Börse am Morgen: ASML, Lufthansa, PNE AG und Konjunkturdaten - Nord/LB
Die chinesischen Exporte sind im September unerwartet kräftig gestiegen. Sie wuchsen um 36,3% im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die Zollbehörde mitteilte. Der Handelsüberschuss weitete sich allein im September auf 133,53 Mrd. USD aus. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist auf Kurs, den Rekordüberschuss des Vorjahres von 1,189 Bio. USD zu übertreffen. Angetrieben wurde das Export-Wachstum v. a. durch Hightech-Güter. So stiegen die Halbleiter-Exporte in den ersten 9 Monaten wertmäßig um 108,1% im Vergleich zum Vorjahr, haben sich also mehr als verdoppelt. Die Autoexporte legten sowohl wert- als auch volumenmäßig um mehr als 50% zu. Der massive Überschuss dürfte jedoch die Handelsspannungen mit wichtigen Partnern wie den USA und der EU weiter verschärfen.
Bei den US-Konsumentenpreise zeigte sich im Berichtsmonat September erwartungsgemäß ein Anstieg um 0,6% M/M. Die Energiepreise geben weiterhin den Ton an. Die Kernrate erhöhte sich am aktuellen Rand um 0,3% M/M. Auch diese Entwicklung ist keine große Überraschung. Hinweise auf bedrohliche Zweitrundeneffekte gibt es damit nicht. Die Zahlen liegen in der Summe im Rahmen der Erwartungen. Nur bei einigen Details in der zweiten Reihe offenbarten sich gewisse Überraschungen. In der Summe haben die interessierten Beobachter der US-Ökonomie folglich kaum etwas gelernt. Die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Anhebung der Fed Funds Target Rate im Jahr 2026 liegt somit weiterhin bei circa 50 zu 50!
Tagesausblick
Der Blick der Anleger ruht heute wieder v. a. auf Wirtschaftsdaten aus den USA. Neben den Produzentenpreisen, den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe und dem Philadelphia-Index stehen noch Zahlen zur Entwicklung der Einzelhandelsumsätze zur Veröffentlichung an. Der Konsum der privaten Haushalte ist bekanntlich von zentraler Bedeutung für die nordamerikanische Ökonomie. Der Automobilabsatz dürfte am aktuellen Rand eher nicht stützend gewirkt haben. Zudem sollte genau auf mögliche Revisionen der Vormonatsdaten geachtet werden, welche die Interpretation der Daten durchaus noch weiter erschweren könnten.
Aktienmärkte
Überraschend stark gestiegene Verbraucherpreise in den USA haben den deutschen Aktienmarkt ausgebremst. Dass die Stimmung nicht kippte, dafür sorgte auch ein Vorhaben der EU-Kommission. Angesichts hoher Energiepreise sollen bestimmte Klimaschutzregeln für importierte fossile Brennstoffe erst später als geplant angewendet werden. Unter den Einzeltiteln stach der Windparkentwickler PNE hervor. Dieser kappte die Prognose für das Jahresergebnis, was der Aktie einen Kurseinbruch von fast 20% und ein Kurstief seit 6 Jahren einbrockte. DAX +0,15%; MDAX +0,10%; TecDAX +0,20%.
Die stärker als erwartet gestiegenen Verbraucherpreise im September haben an der Wall Street v. a. die konjunktursensiblen Papiere der Technologiebranche deutlich belastet. Bei den Einzelwerten blieben Aktien aus der Finanzbranche im Fokus. Bank of America fiel um knapp 5%. Das US-Finanzministerium hatte gegen die Großbank Strafen von mehr als 1,21 Mrd. USD wegen Verstöße gegen Geldwäsche- und Sanktionsgesetze verhängt. U. a. wurden chinesische Geldwäsche-Netzwerke nicht gemeldet, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums. Zudem waren die Erträge der Bank im Handel mit Anleihen, Devisen, Rohstoffen und Aktien in Q3 hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Dow Jones -0,09%; S&P 500 -0,11%; Nasdaq Comp. -1,88%.
Unternehmen
Eine unverändert robuste Nachfrage verhilft ASML zu einem erneuten Umsatz- und Gewinnsprung. Daraufhin legte der weltgrößte Anbieter von Halbleiter-Produktionsanlagen einen überraschend optimistischen Ausblick für das laufende Quartal vor. „Wir haben einen Rekordumsatz am oberen Ende unserer Zielspanne erwirtschaftet“, sagte Konzernchef Christophe Fouquet. Ein Ende des aktuellen Wachstums sei nicht in Sicht. Die Auftragsbücher für 2028 seien bereits gut gefüllt. Einige Kunden wollten sogar Bestellungen für 2029 und 2030 aufgeben. Das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas steigerte den Umsatz in Q3 um mehr als die Hälfte auf 11,66 Mrd. EUR. Der Reingewinn verdoppelte sich nahezu auf 4,96 Mrd. EUR und lag deutlich über den Markterwartungen. V. a. das Geschäft mit der Modernisierung bereits installierter Anlagen habe sich überraschend stark entwickelt, hieß es.
Lufthansa kann Insidern zufolge bei der portugiesischen Fluggesellschaft TAP einsteigen. Die Airline erhalte den Zuschlag für einen Anteil von 44,9% und hatsich gegen den Rivalen Air France-KLM durchgesetzt.
Rohstoffe
Ölpreise: nur wenig bewegt, jüngster Preisanstieg vorerst gestoppt.
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