auf die Sektoren zeigt, dass der Gewinnpfeil nur partiell nach oben zeigt. Dabei führte der starke Euro über fast alle Sektoren hinweg zu Belastungen. Im Branchenvergleich lassen nur 6 der 18 Branchen Zuwächse erwarten. Vornehmlich zyklische Titel aus den Sektoren Chemie, Bau, Automobil, Technologie und Industrie können Verbesserungen vermelden. Deutliche Gewinnrückgänge werden aufgrund der warmen Witterung für Versorger und angesichts schwacher Raffineriemargen für Öltitel prognostiziert. Unter einer rückläufigen Dynamik leiden auch Nahrungsmittel- und Konsumwerte. Auch die Mehrheit der Ausblicke fiel angesichts von Währungsbelastungen und der weiter schwelenden Krise in der Ukraine verhalten aus. Insgesamt bestätigten jedoch die meisten Unternehmen ihre Aussichten.
DAX: Deutschland im europäischen Kontext mit bester Qualität
Im europäischen Vergleich präsentieren sich die DAX-Unternehmen besser - und das nicht erst im letzten Quartal. Seit den Tiefs während der Finanzkrise haben sich die Gewinne im DAX deutlich besser entwickelt, als in allen anderen Regionen des EuroStoxx 50.
Fazit: Durch die niedrigen Erwartungen konnten viele Unternehmen positiv überraschen. Jedoch darf nicht übersehen werden, dass insbesondere amerikanische Aktien mit einem KGV von 16 mittlerweile recht teuer sind. Wohingegen europäische Dividendentitel bei rund 13,5 noch im langfristigen Durchschnitt liegen. Weiteres signifikantes Aufwärtspotenzial für die Aktienmärkte kann nur entstehen, wenn sich die Gewinnperspektiven merklich verbessern. Vor dem Hintergrund einer nunmehr fast dreijährigen Stagnation bei wachsender Weltwirtschaft, waren die bisherigen Ausweise enttäuschend. Dennoch sollte ein Weltwirtschaftswachstum von 3,5 bis 4 Prozent in 2014 sowie historisch hohen Liquiditäts-Quoten der Unternehmen in der westlichen Welt, die wiederum einen Investitionsboom auslösen könnten, zu überdurchschnittlichen Gewinnperspektiven für 2015 führen. In Ermangelung renditeträchtiger Anlagealternativen (Rendite 5-jährige Staatsanleihen Deutschland bei 0,54 Prozent) sollten Dividendenrenditen von 2,9 Prozent (DAX) bzw. 3,66 Prozent (EuroStoxx 50) aber trotzdem ausreichen, um für stabile bis positive Aktienmarktrenditen zu sorgen - selbst bei weiterer Stagnation der Unternehmensgewinne.
