Deutsche Telekom Aktie: Ist die Starlink-Angst übertrieben?
Der Einstieg von SpaceX in den amerikanischen Mobilfunkmarkt hat die Aktien etablierter US-Netzbetreiber unter Druck gesetzt - darunter auch die Deutsche Telekom mit ihrer „US-Perle” T-Mobile US. Nach der Ankündigung eines Frequenzkaufs für Starlink Mobile verloren US-Telekommunikationswerte am Freitag zwischen 10 und 13 Prozent. Baader hält die Befürchtungen vor einem neuen, übermächtigen Wettbewerber allerdings für verfrüht. Die Analysten bestätigen ihre Kaufempfehlungen für T-Mobile US und deren Muttergesellschaft Deutsche Telekom. Für die Deutsche Telekom Aktie nennen sie weiterhin ein Kursziel von 35 Euro. Der DAX-Titel gewinnt am Dienstagmorgen aktuell 1,60 Prozent auf 25,38 Euro. Damit liegt die Zielmarke von Baader rund 38 Prozent über der Börsennotierung.
Auslöser der jüngsten Turbulenzen ist eine Vereinbarung zwischen SpaceX und T-Mobile US über den Erwerb von Mobilfunkfrequenzen im amerikanischen 800-MHz-Band. Das Paket umfasst bis zu 14 MHz gepaartes Spektrum und soll Starlink Mobile ermöglichen, Satellitenkommunikation mit terrestrischen Netzen zu verbinden. Damit könnten künftig auch Gebäude besser mit Mobilfunksignalen versorgt werden. Baader bezweifelt jedoch, dass die erworbenen Frequenzen für einen ernsthaften Angriff auf die bestehenden Mobilfunkanbieter ausreichen. Für ein landesweites Netz wäre nach Einschätzung der Analysten ungefähr die 20-fache Frequenzkapazität erforderlich. Die Deutsche Telekom und ihre US-Tochter verfügen damit aus Sicht von Baader weiterhin über erhebliche Wettbewerbsvorteile.
SpaceX setzt bei seinen Ausbauplänen unter anderem auf zahlreiche kleine Mobilfunkstationen, sogenannte Femtocells. Deren begrenzte Reichweite und Kapazität sowie die notwendige Anbindung an bestehende Breitbandnetze stellen nach Einschätzung von Baader erhebliche technische und wirtschaftliche Hürden dar. Die Analysten verweisen auf eine Berechnung des Finanzchefs von T-Mobile US, wonach für eine vergleichbare Versorgung im Freien rund 1 Milliarde solcher Stationen erforderlich wären. Die Kosten könnten sich auf etwa 200 Milliarden Dollar belaufen. Ein flächendeckender Netzaufbau durch Starlink Mobile wäre damit nach dieser Kalkulation außerordentlich aufwendig.
Deutsche Telekom: T-Mobile US nach Kursrutsch günstiger bewertet
Baader verweist zudem darauf, dass der amerikanische Mobilfunkmarkt bereits vor dem Starlink-Vorstoß weitgehend gesättigt war. AT&T und Verizon verzeichneten in den vergangenen 5 Jahren lediglich jährliche Umsatzsteigerungen zwischen 0 und 2 Prozent. T-Mobile US entwickelte sich mit einem Umsatzwachstum von mehr als 5 Prozent und EBITDA-Zuwächsen von 8 bis 9 Prozent jährlich deutlich dynamischer. Dennoch hatte die Aktie der Deutsche-Telekom-Tochter seit Mitte 2025 bereits rund 35 Prozent an Wert verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis sank von damals etwa 25 auf 15 unmittelbar vor der SpaceX-Ankündigung und nach dem jüngsten Ausverkauf weiter auf 13,5. Baader sieht deshalb einen erheblichen Teil der Wachstumsrisiken bereits in der Bewertung berücksichtigt.
Für das Gesamtjahr erwartet das Management von T-Mobile US weiterhin ein Umsatzplus von 8 Prozent und einen EBITDA-Anstieg um 10 Prozent. Der bereinigte freie Cashflow soll unter Berücksichtigung der Nettozahlungen für die Übernahme von UScellular rund 18,6 Milliarden Dollar erreichen. Zugleich sind Kapitalrückflüsse an die Aktionäre von insgesamt 18,2 Milliarden Dollar vorgesehen, darunter 13,8 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe und 4,4 Milliarden Dollar für Dividenden. Bei einer Börsenbewertung von rund 160 Milliarden Dollar hält Baader die US-Tochter der Deutschen Telekom trotz möglicher zusätzlicher Konkurrenz durch SpaceX weiterhin für attraktiv bewertet. Auch für die Deutsche Telekom bleibt das Institut deshalb bei seiner Kaufempfehlung.
Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: Deutsche Telekom.
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