Sartorius Vz. Aktie: Kursziel steigt auf 200 Euro, dennoch „Sell“
Sartorius hat mit den heute vorgelegten Quartalszahlen die Erwartungen übertroffen und die Aussichten auf das Erreichen der Jahresziele verbessert. Dennoch sieht mwb research bei den TecDAX-notierten Vorzugsaktien des Göttinger Konzerns weiterhin erhebliche Bewertungsrisiken. Das Analystenhaus erhöht sein Kursziel zwar von 190 auf 200 Euro, bestätigt aber die Einstufung mit „Sell“. Gegenüber dem aktuellen XETRA-Kurs von 269,90 Euro ergibt sich damit ein rechnerisches Abwärtspotenzial von 25,9 Prozent. Die Analysten erkennen Fortschritte bei Profitabilität und Cashflow, halten eine nachhaltige Erholung der Nachfrage nach investitionsintensiven Produkten jedoch noch nicht für ausreichend belegt.
Im dritten Quartal steigerte Sartorius den Umsatz um 9,9 Prozent auf 926 Millionen Euro und übertraf damit die Markterwartungen um 3 Prozent. Währungsbereinigt lag das Wachstum bei 8,4 Prozent. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich um 13,4 Prozent auf 280 Millionen Euro, die entsprechende Marge stieg um 0,9 Prozentpunkte auf 30,2 Prozent. Besonders deutlich fiel die positive Überraschung im Laborgeschäft aus: Lab Products & Services erzielte 189 Millionen Euro Umsatz, ein währungsbereinigtes Plus von 13,8 Prozent und 11,7 Prozent mehr als erwartet. Allerdings profitierte die Sparte von vorgezogenen Projekten. Im größeren Bioprozessgeschäft erreichte Sartorius mit 738 Millionen Euro Umsatz ein währungsbereinigtes Wachstum von 7,1 Prozent. Trotz der höheren EBITDA-Marge sank die Bruttomarge des Konzerns von 46,6 auf 45,4 Prozent.
Auch die Finanzkennzahlen zeigen Fortschritte. In den ersten neun Monaten erhöhte Sartorius den operativen Cashflow um 9,9 Prozent auf 562 Millionen Euro, während die Investitionen um 14,1 Prozent auf 262 Millionen Euro zurückgingen. Der freie Cashflow stieg dadurch um 55,2 Prozent auf 310 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung verringerte sich seit Ende 2025 um 61 Millionen Euro auf 3,68 Milliarden Euro. Für mwb research gewinnt damit insbesondere die weitere Investitionsdisziplin an Bedeutung: Geringere Ausgaben könnten den Schuldenabbau beschleunigen und langfristig die Finanzierungskosten senken.
Die Jahresziele rücken näher, die Bewertung bleibt das Problem
Nach neun Monaten stehen bei Sartorius 2,74 Milliarden Euro Umsatz und 828 Millionen Euro bereinigtes EBITDA zu Buche. mwb research hebt seine Umsatzprognose für 2026 von 3,69 auf 3,72 Milliarden Euro an. Dafür müsste der Konzern im Schlussquartal rund 982 Millionen Euro erlösen, was einem Wachstum von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde. Die bestätigten Jahresziele erscheinen den Analysten damit zunehmend erreichbar. Allerdings könnten die im Laborgeschäft vorgezogenen Aufträge die Entwicklung im vierten Quartal beeinträchtigen. Zudem fehlt aus Sicht von mwb research weiterhin der Nachweis einer breiten Erholung der Investitionsausgaben in der Pharmaindustrie.
Für die kommenden Jahre kalkuliert mwb research bei Sartorius mit steigenden Umsätzen und einer deutlichen Verbesserung der Profitabilität. Nach erwarteten 3,72 Milliarden Euro Umsatz und 635,9 Millionen Euro EBIT im Jahr 2026 sollen die Erlöse 2027 auf 4,07 Milliarden Euro und 2028 auf 4,48 Milliarden Euro wachsen. Beim EBIT rechnen die Analysten mit einem Anstieg auf 777,0 Millionen Euro beziehungsweise 937,0 Millionen Euro. Die EBIT-Marge würde sich damit von 17,1 Prozent im laufenden Jahr auf 20,9 Prozent im Jahr 2028 verbessern. Der prognostizierte Gewinn je Sartorius Aktie steigt im gleichen Zeitraum von 3,47 Euro über 4,61 Euro auf 5,86 Euro, während die Dividende von 0,80 Euro auf 0,90 Euro und schließlich 1,00 Euro zulegen soll.
Die Anhebung des Kursziels begründet mwb research vor allem mit niedrigeren langfristigen Investitionsannahmen. Diese verbessern die erwartete Cashflow-Entwicklung und eröffnen zusätzlichen Spielraum beim Abbau der Verschuldung. An der skeptischen Bewertung der Sartorius Vorzugsaktie ändert das jedoch nichts: Trotz der operativen Fortschritte und höherer Gewinnschätzungen sehen die Analysten das aktuelle Kursniveau nicht als gerechtfertigt an.
4investors.de als bevorzugte Quelle bei Google festlegen
Damit sehen Sie unsere Börsen- und Aktiennews häufiger in Ihren Google-Suchergebnissen.

