Katjes Greenfood: „Wir wollen die Unternehmen besser machen“ - Interview
Marius Rodert, der CFO von Katjes Greenfood, ist in diesen Tagen ein vielbeschäftigter Mann. Rodert ist auf Roadshow, um die neue Anleihe von Katjes Greenfood vorzustellen. Dieser Nordic Bond hat ein Volumen von bis zu 40 Millionen Euro und läuft bis 2031. Die genaue Verzinsung steht noch nicht fest, die Zinsspanne geht von 7,75 Prozent bis 8,5 Prozent. Neuinvestoren können das Papier bis zum 19. Oktober zeichnen, Altinvestoren können ihre Papiere noch bis zum 15. Oktober umtauschen.
Im Exklusivinterview mit der Redaktion von 4investors.de erläutert Rodert die Strategie von Katjes Greenfood. Dabei spielen das Marken- und Handelswissen der Verantwortlichen eine wichtige Rolle. Rodert verweist auf das starke Portfolio und auf die Werte, die man bereits geschaffen hat. Im Interview geht es auch um Love Brands, um deren Fans und um den Spaß an bewusster Ernährung. Der Finanzvorstand betont zugleich, dass ihm Qualität vor Quantität gehe. Thematisiert wird ferner die geographische Ausdehnung von Katjes Greenfood. Hier macht Rodert eines deutlich: „Für uns ist Nähe nicht bloß eine Frage des Standorts. Sie ist Teil unseres Geschäftsmodells.“
4investors: Ein Aspekt sorgt immer wieder für Verwirrung. Es gibt Katjes Greenfood und es gibt Katjes International. Wie sehen da die Zusammenhänge oder Unterschiede aus?
Rodert: Die Katjes Gruppe besteht aus drei rechtlich eigenständigen Schwestergesellschaften. Alle drei haben dieselben Eigentümer: Bastian Fassin und Tobias Bachmüller. Aber jede hat eine andere Aufgabe. Katjes Fassin ist das Süßwarengeschäft aus Emmerich. Dazu gehören neben Katjes auch bekannte Marken wie WICK Hustenbonbons und Ahoj-Brause. Katjes International entwickelt etablierte Marken. Angefangen hat das vor allem mit Süßwaren wie Treets und Sperlari. Später kamen mit Bübchen die Körperpflege und zuletzt mit Bogner und Missoni auch Luxusmarken hinzu.
Wir sind die jüngste Schwester: Katjes Greenfood wurde im August 2016 gegründet und investiert in Better-for-You-Marken. Better-for-You steht für die bessere Wahl im Alltag. Je nach Produkt heißt das zum Beispiel: weniger Zucker, mehr Protein oder Ballaststoffe, pflanzliche oder natürliche Zutaten. Und das alles, ohne beim Geschmack Abstriche zu machen. Zu uns gehören heute mymuesli, Cookie Bros., Genius, Seven Sundays, VEGDOG und hellotaste. Wir bringen nicht nur Geld ein, sondern auch das Marken- und Handelswissen der gesamten Katjes Gruppe.
4investors: Die neue Anleihe ist ein Nordic Bond nach norwegischem Recht. Welche Vorteile bietet dieses Konstrukt?
Rodert: Der große Vorteil ist: Wir erreichen damit mehr Investoren und bieten klare Spielregeln. Katjes International hat 2023 bereits erfolgreich einen Nordic Bond begeben. Daran haben wir uns orientiert. Für viele internationale institutionelle Anleger ist dieses Format ein vertrauter Marktstandard. Ein Treuhänder vertritt die Anleihegläubiger gemeinsam. Und wir verpflichten uns zu festen finanziellen Grenzen, darunter eine Mindesteigenkapitalquote und eine Obergrenze für die Verschuldung im Verhältnis zum Wert unserer Beteiligungen. Gleichzeitig bleibt das Angebot für Privatanleger in Deutschland, Österreich und Luxemburg offen. Die Anleihe wird in Frankfurt gehandelt und zukünftig auch zusätzlich in Oslo.
4investors: 2022 haben Sie erstmals eine Anleihe ausgegeben. Wie sehr hat sich der Markt, wie sehr haben sich die Investoren seitdem verändert?
Rodert: 2022 waren wir am Kapitalmarkt noch Debütant. Heute können wir auf vier Jahre Kapitalmarkthistorie zurückblicken. Unsere erste Anleihe notierte seit ihrer Ausgabe durchgehend über 100 Prozent und war für ihre Größenordnung außergewöhnlich liquide. Die Handelsumsätze konnten sich durchaus mit denen von Anleihen mit dreistelligen Millionenvolumina messen. Für Investoren ist das ein wichtiger Unterschied: Sie können uns heute deutlich besser einschätzen als noch 2022. Mit dem Nordic Bond gehen wir nun den nächsten Schritt und setzen auf einen international etablierten Marktstandard. Klare Spielregeln schaffen Transparenz und Vertrauen. Das ist für unsere bestehenden Anleger wichtig und öffnet uns gleichzeitig die Tür zu weiteren internationalen institutionellen Investoren.
4investors: Mit der Emission der neuen Anleihe soll vor allem eine alte Anleihe refinanziert werden. Gibt es noch weitere Pläne für das neue Kapital?
Rodert: Nein. Die neue Anleihe hat einen klaren Zweck: Wir wollen unsere Anleihe 2022/2027 und das Crowdfunding-Darlehen von 2021 frühzeitig refinanzieren. So bestimmen wir den Zeitpunkt selbst und sichern uns finanzielle Flexibilität für die kommenden Jahre. Das Zielvolumen liegt bei 40 Millionen Euro. Zusätzlich bringen unsere Gesellschafter im Zuge der Transaktion 6 Millionen Euro frisches Eigenkapital ein. Falls sich später eine attraktive Gelegenheit ergibt, können wir die Anleihe bei Bedarf aufstocken. Das ist eine Option, aber nicht der Grund für die Emission.
4investors: Sie sprechen immer wieder von Love Brands. Wie definieren Sie solche?
Rodert: Eine Love Brand ist, wenn aus Vertrauen Liebe wird. So eine Marke hat nicht nur Käufer, sondern Fans. Das kennt man vom Fußball: Seinen Verein wechselt man nicht, nur weil ein anderer gerade besser dasteht. Bei einer starken Marke ist es ähnlich. Die Menschen greifen bewusst zu, kaufen wieder und empfehlen die Marke weiter, selbst wenn daneben etwas Günstigeres steht. Diese Treue ist auch wirtschaftlich wertvoll: Eine starke Marke lässt sich nicht so einfach kopieren und kann ihren Preis besser behaupten. Gerade im Better-for-You-Bereich muss außerdem drin sein, was draufsteht. Und am Ende muss es natürlich schmecken.
4investors: Laut Eigenbeschreibung wollen Sie die Lebensstile von morgen prägen. Wie sehen diese aus?
Rodert: Ganz sicher nicht mit erhobenem Zeigefinger. Die Menschen wollen heute sehr unterschiedliche Dinge: mehr Protein, weniger Zucker, glutenfrei, Bio oder pflanzliche Alternativen. Aber bei einer Sache sind sie sich einig: Es muss schmecken. Bewusste Ernährung heißt nicht Verzicht. Genuss gehört genauso dazu. Genau dafür stehen unsere Marken: etwa klassisches Bio-Bircher-Müsli von mymuesli, aber eben auch Bio-Müsli im Tiramisu-Style oder kalorienreduzierte Saucen von hellotaste. Am Ende muss bewusste Ernährung Spaß machen und Menschen mit ganz unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen abholen.
4investors: Katjes Greenfood ist fünf Mal bei Unternehmen engagiert, die Lebensmittel anbieten, einmal sind Sie mit VEGDOG im tierischen Bereich unterwegs. Sehen Sie in diesem Bereich weiteres Potenzial?
Rodert: VEGDOG ist das prägende Unternehmen in der pflanzlichen Hundeernährung. Seit mehr als zehn Jahren entwickelt das Unternehmen seine Rezepturen gemeinsam mit Tierärztinnen und Tierärzten. Gerade für Halter von Hunden mit Futtermittelallergien ist das ein wichtiges Angebot.
Der Petfood-Markt ist hochattraktiv und wächst stark. Weitere Beteiligungen in diesem Bereich suchen wir derzeit dennoch nicht aktiv. Das liegt aber nicht am Markt, sondern an unserem aktuellen Fokus auf unsere Mehrheitsbeteiligungen.
4investors: Viele Mitbewerber spüren die Konsumzurückhaltung. Bietet das für Sie Chancen – auch hinsichtlich neuer Beteiligungen?
Rodert: Ein Sofa oder ein Auto kann man später kaufen. Lebensmittel braucht man jeden Tag. Und gutes Essen ist für viele ein kleiner Luxus, den sie sich auch in schwierigeren Zeiten gönnen. Das macht unseren Markt widerstandsfähiger. Der deutsche Lebensmittelmarkt ist 2025 preisbereinigt um 1,3 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig ist der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln um 6,7 Prozent auf mehr als 18 Milliarden Euro gewachsen. Das zeigt: Die Verbraucher schauen genau hin, geben für überzeugende Produkte aber weiterhin Geld aus. Gerade starke Marken können davon profitieren. Unser Fokus liegt derzeit auf unserem bestehenden Portfolio.
4investors: Was muss ein Unternehmen erfüllen, um in Ihr Portfolio aufgenommen zu werden?
Rodert: Für mich sind es im Kern drei Dinge: Markt, Marge und Menschen. Ist der Markt groß genug oder wächst er? Bleibt beim Verkauf genug übrig, um daraus ein gesundes Unternehmen zu machen? Und gibt es ein Team, dem wir zutrauen, die Marke weiterzuentwickeln? Das Produkt muss sich am Markt schon bewiesen haben. Wir sind nicht der richtige Partner, um aus einer bloßen Idee erst eine Firma zu machen. Unsere Stärke ist, ein funktionierendes Geschäft besser und größer zu machen. Vereinfacht gesagt: Wir sind besser darin, aus einer Million Euro Umsatz zehn Millionen zu machen, als von null auf die erste Million zu kommen. Und dann kommen zwei weitere Fragen: Können wir mit unserer Erfahrung wirklich etwas bewegen? Und stimmt der Preis? Denn auch ein gutes Unternehmen kann ein schlechtes Investment sein, wenn man zu viel dafür bezahlt.
4investors: In Ihrem Portfolio gibt es drei Mehrheits- und drei Minderheitsbeteiligungen. Sind für Sie aktuell Mehrheitsübernahmen oder Minderheitsbeteiligungen interessanter?
Rodert: Beides kann sinnvoll sein. Unsere Minderheitsbeteiligungen haben uns bereits gute Verkäufe zu attraktiven Bewertungen ermöglicht. Das bringt Liquidität. Und auch unsere heutigen Minderheiten haben weiter Potenzial. Unser Schwerpunkt liegt inzwischen aber klar auf Mehrheiten. Mit einer Minderheit kann man beraten, mit einer Mehrheit kann man gestalten. Wir wollen bei Marke, Sortiment, Vertrieb und Kosten selbst mitentscheiden und die Unternehmen besser machen. Das ist unser Unterschied zu einem Investor, der vor allem Geld mitbringt. Wir verstehen Marken – und wir können auch Regal. mymuesli zeigt diesen Weg: 2023 sind wir mit 10 Prozent eingestiegen, 2024 haben wir die Mehrheit übernommen. Eine Minderheit kann also auch der erste Schritt zu einer späteren Mehrheit sein.
4investors: Wie soll sich Katjes Greenfood bis 2030 entwickeln? Wie viele Beteiligungen sollen dann im Portfolio vorhanden sein?
Rodert: Bis 2030 wollen wir mit unseren drei Mehrheitsbeteiligungen vor allem eines: profitabel wachsen. Dafür wollen wir unsere Präsenz im Handel ausbauen und die Position unserer Marken weiter stärken. Ob uns das gelingt, wird man nicht an der Zahl der Beteiligungen ablesen, sondern an der wirtschaftlichen Entwicklung und steigenden Unternehmenswerten. Dafür bringen sich Bastian Fassin und Tobias Bachmüller mit ihrer Marken- und Handelserfahrung ein. Eine feste Zielzahl für unser Portfolio haben wir nicht. Wenn eine wirklich passende Marke dazukommt, prüfen wir das. Aber Qualität geht für uns vor Quantität.
4investors: Wie sieht künftig Ihre Strategie bei Beteiligungen aus? Sollen sie auf Dauer Teil des Portfolios bleiben oder stehen eher Verkäufe/Exits auf der Tagesordnung?
Rodert: Bei unseren Mehrheitsbeteiligungen ist die Linie klar: Wir wollen sie langfristig halten und weiterentwickeln. Wir kaufen keine Marke, nur um sie möglichst schnell wieder zu verkaufen. Unser Fokus liegt auf profitablem Wachstum und langfristiger Wertsteigerung. Ein Weg über den Kapitalmarkt könnte irgendwann eine Option sein. Und grundsätzlich sollte man im Geschäftsleben niemals nie sagen. Aber ein Verkauf unserer Mehrheitsbeteiligungen steht derzeit nicht auf dem Plan. Unsere Minderheitsbeteiligungen zeigen, dass wir Werte nicht nur schaffen, sondern auch realisieren können: Aus 15 Millionen Euro investiertem Kapital sind 37 Millionen Euro Wert geworden. Davon haben wir 11 Millionen Euro bereits realisiert. Bei den verbleibenden Minderheitsbeteiligungen bleiben wir flexibel.
4investors: Momentan liegen Ihre Arbeitsschwerpunkte auf Deutschland, Großbritannien und den USA. Bleibt es bei dieser geografischen Ausrichtung?
Rodert: In den USA sind wir nur über Seven Sundays beteiligt. Die Marke entwickelt sich sehr gut. Nach der letzten Finanzierungsrunde halten wir allerdings nur noch einen kleineren Minderheitsanteil. Unser klarer Schwerpunkt ist Westeuropa. Unsere drei Mehrheitsbeteiligungen sitzen in Deutschland und Großbritannien. Wir wollen nah dran sein, persönlich vor Ort und schnell im Austausch. Für uns ist Nähe nicht bloß eine Frage des Standorts. Sie ist Teil unseres Geschäftsmodells. Das gilt auch für mögliche neue Investments.
4investors: Sie sind gerade auf Roadshow, der Umtausch endet am Donnerstag, die Zeichnung am 19. Oktober. Welche Eindrücke nehmen Sie aus den aktuellen Gesprächen mit?
Rodert: In den vergangenen zwei Wochen hatten wir zahlreiche Einzelgespräche und Investorenrunden in Frankfurt, München und Hamburg. Die Resonanz ist ausgesprochen positiv. Besonders freut uns der Austausch mit langjährigen Anlegern und neuen internationalen institutionellen Investoren. Auch von Privatanlegern erhalten wir erfreuliche Rückmeldungen zum Umtausch und zur Neuzeichnung. Dabei erleben wir immer wieder, wie hoch die Bekanntheit und Reputation der Marke Katjes auch international sind. Das öffnet uns sicherlich die eine oder andere Tür. And we´re still on the road.

