Rheinmetall enttäuscht, Aktie stürzt: Wie belastbar sind die Prognosen noch?
Die Rheinmetall Aktie verliert nach den Quartalszahlen und einer erneuten Prognosesenkung aktuell rund 12 Prozent auf 853,90 Euro, das Tagestief liegt bei 818,70 Euro noch ein Stück darunter. Der Rüstungskonzern hat seine Jahresziele zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten reduziert und damit neue Zweifel an der Verlässlichkeit seiner Planungen ausgelöst. mwb research bestätigt dennoch die Einstufung „Halten“ mit einem Kursziel von 1.050 Euro. Gegenüber dem aktuellen XETRA-Kurs ergibt sich daraus ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von 23 Prozent. Die Analysten sehen die langfristige Nachfrage nach Rüstungsgütern weiterhin intakt, kritisieren aber die Qualität der Quartalsergebnisse und die zunehmenden Verzögerungen bei wichtigen Aufträgen. Besonders das Projekt Arminius gewinnt für die Bewertung des Konzerns an Bedeutung.
Rheinmetall steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 36 Prozent auf 3,15 Milliarden Euro, verfehlte damit aber die Konsensschätzungen um 3 Prozent. Ohne die seit März konsolidierte Sparte Naval Systems lag das Wachstum bei rund 21 Prozent. Das operative Ergebnis erreichte 553 Millionen Euro bei einer Marge von 17,5 Prozent und übertraf die Markterwartungen um 4 Prozent. mwb research relativiert diese positive Abweichung allerdings: Die operativen Segmente blieben zusammen rund 10 Millionen Euro hinter den Erwartungen zurück, während der Ergebnisbeitrag aus dem nicht den Geschäftsbereichen zugeordneten Konzernbereich für die Überraschung sorgte. Weapons & Ammunition verfehlte wegen verzögerter Abnahmen von Produktionslosen sowohl die Umsatz- als auch die Margenerwartungen. Positiv entwickelte sich dagegen die Luftverteidigung. Der bereinigte Gewinn je Rheinmetall Aktie blieb mit 6,42 Euro um 7 Prozent unter dem Konsens. Das Volumen neu erteilter Aufträge und Beauftragungen sank um 13 Prozent, das Verhältnis zum Umsatz lag bei 0,92.
Für 2026 erwartet Rheinmetall nun einen Umsatz von rund 13,2 Milliarden Euro statt bisher 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Die angestrebte operative Marge sinkt von rund 19 auf etwa 18,5 Prozent. Beim operativen freien Cashflow stellt der Konzern nur noch einen leicht positiven Wert in Aussicht, die Cash Conversion Rate soll über 40 Prozent liegen. Wesentlicher Grund für die schwächere Cashflow-Erwartung sind verschobene Vorauszahlungen aus dem Projekt Arminius, die nun erst 2027 anfallen sollen. Die reduzierte Umsatz- und Ergebnisprognose deutet nach Einschätzung von mwb research dagegen vor allem auf Probleme im Munitionsgeschäft hin. Die Analysten warnen davor, die zeitlichen Verschiebungen überzubewerten, verweisen aber zugleich auf die schwache Prognosehistorie: Seit 2020 habe Rheinmetall in sechs von sieben Jahren die Erwartungen beim Nettogewinn verfehlt. Das Schlussquartal müsse nun ohne weitere Rückschläge verlaufen, damit die neuen Jahresziele erreicht werden.
Rheinmetall: Verzögerungen bei Destinus und Arminius
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch Verzögerungen bei neuen Aktivitäten im Segment Weapons & Ammunition. Insbesondere das Gemeinschaftsunternehmen mit Destinus, das Marschflugkörper industrialisieren soll, wird 2026 nicht mehr sämtliche ursprünglich erwarteten Umsätze erzielen. Rheinmetall hatte einen ersten Auftrag bis Jahresende und eine eigene Produktionsstätte für 2027 angestrebt. mwb research verschiebt deshalb die erwartete Ergebnisentwicklung des Gemeinschaftsunternehmens um ein Jahr. Dabei spielt die Beteiligungsstruktur eine Rolle: Rheinmetall hält 51 Prozent und konsolidiert Umsatz und EBIT vollständig, während 49 Prozent des Gewinns auf den Partner entfallen. Die Analysten müssen entsprechend auch ihre Annahmen zu den Minderheitenanteilen anpassen. Beim Projekt Arminius bleibt der weitere Zeitplan ebenfalls entscheidend. Ohne dessen erwarteten Beitrag würde das Kursziel von mwb research nach eigenen Angaben mehr als 20 Prozent niedriger ausfallen.
Für 2026 kalkuliert mwb research vorsichtiger als das Management mit einem Umsatz von 13,11 Milliarden Euro und einem EBIT von 2,28 Milliarden Euro. In den Folgejahren erwarten die Analysten einen deutlichen Wachstumsschub: 2027 sollen die Erlöse 17,97 Milliarden Euro und das EBIT 3,57 Milliarden Euro erreichen, 2028 werden 21,74 Milliarden Euro Umsatz und 4,33 Milliarden Euro EBIT prognostiziert. Der Gewinn je Rheinmetall Aktie soll von 28,40 Euro im laufenden Jahr auf 47,52 Euro 2027 und 58,72 Euro 2028 steigen. Auch bei den Ausschüttungen rechnen die Analysten mit kräftigen Zuwächsen. Nach 9,10 Euro Dividende je Aktie für 2025 werden für 2026 bereits 11,36 Euro erwartet, für 2027 dann 23,76 Euro und für 2028 schließlich 29,36 Euro. Die Prognosen für 2027 und 2028 bleiben weitgehend unverändert, da mwb research vor allem zeitliche Verschiebungen und keinen dauerhaften Nachfrageausfall sieht.
Die Analysten halten den jüngsten Kursrückgang für eine Reaktion auf die erneuten Prognoseprobleme, sehen darin aber noch keinen grundsätzlichen Bruch der Wachstumsperspektiven. Entscheidend bleibt, ob Rheinmetall die verzögerten Aufträge und Vorauszahlungen tatsächlich 2027 realisieren kann. Nach der erneuten Prognosesenkung würde mwb research zudem einen ersten Aktienkauf durch das Management über den freien Markt als positives Vertrauenssignal begrüßen. Bis mehr Klarheit über Arminius und die weitere operative Entwicklung besteht, bleibt das Analystenhaus bei seiner Halteempfehlung und dem Kursziel von 1.050 Euro.
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