Ernst Russ Aktie: Mehr als 60 Prozent Aufwärtspotenzial?
Ernst Russ setzt den Verkauf älterer Containerschiffe fort und könnte dabei erneut erhebliche stille Reserven realisieren. Nach den Veräußerungen der EF Emira und EF Emma hat die Hamburger Reederei nun auch den Verkauf der 2007 gebauten MV „Mirror“ mit einer Kapazität von 803 TEU vereinbart. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht, doch mwb research schätzt den möglichen Erlös auf 8 bis 10 Millionen Euro. Bei einem angenommenen Buchwert von rund 4 Millionen Euro könnte daraus ein Veräußerungsgewinn von etwa 5 Millionen Euro entstehen. Das Analystenhaus bestätigt seine Kaufempfehlung für die Ernst Russ Aktie mit einem Kursziel von 14,50 Euro. Gegenüber dem aktuellen XETRA-Kurs von 8,96 Euro entspricht dies einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von 61,8 Prozent.
Die Übergabe der MV „Mirror“ ist für Januar 2027 vorgesehen. Damit hat die Transaktion keine Auswirkungen auf das Geschäftsjahr 2026, für das Ernst Russ weiterhin ein EBIT zwischen 55 und 65 Millionen Euro erwartet. Der von mwb research geschätzte Veräußerungsgewinn würde rund 13 Prozent der bisherigen EBIT-Prognose des Analystenhauses für 2027 von 39,7 Millionen Euro entsprechen. Allerdings entfällt mit dem Verkauf auch der künftige Charterbeitrag des Schiffes. Da Ernst Russ bereits 2025 die verbliebenen Minderheitsanteile an der Schiffsgesellschaft erworben hatte und diese seither nahezu vollständig besitzt, dürfte ein möglicher Verkaufsgewinn weitgehend den Aktionären des Konzerns zugutekommen. Zugleich reduziert die Reederei ihren Bestand an älteren Schiffen und damit potenzielle künftige Instandhaltungsaufwendungen.
Ernst Russ: Flottenumbau mit neuen Tankern und langfristigen Charterverträgen
Die Erlöse aus den Schiffsverkäufen können den Ausbau der Flotte mit modernen Mehrzweckschiffen sowie Produkt- und Chemikalientankern unterstützen. Am 27. Oktober wurde mit der MT „Farrie Russ“ ein weiterer Schritt beim Aufbau eines Portfolios von sechs Tankern vollzogen. Für die ersten vier Schiffe bestehen Charterverträge mit fünfjähriger Laufzeit, während die beiden zusätzlichen Tanker für mindestens drei Jahre an Cargill verchartert werden sollen. Die langfristigen Verträge sollen die Planbarkeit der Einnahmen verbessern und die Abhängigkeit von einzelnen Charterkunden verringern. mwb research sieht in der Verbindung aus gewinnbringenden Schiffsverkäufen und dem Aufbau vertraglich abgesicherter Chartereinnahmen einen wesentlichen Bestandteil der weiteren Unternehmensentwicklung.
Für 2026 prognostiziert mwb research einen Umsatz von 153,9 Millionen Euro nach 158,1 Millionen Euro im Vorjahr. Das EBITDA soll von 126,7 auf 92,3 Millionen Euro und das EBIT von 96,4 auf 59,7 Millionen Euro zurückgehen. Für 2027 erwartet das Analystenhaus wieder steigende Erlöse von 166,2 Millionen Euro, während das EBITDA auf 84,2 Millionen Euro und das EBIT auf 44,7 Millionen Euro sinken dürften. Die aktuelle Prognosetabelle weist damit für 2027 einen höheren EBIT-Wert aus als die im Zusammenhang mit dem Schiffsverkauf genannte bisherige Schätzung von 39,7 Millionen Euro. Für 2028 rechnet mwb research mit 169,5 Millionen Euro Umsatz, 78,6 Millionen Euro EBITDA und 40,2 Millionen Euro EBIT.
Auch beim Gewinn je Ernst Russ Aktie erwartet mwb research nach 2,18 Euro im Jahr 2025 zunächst einen Rückgang auf 1,07 Euro für 2026, gefolgt von 0,86 Euro für 2027 und 0,77 Euro für 2028. Die Dividende soll im laufenden Jahr dagegen von 0,25 auf 0,35 Euro steigen und anschließend auf 0,30 beziehungsweise 0,27 Euro zurückgehen. Bei der Finanzposition prognostiziert das Analystenhaus für Ende 2026 eine Nettoverschuldung von 4,4 Millionen Euro, bevor Ernst Russ 2027 mit 25,7 Millionen Euro und 2028 mit 56,6 Millionen Euro wieder Nettofinanzmittel ausweisen soll. Die nächsten Geschäftszahlen für die ersten neun Monate will die Reederei am 12. November vorlegen.
Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: Ernst Russ AG.
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