Traton Aktie: US-Geschäft zieht an, Analysten warnen
Traton hat im dritten Quartal 2026 deutlich mehr Nutzfahrzeuge verkauft, doch mwb research sieht darin noch keine nachhaltige Trendwende. Der Absatz des Volkswagen-Tochterkonzerns stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zehn Prozent auf 78.900 Fahrzeuge und entsprach damit den Markterwartungen. Haupttreiber war die Erholung des US-Geschäfts nach einer längeren Phase zurückgestellter Investitionen. Über die ersten neun Monate beträgt das Absatzplus allerdings lediglich 3 Prozent auf 230.400 Fahrzeuge. Die Analysten bestätigen deshalb ihre Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 23 Euro. Bei einem aktuellen Börsenkurs von 33,66 Euro, ein Tagesgewinn von 1,89 Prozent, sieht mwb research ein rechnerisches Rückschlagpotenzial von knapp 32 Prozent.
Besonders stark entwickelte sich bei Traton die Sparte International Motors mit einem Absatzanstieg um 48 Prozent im dritten Quartal. Die wieder anziehende Nachfrage US-amerikanischer Spediteure und Flottenbetreiber konnte damit die Schwäche des ersten Halbjahres mehr als ausgleichen. Bei Scania erhöhten sich die Auslieferungen um drei Prozent, unterstützt durch den Produktionshochlauf im chinesischen Rugao und das brasilianische Kreditprogramm Move Brasil. Volkswagen Truck & Bus profitierte ebenfalls von der Förderung in Brasilien und steigerte den Absatz um fünf Prozent. MAN verzeichnete dagegen einen Rückgang um ein Prozent. Hier konnten höhere Lkw-Verkäufe die schwächere Nachfrage nach Bussen und Transportern nicht vollständig kompensieren.
Für die vollständigen Quartalszahlen am 28. Oktober erwartet mwb research für Traton einen Umsatzanstieg um 13 Prozent auf rund 11,8 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT soll etwa 820 Millionen Euro erreichen, entsprechend einer operativen Marge von 6,9 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresquartal wäre dies eine Verbesserung um 0,5 Prozentpunkte. Die Analysten führen die erwarteten Ergebniszuwächse vor allem auf das höhere Absatzvolumen und die Erholung in Nordamerika zurück. Allerdings war die Belebung nach den starken Auftragseingängen der vergangenen Quartale bereits absehbar. In den USA hatten Kunden ihre Fahrzeugkäufe längere Zeit hinausgezögert, wodurch der Ersatzbedarf in den alternden Flotten gestiegen ist.
Traton: Chinesische Konkurrenz und VW als Risiken
Für die weitere Geschäftsentwicklung bleibt mwb research zurückhaltend. Neben konjunkturellen und geopolitischen Unsicherheiten könnte vor allem der Wettbewerb bei elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeugen zunehmen. Chinesische Hersteller dürften nach Einschätzung der Analysten mit günstigeren Elektro-Lkw auf den Markt drängen und damit langfristig sowohl Marktanteile als auch Gewinnmargen etablierter Anbieter unter Druck setzen. Ein weiteres Risiko sehen sie in der Aktionärsstruktur. Volkswagen benötigt für den eigenen Konzernumbau erhebliche Investitionsmittel, sodass zusätzliche Verkäufe von Traton-Anteilen nicht ausgeschlossen werden. Bereits im März 2025 hatte der Mutterkonzern ein Paket von 2,2 Prozent abgegeben. Weitere Platzierungen könnten nach Ansicht von mwb research den Aktienkurs belasten.
Die Finanzprognosen der Analysten für Traton zeigen zwar eine Erholung gegenüber dem schwachen Geschäftsjahr 2025, aber keinen durchgehenden Margenanstieg. Für 2026 kalkuliert mwb research mit 46,25 Milliarden Euro Umsatz nach 44,05 Milliarden Euro im Vorjahr. Das EBITDA soll von 5,61 auf 6,47 Milliarden Euro steigen, der Gewinn je Aktie von 3,09 auf 4,18 Euro. Für 2027 erwarten die Analysten 49,26 Milliarden Euro Umsatz, 6,72 Milliarden Euro EBITDA und 4,70 Euro Ergebnis je Traton Aktie. Im Jahr 2028 sollen die Erlöse 51,72 Milliarden Euro und das EBITDA 6,76 Milliarden Euro erreichen, während der Gewinn je Aktie auf 4,86 Euro zulegen dürfte. Die EBITDA-Marge würde nach 14,0 Prozent im Jahr 2026 auf 13,6 Prozent 2027 und 13,1 Prozent 2028 zurückgehen. Bei der Dividende prognostiziert mwb research für die drei Jahre Ausschüttungen von 1,25 Euro, 1,41 Euro und 1,46 Euro je Aktie. Trotz steigender Gewinne bleibt das Analysehaus angesichts der strukturellen Risiken bei „Sell“.
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