Merck kauft Silence Therapeutics – Hoffnungsträger gegen seltenen Blutkrebs
Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck will das britische Biotechnologie-Unternehmen Silence Therapeutics übernehmen und dafür rund 1,3 Milliarden Dollar zahlen. Beide Unternehmen haben eine verbindliche Übernahmevereinbarung geschlossen. Merck bietet 20 Dollar je American Depositary Share (ADS) von Silence Therapeutics in bar, was einem Aufschlag von 82 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 30 Handelstage entspricht. Der Unternehmenswert der Transaktion liegt bei 1,1 Milliarden Dollar. Finanziert werden soll der Kauf durch neue Kredite. Mit dem Abschluss rechnet Merck im ersten Quartal 2027, sofern die Aktionäre von Silence Therapeutics und die zuständigen Behörden zustimmen.
„Nach der Übernahme von SpringWorks Therapeutics im vergangenen Jahr richten wir unsere Pipeline weiter auf hochspezialisierte Bereiche mit ungedecktem Behandlungsbedarf aus und setzen dabei nach wie vor auch auf externe Innovationen”, sagt Kai Beckmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung und Group CEO von Merck.
Im Mittelpunkt der Übernahme steht der Wirkstoffkandidat Divesiran, mit dem Silence Therapeutics die seltene Blutkrebserkrankung Polycythaemia vera behandeln will. Das Medikament befindet sich vor dem Eintritt in die klinische Phase 3 und soll den Bedarf an regelmäßigen therapeutischen Aderlässen verringern. In der Phase-2-Studie SANRECO erreichte Divesiran eine Ansprechrate von 88 Prozent gegenüber 19 Prozent unter Placebo. Die durchschnittliche Zahl erforderlicher Aderlässe lag während der ersten 36 Studienwochen bei 0,2 je Patient, verglichen mit 2,1 in der Placebogruppe. Der Wirkstoff wird alle drei Monate unter die Haut gespritzt. Nach Angaben von Merck zeigte die Studie eine gute Verträglichkeit ohne neue Sicherheitssignale. Eine Zulassung liegt bislang nicht vor.
Mit Silence Therapeutics würde Merck seine Medikamentenpipeline im Bereich seltener Erkrankungen ausbauen und zugleich in die Hämatologie einsteigen. Divesiran nutzt die sogenannte siRNA-Technologie, um die Aktivität des Gens TMPRSS6 zu unterdrücken und dadurch den Eisenstoffwechsel zu beeinflussen. Ziel ist es, die übermäßige Bildung roter Blutkörperchen bei Polycythaemia vera zu begrenzen. Die geplante Akquisition folgt auf die Übernahme von SpringWorks Therapeutics im Jahr 2025. Beide Transaktionen gehören zur Strategie des Darmstädter Konzerns, sein Geschäft mit spezialisierten Arzneimitteln auszubauen. Die zuständigen Unternehmensgremien haben dem Kauf bereits zugestimmt. Zudem unterstützen Anteilseigner mit rund 14 Prozent der Stimmrechte von Silence Therapeutics die Transaktion.
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