Börse am Morgen: Deutsche Telekom, Rheinmetall, KI-Aktien und Ölpreis - Nord/LB
Der Auftragseingang im deutschen Verarbeitenden Gewerbe legte im September preis-, saison- und kalenderbereinigt m/m um 4,4% zu. Besonders starke Impulse kamen nach schwachen Vormonatswerten aufgrund von Produktionsumstellungen und Werksferien aus der Automobilindustrie (+10,5%). Auch der Maschinenbau verzeichnete ein kräftiges Plus von 8,3%, während die Bestellungen im Sonstigen Fahrzeugbau um 10,4% zurückgingen.
Der deutsche Dienstleistungssektor hat seinen Umsatz im August preis-, saison- und kalenderbereinigt m/m real um 0,9% und nominal um 0,8% ausgeweitet. Im Vorjahresvergleich ergab sich real ein Plus von 0,9%, nominal von 4,5%. Besonders kräftig entwickelte sich der Bereich Information und Kommunikation (+3,7%), gefolgt von Verkehr und Lagerei (+1,4%). Rückgänge verzeichneten dagegen die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (-1,5%) sowie das Grundstücks- und Wohnungswesen (-0,3%).
Die Erzeugerpreise der Industrie im Euroraum sind im September deutlich gestiegen. Gegenüber August erhöhten sie sich um 2,5%, nach +2,0% im Vormonat. In der EU betrug der Anstieg 2,6%. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lagen die Erzeugerpreise im Euroraum 11,1% und in der EU 10,9% höher.
Die Bank of England hat gestern – wie überwiegend erwartet – ihren Leitzins auf 4,00% angehoben.
Tagesausblick
Die europäischen Einzelhandelsumsätze werden am Vormittag präsentiert und können Indikationen für die Verfassung der hiesigen Konjunktur liefern. Für den September gehen wir dabei von einer negativen Umsatzentwicklung aus. Außerdem werden die Arbeitsmarktdaten aus den USA gemeldet. Aus unserer Sicht sollten Abkühlungstendenzen weiter voranschreiten, nur die Dynamik dürfte dabei etwas weniger drastisch ausfallen.
Aktienmärkte
Die Aktienmärkte haben nach der zunächst positiven Reaktion auf die US-Midterms einen herben Rückschlag erlitten. Vor allem die Aussicht auf stärkere regulatorische Eingriffe in den KI-Boom sorgte für einen abrupten Stimmungswechsel. Anleger fürchten, dass strengere Vorgaben und Genehmigungsverfahren den Ausbau der KI-Infrastruktur belasten könnten. An der Wall Street traf dies vor allem Technologie- und Halbleiterwerte. In Asien setzte sich der Ausverkauf fort, wobei die technologiegeprägten Märkte in Südkorea, Taiwan und Japan besonders kräftig nachgaben. Damit rücken neben den ohnehin hohen Bewertungen zunehmend politische und regulatorische Risiken in den Vordergrund. Hinzu kommen Zweifel, ob die immensen KI-Investitionen dauerhaft entsprechende Renditen erwirtschaften können, sowie das anspruchsvolle Zinsumfeld. Die Hoffnung auf ein freundliches Nachwahlumfeld ist damit vorerst einer deutlich höheren Risikowahrnehmung gewichen. Für den DAX dürfte dies zunächst ebenfalls Gegenwind bedeuten, auch wenn seine geringere Abhängigkeit vom KI-Sektor einen gewissen Puffer bietet. Das längerfristig konstruktive Bild für Aktien ist damit zwar nicht grundsätzlich infrage gestellt, kurzfristig erscheint jedoch deutlich mehr Vorsicht angebracht.
DAX -0,43%; MDAX -0,92; TecDAX -2,35%; Dow Jones -3,34%; S&P500 -4,36%; Nasdaq Comp. -5,52%.
Unternehmen
Die Deutsche Telekom setzte ihren Wachstumskurs in Q3 fort und steigerte den Umsatz um 5,5% auf EUR 31,1 Mrd. Der operative Gewinn kletterte um 8% auf EUR 12,2 Mrd. und übertraf damit leicht die Erwartungen. Zugleich hob der Konzern seine Jahresprognose leicht an, erhöht die Dividende um 10% auf EUR 1,10 je Aktie und plant Aktienrückkäufe von bis zu EUR 2 Mrd. Im Fokus bleiben mögliche Strukturveränderungen bei T-Mobile und die wachsende Konkurrenz durch Starlink.
Wegen der voraussichtlich erst 2027 erfolgenden Vergabe des milliardenschweren Bundeswehr-Projekts „Arminius“ senkte Rheinmetall erneut seine Jahresziele. Für 2026 erwartet der Rüstungskonzern nun einen Umsatz von rund EUR 13,2 Mrd. nach zuvor EUR 13,7 bis 14,2 Mrd.; die operative Marge soll bei etwa 18,5 % statt 19 % liegen. Bereits zuvor hatte der Stopp des Fregattenprogramms F-126 die Prognose belastet. In Q3 blieb das Umsatzwachstum mit +32% EUR 3,15 Mrd. unter den Markterwartungen. Das operative Ergebnis legte um 62% auf EUR 553 Mio. zu, die Marge verbesserte sich deutlich auf 17,5%. Die erneute Prognosesenkung sorgte dennoch für starke Kursverluste.
Rohstoffe
Nach den starken Ölpreisrückgängen der vergangenen Tage, die aus Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Iran-Konflikt resultierten, kam es gestern zu einer technischen Gegenbewegung.
Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: Deutsche Telekom.
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