Rheinmetall Aktie: Der Prognose-Albtraum geht weiter
Die Rheinmetall Aktie steht nach der erneuten Prognosesenkung unter Druck, obwohl die Analysten mehrheitlich erhebliches Aufwärtspotenzial sehen. Bernstein Research, Jefferies und RBC halten nach der jüngsten erneuten Gewinnwarnung des Düsseldorfer Rüstungskonzerns an ihren positiven Einstufungen fest, während mwb research bei „Halten“ bleibt. Die Kursziele reichen von 1.050 bis 1.600 Euro. Aus den vier Bewertungen ergibt sich ein durchschnittliches Kursziel von 1.300 Euro, das beim aktuellen XETRA-Kurs von 843,90 Euro einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von 54,0 Prozent entspricht - abzuwarten bleibt, ob nach den gestern veröffentlichten Quartalszahlen noch Senkungen kommen, da manche Studien auf den vorläufigen Zahlen samt Gewinnwarnung vom Tag zuvor basierten. Die jüngsten Geschäftszahlen haben vor allem Zweifel an der Zuverlässigkeit der Unternehmensprognosen verstärkt. Im Mittelpunkt steht das Projekt Arminius, dessen Verzögerungen Rheinmetall zu einer weiteren Korrektur seiner Jahresziele gezwungen haben.
Kursziele der Analysten zur Rheinmetall Aktie
| Analyst | Votum | Kursziel | Potenzial |
|---|---|---|---|
| Bernstein Research | Outperform | 1.200,00 Euro | +42,2 % |
| Jefferies | Buy | 1.350,00 Euro | +60,0 % |
| RBC | Outperform | 1.600,00 Euro | +89,6 % |
| mwb research | Hold | 1.050,00 Euro | +24,4 % |
| Durchschnitt (4 Häuser) | 1.300,00 Euro | +54,0 % |
Besonders deutlich kritisiert Bernstein Research die wiederholten Prognosekorrekturen. Die Verzögerung beim Projekt Arminius, das die Modernisierung der Boxer-Panzerflotte der Bundeswehr betrifft, komme zwar nicht völlig überraschend. Sie beschädige aber erneut die Glaubwürdigkeit des Rheinmetall-Managements. Bernstein bezweifelt zudem, dass mit der jüngsten Senkung bereits sämtliche Risiken berücksichtigt sind. Die Aktie sei grundsätzlich zu niedrig bewertet, doch für eine nachhaltige Kurserholung müsse Rheinmetall zunächst den Zyklus immer neuer Zielkorrekturen durchbrechen. Das Analystenhaus bestätigt seine Einstufung „Outperform“ und das Kursziel von zunächst 1.200 Euro.
Jefferies zeigt sich vor allem vom Umfang der Prognosesenkung überrascht. Trotz der deutlichen Korrektur der Jahresziele und der vorläufigen Quartalszahlen bleibt das Analystenhaus bei seiner Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.350 Euro. Daraus ergibt sich ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von 60,0 Prozent. Die bisherige positive Einschätzung wird damit nicht grundsätzlich infrage gestellt, auch wenn die aktuelle Geschäftsentwicklung hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleibt.
RBC verweist auf die erheblichen Auswirkungen der neuen Jahresziele auf die Gewinnerwartungen. Die reduzierte Prognose für das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (EBITA) liegt nach Berechnungen des Analystenhauses rund 8 Prozent unter dem bisherigen Marktkonsens. Das dürfte die Anlegerstimmung belasten. Allerdings werde Rheinmetall bereits mit einem Bewertungsabschlag von gut 50 Prozent gegenüber der Branche gehandelt, sodass ein Teil der negativen Nachrichten möglicherweise eingepreist sei. RBC erwartet weiterhin, dass der Konzern von der europäischen Wiederaufrüstung profitiert, und bestätigt „Outperform“ mit einem Kursziel von 1.600 Euro. Das entspricht einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von 89,6 Prozent.
mwb research: Quartalsergebnis besser als seine Qualität
mwb research sieht die Zahlen für das dritte Quartal differenzierter. Das operative Ergebnis von 553 Millionen Euro übertraf die Konsensschätzung zwar um 4 Prozent, allerdings stammte die positive Abweichung überwiegend aus dem Holdingbereich. Der Umsatz von 3,15 Milliarden Euro blieb um 3 Prozent hinter den Erwartungen zurück, der bereinigte Gewinn je Aktie verfehlte sie um 7 Prozent. Ohne die neu konsolidierte Marinesparte Naval Systems betrug das Umsatzwachstum rund 21 Prozent. Bei Arminius verschieben sich Anzahlungen auf 2027, während verzögerte Abnahmen im Munitionsgeschäft die Umsatz- und Ergebnisplanung belasten. Hinzu kommen Verzögerungen beim Gemeinschaftsunternehmen mit Destinus, dessen geplante Umsätze mit weitreichenden Waffensystemen teilweise erst später anfallen dürften.
Für 2026 erwartet mwb research nun einen Rheinmetall-Umsatz von 13,1 Milliarden Euro und liegt damit leicht unter der reduzierten Unternehmensprognose. Die Schätzungen für 2027 und 2028 bleiben weitgehend unverändert, da die Analysten bislang vor allem zeitliche Verschiebungen sehen. Allerdings verweisen sie auf die schwache Prognosehistorie: In sechs der vergangenen sieben Jahre habe Rheinmetall die Erwartungen beim Nettogewinn verfehlt. Entscheidend für die weitere Bewertung bleibt das tatsächliche Auftragsvolumen bei Arminius. Erst wenn dieses deutlich geringer ausfällt als angenommen, wäre die bisherige Investmentthese grundlegend gefährdet. mwb research bestätigt seine Halteempfehlung und das Kursziel von 1.050 Euro. Ein Aktienkauf durch den Vorstandsvorsitzenden oder Finanzvorstand über die Börse wäre aus Sicht des Analystenhauses nach den jüngsten Enttäuschungen ein willkommenes Vertrauenssignal.
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