Bayer Aktie: mwb sieht 30 Prozent Kurspotenzial nach Roundup-Urteil
Bayer hat im milliardenschweren US-Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Roundup einen weiteren wichtigen Erfolg erzielt. Im Verfahren Aretino et al. gegen Monsanto wies eine Jury im Bundesstaat Missouri sämtliche Ansprüche von drei Klägern einstimmig zurück. Es war der erste Roundup-Prozess seit der Grundsatzentscheidung des Obersten US-Gerichtshofs im Juni im Fall Durnell. Die Kläger hatten ihre Vorwürfe auf andere rechtliche Grundlagen gestützt, nachdem die bisher dominierenden Klagen wegen unzureichender Warnhinweise durch das höchstrichterliche Urteil erheblich eingeschränkt worden waren.
mwb research sieht darin eine weitere Stärkung der juristischen Position von Bayer und bestätigt die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 65 Euro. Beim aktuellen XETRA-Kurs von 49,86 Euro entspricht dies einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von 30,4 Prozent.
Das Urteil aus Missouri ist vor allem deshalb relevant, weil die Kläger mit ihren verbliebenen rechtlichen Möglichkeiten keinen Erfolg hatten. Die Geschworenen wiesen sowohl die Vorwürfe eines fehlerhaften Produktdesigns als auch die Anschuldigungen wegen Betrugs und Fahrlässigkeit zurück. Nach der Durnell-Entscheidung können sich Kläger in Fällen, in denen Bundesrecht Vorrang hat, nicht mehr auf die bislang zentrale Argumentation unzureichender Warnhinweise stützen. Das neue Urteil liefert nach Einschätzung von mwb research einen ersten Hinweis darauf, dass auch alternative Klagestrategien erhebliche Hürden überwinden müssen. Die drei Kläger gehörten zudem nicht zu dem vorgesehenen Sammelvergleich, sodass das Verfahren für die Beurteilung der verbleibenden Prozessrisiken außerhalb dieser Einigung besonders interessant ist.
Allerdings schafft der Freispruch keinen bindenden Präzedenzfall. Klagen wegen Produktfehlern, Betrugs oder Fahrlässigkeit bleiben grundsätzlich möglich, und ihre Erfolgsaussichten hängen weiterhin vom jeweiligen Sachverhalt und Gerichtsstand ab. Rund 65.000 Roundup-Klagen sind in den USA noch anhängig. Auch der geplante landesweite Vergleich über 7,25 Milliarden Dollar wird durch das Urteil nicht überflüssig; seine endgültige gerichtliche Genehmigung steht weiterhin aus. mwb research erwartet deshalb zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Prozessrückstellungen oder die Cashflow-Prognosen. Sollten sich vergleichbare Urteile jedoch häufen, könnte dies die Verhandlungsposition der Kläger schwächen und das Risiko weiterer hoher Schadenersatzzahlungen verringern.
Bayer: Analysten rechnen ab 2027 mit deutlicher Erholung
Für die Bewertung der Bayer Aktie ist nach Einschätzung von mwb research entscheidend, ob sich die langfristigen finanziellen Risiken aus den US-Verfahren besser eingrenzen lassen. Erst dann könnten die operativen Perspektiven wieder stärker in den Vordergrund rücken. Dazu zählen eine höhere Profitabilität im Agrargeschäft Crop Science und die schrittweise Ergebnisverbesserung in der Pharmasparte. Für 2026 prognostiziert das Analystenhaus einen Umsatz von 46,031 Milliarden Euro nach 45,575 Milliarden Euro im Vorjahr. Das EBITDA soll von 4,163 auf 6,596 Milliarden Euro steigen, während beim EBIT nach einem Verlust von 1,077 Milliarden Euro im Jahr 2025 wieder ein Gewinn von 2,417 Milliarden Euro erwartet wird. Der Gewinn je Bayer Aktie soll sich von minus 3,68 auf plus 1,04 Euro verbessern. Bei der Dividende rechnen die Analysten mit einem Anstieg von 0,11 auf 0,47 Euro.
Für 2027 erwartet mwb research einen Umsatzanstieg auf 47,550 Milliarden Euro und einen deutlichen Ergebnissprung: Das EBITDA soll 9,880 Milliarden Euro, das EBIT 6,657 Milliarden Euro und der Gewinn je Aktie 4,57 Euro erreichen. Die Dividende wird auf 2,06 Euro geschätzt. Für 2028 stehen 49,214 Milliarden Euro Umsatz, 10,190 Milliarden Euro EBITDA, 6,792 Milliarden Euro EBIT und 4,75 Euro Gewinn je Aktie in den Prognosen. Die Ausschüttung könnte auf 2,14 Euro steigen. Gleichzeitig soll die Nettoverschuldung von 29,517 Milliarden Euro Ende 2025 auf 26,674 Milliarden Euro Ende 2026 und 22,870 Milliarden Euro Ende 2028 zurückgehen. Ob sich die rechtlichen Risiken tatsächlich nachhaltig reduzieren, hängt nach Einschätzung von mwb research allerdings von weiteren Gerichtsentscheidungen und Fortschritten bei der Umsetzung des geplanten Vergleichs ab.
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