Börse am Morgen: Nordex, Volkswagen, Weizen, EZB und US-Immobilien - Nord/LB
Die Materialengpässe in der dt. Industrie haben im September leicht zugenommen, bleiben aber insgesamt begrenzt. Besonders betroffen ist die Elektroindustrie, wo die hohe Nachfrage nach Halbleitern und anderen Vorprodukten zunehmend zum Produktionshemmnis wird; auch Chemie und Maschinenbau melden mehr Engpässe. Dagegen hat sich die Versorgungslage in der Metallindustrie verbessert, während sie in der Automobilbranche weitgehend stabil bleibt.
Der Stabilitätsrat (zur Überprüfung der deutschen Staatsfinanzen) erwartet bis zum Jahr 2030 einen deutlichen Anstieg der Staatsverschuldung auf 78,3% des BIP (2025: 62,8%) sowie Defizite von deutlich über den europäischen Fiskalgrenzen (was als zunehmend besorgniserregend bewertet wird). Haupttreiber sieht der Rat in den höheren Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. In dieser Gemengelage verteidigt der Bundesfinanzminister die zusätzliche Verschuldung als notwendige Zukunftsinvestition, kündigt jedoch zugleich auch Strukturreformen und Haushaltsdisziplin zur Sicherung der langfristigen Tragfähigkeit der Staatsfinanzen an.
Tagesausblick
Heute wird vor allem auf die aktuellen Zahlen zur Lage am US-Immobilienmarkt zu achten sein. Hohe Hypothekenzinsen lassen eigentlich keine positiven Projektionen für die Wiederverkäufe von Häusern im September zu. Die Abschwächungstendenzen im Juni, Juli und August sollten damit eher anhalten. Zudem könnte noch ein Blick auf das NFIB Small Business Optimism Index lohnen. Diese Befragung liefert vor allem auch spannende Fingerzeige auf den Personalbedarf der KMUs in den USA.
Renten- und Aktienmärkte
Schon in der letzten Woche berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde den Finanzministern der Eurozone mitgeteilt habe, die EZB verfüge über Instrumente (bspw. das Transmission Protection Instrument kurz TPI), um ungerechtfertigte und ungeordnete Marktbewegungen bei Bondspreads zu bekämpfen. In Anbetracht der zurzeit gestressten Marktbewertung bei franz. Staatsanleihen (10-jährige Renditen flirten mit der 5%-Marke) ist das also bemerkenswert. Zwar stammt das EZB-Zitat offenbar aus einer nicht öffentlichen Sitzung, dennoch stellt sie das erste Anzeichen einer indirekten verbalen Intervention der (franz.!) EZB-Präsidentin dar. Und was macht der europ. Bondmarkt daraus? Bisher wenig. Gestern wurden franz. OATs (Staatsanleihen) wieder aus den Portfolien der Investoren geworfen. La Cuisine française macht keinen Appetit. Dt. Bunds standen auf der Speisekarte (und dies trotz – siehe oben – eines auch beim dt. Michel sich abzeichnenden Verschuldungshungers).
Zum Wochenbeginn daher Zurückhaltung an den Aktienmärkten. Anleger warten gespannt auf die US-Bilanzsaison und neue Inflationsdaten.
Unternehmen
Nordex hat in Q3 mit 2,81GW einen um 29,5% höheren Auftragseingang erzielt und damit den Wachstumskurs fortgesetzt. In den ersten neun Monaten stiegen die Bestellungen um 16% auf 7,73GW, wobei die wichtigsten Märkte Türkei, Deutschland und USA waren.
Volkswagen verzeichnet im dritten Quartal mit einem Absatzrückgang von 14,3% auf 1,88 Mio. Fahrzeuge den stärksten Einbruch seit 2022, wobei insbesondere das China-Geschäft (-38,5%) sowie eine schwächere Nachfrage in Nordamerika und anderen Kernmärkten belasten. In den ersten neun Monaten sank der Konzernabsatz um 9% auf 6,01 Mio. Fahrzeuge; die Marken Volkswagen, Audi und Porsche verzeichneten deutliche Rückgänge, während auch das E-Auto-Geschäft leicht schrumpfte. Einziger operativer Lichtblick blieb die Nutzfahrzeugtochter Traton, die dank einer kräftigen Nachfragebelebung in den USA ein Absatzplus von gut 10% erzielte. Trotz des herausfordernden Marktumfelds mit hohem Wettbewerbsdruck, China-Überkapazitäten und Auswirkungen der US-Zölle reagierte die Börse gestern positiv; die Volkswagen-Aktie legte sogar leicht zu.
Rohstoffe
Die anhaltenden Unsicherheiten rund um den Schwarzmeerraum und die von Trump am Wochenende kommunizierte instabile, fragile „Energie-Waffenruhe“ zwischen Russland und der Ukraine nähren derzeit Sorgen über mögliche längerfristige Störungen der Getreideexport-Infrastruktur aus der Kornkammer der Welt. Gleichzeitig hat das USDA (United States Department of Agriculture) seine Prognose für russische Weizenexporte 2026/27 am letzten Freitag auf 40 Mio. t gesenkt (Vorjahr: 48 Mio. t), was auf ein künftig knapperes Exportangebot am Weltmarkt hindeutet. Der Dezember 2026 Kontrakt für Weizen handelt in diesem Umfeld an der Euronext Paris weiter bei über EUR 240/t.
Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: Volkswagen (VW) Vz..
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