KI-Aktien belasten die Börse - ASML, IBM, Netflix, TSMC - Börse München
Die deutschen Aktienmärkte haben sich in der vergangenen Woche nach einem schwankenden Verlauf insgesamt deutlich fester präsentiert. Damit entzogen sie sich der Entwicklung an vielen internationalen Börsen, an denen vor allem deutliche Verluste bei KI- und High-Tech-Werten auch den jeweiligen Gesamtmarkt mit nach unten rissen. Händler begründeten die Widerstandsfähigkeit der führenden deutschen Indizes aber vor allem auch damit, dass diese so gut wie keine KI-Werte beinhalten. Die Kursverluste in diesem Segment waren vor allem auf eine zunehmende Angst vor Übertreibungen zurückzuführen. So veröffentlichte beispielsweise die Beratungsfirma Gartner zur Wochenmitte eine sehr kritische Studie zur Rentabilität der Investitionen in neue Rechenzentren. Auch positive Aussagen von US-Notenbank-Präsident Kevin Warsh zum Thema KI sowie gute Quartalszahlen von ASML und TSMC konnten den Abwärtstrend nur zeitweise stoppen.
Neben dem Thema KI wirkten sich auch höher als erwartet US-Inflationsdaten belastend auf die Aktienbörsen aus. Stabilisiert wurden sie dagegen unter anderem von einer Entspannung am Anleihemarkt. Diese war auf zurückgehende Zinsängste und darauf zurückzuführen, dass Marktteilnehmer Gelder, die sie aus KI-Werten abgezogen hatten, in Anleihen umschichteten.
Insgesamt legte der Deutsche Aktienindex (DAX) im Wochenvergleich um 2,1 Prozent auf 25.622,61 Punkte zu. Der MDAX verbessertes sich um 2,2 Prozent auf 30.656,65 Zähler, und beim Tech-Dax errechnete sich ein Wochenplus von 0,9 Prozent auf 4.015,21 Punkte. Der m:access All Share gab dagegen um 1,0 Prozent auf 910,58 Zähler nach.
Dem weltweiten Trend entsprechend waren die Blue Chips mit KI-Bezug die großen Wochenverlierer im Dax. So stürzten Infineon in den vergangenen fünf Handelstagen um weitere 12,8 Prozent ab. In der Vorwoche hatten die Papiere des Münchner Halbleiterherstellers bereits 5,2 Prozent abgegeben. Seit Jahresanfang liegen sie allerdings immer noch mit knapp 37 Prozent im Plus. Siemens Energy wiederum verloren in der vergangenen Woche 8,1 Prozent.
Die Liste der Dax-Gewinner wurde von Rheinmetall angeführt. Die Papiere des Rüstungskonzerns verbesserten sich um 17,0 Prozent. Händler führten dies unter anderem auf eine positive Studie zu Rüstungsaktien zurück, die Morgan Stanley zu Wochenanfang veröffentlicht hatte. Auch Scout24 (+10,8 Prozent), Symrise (+7,0 Prozent) und BWM (+5,5 Prozent) waren stark gesucht.
Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche zwar deutlich geschwankt. Insgesamt betrachtet haben sie sich aber positiv entwickelt. Ein Grund dafür waren Umschichtungen aus Aktien- in Anleiheinvestments. Darüber hinaus profitierte der Markt auch von Zinshoffnungen. So geht inzwischen die Mehrheit der Analysten davon aus, dass die US-Notenbank die Leitzinsen nicht schon im Oktober nochmals erhöht. Bis vor kurzem hatten viele Beobachter noch dieses Szenario erwartet. Insgesamt gab die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich um 8 Hundertstel auf 3,40 Prozent nach. Die Umlaufrendite wiederum sank um 4 Basispunkte auf ebenfalls 3,40 Prozent.
Die US-Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche ein sehr unterschiedliches Bild gezeigt. Während KI- und High-Techwerte teilweise zweistellig abstürzten, schichteten die Marktteilnehmer massiv Gelder in Titel aus anderen Branchen um. Dies lässt sich auch gut beim Blick auf die führenden Indizes ablesen. So fiel der tech-lastige Nasdaq-Composite-Index im Wochenvergleich um 4,5 Prozent auf 26.140,03 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index rutschte um 2,0 Prozent auf 7.659,44 Zähler ab. Der Dow-Jones-Index, der vor allem auch von Aktien aus klassischen Branchen geprägt wird, gewann dagegen 0,7 Prozent auf 52.002,41 Punkte.
Ausblick
Auch wenn sich die deutschen Aktienkurse in der Vorwoche nach oben entwickelt haben, schwankt die Stimmung unter den Marktteilnehmern aktuell noch zwischen sehr verhalten und bestenfalls vorsichtig optimistisch. Denn erstens ist das makroökonomische Umfeld angesichts des anhaltend hohen Ölpreises und steigender Inflationsraten nach wie vor schwierig. Und zweitens ist die Sorge vor weiteren Kursverlusten bei KI- und High-Tech-Werten unverändert groß. Denn auch wenn die jüngsten Kursverluste etwas Druck vom Kessel genommen haben, stellt sich vor allem bei vielen KI-Konzernen mit einem hohen Verschuldungsgrad die Rentabilitätsfrage. Wenn es aber zu weiteren Kursverlusten bei KI- und High-Tech-Werten kommt, können dann Papiere aus anderen Bereichen wie zuletzt profitieren, oder werden sie mit in den Strudel gezogen?
Dass die nun immer mehr Fahrt aufnehmende Quartalsberichtssaison hier nicht unbedingt beruhigt, hat die vergangene Woche gezeigt. Sie hat vielmehr bestätigt, dass gute oder leicht über den Erwartungen liegende Zahlen aktuell nicht mehr für Kursgewinne des berichtenden Unternehmens genügen oder um andere Papiere mit nach oben zu ziehen. Dafür müssen die Ergebnisse aktuell schon deutlich über den Erwartungen liegen. Gespannt darf man also sein, wie die Anleger die Zahlen aufnehmen, die in dieser Woche veröffentlicht werden, zumal auch in Deutschland nun die Quartalsberichtssaison startet. Am Dienstag veröffentlicht mit Deutsche Börse der erste Dax-Konzern seine neuesten Zahlen. Am Mittwoch folgt mit SAP ein absolutes Index-Schwergewicht. Wichtig für die Bewertung dürfte dabei vor allem auch sein, wie der Software-Konzern den KI-Herausforderungen begegnet.
Deutlich mehr marktrelevante Unternehmen legen in den USA ihre Zahlen vor. Dazu zählt am Dienstag mit General Motors einer der wichtigsten Autobauer. Am gleichen Tag folgt dann nach Börsenschluss mit Netflix einer der FAANG-Titel. Allein schon daher werden die neuesten Zahlen des Streaming-Dienstes sehr aufmerksam verfolgt werden. Noch interessanter dürfte allerdings der Mittwoch werden, denn dann geht es vor allem um das Thema KI, wenn – ebenfalls nachbörslich – IBM, Lam Research, Tesla und Texas Instruments ihre Quartalszahlen vorlegen.
Relativ dünn sieht es beim Thema wichtige Konjunkturindikatoren aus. Am heutigen Montag dürfte hier vor allem das chinesische Bruttoinlandsprodukt von Interesse sein. Beobachter erwarten dabei, dass die chinesischen Wachstumszahlen zwar leicht besser ausfallen werden, als zuletzt, aber weiter etwas unter dem Zielkorridor der Regierung bleiben werden. Wie also steckt die Wirtschaft die schwierigen Rahmenbedingungen weg? Antworten auf die gleiche Frage gibt es in dieser Woche noch für die deutsche Wirtschaft. Denn am Dienstag werden die ZEW-Konjunkturerwartungen und am Freitag die HCOB-Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 19.10: Chinesisches Bruttoinlandsprodukt; Entwicklung der Einzelhandelsumsätze in China.
Dienstag, 20.10: Erzeugerpreisindex Deutschland; ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Eurozone; ADP-Beschäftigungsänderungen USA.
Mittwoch, 21.10: Bundesbank-Monatsbericht
Donnerstag, 22.10: Verbrauchervertrauen in der Eurozone; Erstanträge zur Arbeitslosenunterstützung in den USA.
Freitag, 23.10: HCOB-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; HCOB-Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen in Deutschland und der Eurozone; HCOB-Einkaufsmanager-Gesamtindex für Deutschland und die Eurozone; Verbraucher-Stimmungsindex der Universität Michigan; S&P-Global-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA; S&P-Global-Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen in den USA.
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