Evotec: 195 Millionen Euro Verlust, Aktie arbeitet trotzdem am Comeback
Evotec hat im dritten Quartal 2026 seinen operativen Verlust deutlich reduziert, während der Umsatz nahezu stagnierte. Die Erlöse stiegen leicht von 163,9 Millionen Euro auf 164,9 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich dagegen von minus 15,0 Millionen Euro auf minus 1,6 Millionen Euro. Ausschlaggebend waren vor allem niedrigere Umsatzkosten. „Wir sehen nun, dass sich diese Maßnahmen in einer verbesserten Profitabilität und stärkeren operativen Dynamik niederschlagen”, so Claire Hinshelwood, Chief Financial Officer von Evotec. Die Neunmonatsbilanz fällt allerdings deutlich schwächer aus: Der Konzernumsatz sank um 13,1 Prozent von 535,1 Millionen Euro auf 465,0 Millionen Euro. Gleichzeitig weitete sich der bereinigte EBITDA-Verlust von 16,9 Millionen Euro auf 44,3 Millionen Euro aus. Ende September verfügte Evotec über liquide Mittel von 400,9 Millionen Euro.
Unter dem Strich fuhr Evotec in den ersten neun Monaten 2026 mehr als 195 Millionen Euro Verlust ein gegenüber einem Minus von 118 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Dabei konnte der Hamburger Konzern 2026 noch mehr als 68 Millionen Euro Gewinn aus Finanzanlagen bzw. der Neubewertung von Finanzinstrumenten vor dem Hintergrund des Tubulis-Verkaufs an Gilead Sciences erzielen gegenüber lediglich knapp 2 Millionen Euro 2025. Je Evotec Aktie stieg der Verlust damit von 0,67 Euro auf 1,10 Euro.
Im Geschäftsbereich Discovery & Preclinical Development (D&PD) gingen die Neunmonatserlöse um 11,2 Prozent auf 348,0 Millionen Euro zurück. Das bereinigte EBITDA verschlechterte sich von minus 18,8 Millionen Euro auf minus 25,5 Millionen Euro. Im dritten Quartal verringerte sich der operative Verlust des Segments allerdings deutlich von 9,5 Millionen Euro auf 1,0 Millionen Euro. Bei Just – Evotec Biologics sank der Neunmonatsumsatz um 18,3 Prozent auf 117,1 Millionen Euro, unter anderem wegen eines im Vorjahr verbuchten Lizenzgeschäfts mit Sandoz und zeitlicher Verschiebungen bei Projekten. Das bereinigte EBITDA fiel von plus 1,9 Millionen Euro auf minus 18,8 Millionen Euro. Im dritten Quartal stiegen die Erlöse des Biologika-Geschäfts dagegen um 9,4 Prozent auf 44,8 Millionen Euro, während sich der bereinigte EBITDA-Verlust von 5,5 Millionen Euro auf 0,6 Millionen Euro verringerte.
Evotec konkretisiert Wachstumsziele bis 2030
Für die kommenden Jahre hält Evotec an seinen Wachstumsambitionen weitgehend fest und hat die geplante Umsatzstruktur bis 2030 näher erläutert. Der Konzern strebt Erlöse von rund einer Milliarde Euro an, zuvor waren es mehr als eine Milliarde Euro. Allerdings sieht man „Potenzial über dieses Niveau hinaus”. Davon sollen jeweils etwa 40 Prozent auf das D&PD-Basisgeschäft und Just – Evotec Biologics entfallen, während strategische Partnerschaften und innovationsbezogene Aktivitäten rund 20 Prozent beisteuern sollen. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bis Ende 2028 auf 20 Prozent und bis Ende 2030 auf mehr als 20 Prozent steigen.
Fortschritte meldet Evotec beim Sparprogramm Horizon: Von der bis Ende 2027 angestrebten Verbesserung der Kostenbasis um 75 Millionen Euro waren Ende September bereits mehr als 20 Prozent realisiert. Rund die Hälfte der geplanten Personalmaßnahmen ist umgesetzt. Drei von vier vorgesehenen Standortschließungen sollen bis Jahresende abgeschlossen werden.
Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2026 bestätigt Evotec trotz des schwachen Neunmonatsergebnisses. Erwartet werden weiterhin Umsatzerlöse zwischen 570 und 610 Millionen Euro sowie ein bereinigtes EBITDA zwischen minus 105 und minus 70 Millionen Euro. Bei konstanten Wechselkursen liegen die Zielspannen bei 595 bis 635 Millionen Euro Umsatz und minus 90 bis minus 60 Millionen Euro bereinigtem EBITDA. Operative Fortschritte meldet das Unternehmen unter anderem bei der Zusammenarbeit mit Vertex Pharmaceuticals zur kommerziellen Herstellung von Povetacicept. Zudem stiegen die Nettoverkäufe im D&PD-Basisgeschäft in den ersten neun Monaten um 24 Prozent. Neue Forschungskooperationen mit Plectonic und Odyssey Therapeutics sollen die Entwicklung innovativer Wirkstoffe vorantreiben.
Insgesamt kommen die Nachrichten an der Börse aber gut an. Die - in den letzten Jahren allerdings tief gefallene - Evotec Aktie notiert am späten Donnerstagvormittag mit 5,54 Prozent im Plus bei 3,046 Euro, das Tageshoch ist bei 3,09 Euro notiert. Damit liegt der Aktienkurs des Hamburger Biotechnologie-Unternehmens wieder über der 50-Tage-Linie, was allein aber nicht zur Trendwende reichen dürfte - mehr zur charttechnischen Lage lesen Sie in der aktuellen Analyse zur Evotec Aktie.
Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: Evotec.
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