Hensoldt Aktie: Experten sind von Langfrist-Perspektiven nicht überzeugt
Hensoldt könnte bei der Vorlage der Quartalszahlen am 5. November die Jahresprognose anheben. Für mwb research wäre das allerdings kein Grund, die skeptische Einschätzung der Rüstungsaktie zu überdenken. Die Analysten erwarten zwar ein solides drittes Quartal und halten eine höhere Prognose für 2026 für wahrscheinlich, sehen diese Entwicklung aber bereits weitgehend im Aktienkurs berücksichtigt. Entscheidend sei vielmehr, ob Hensoldt auch seine längerfristigen Wachstumsziele nach oben korrigiert. Die Einstufung für die TecDAX-notierte Rüstungsaktie bleibt bei „Sell“, das Kursziel unverändert bei 62 Euro. Beim aktuellen Aktienkurs von 74,64 Euro, der heute aktuell um 0,67 Prozent nachgibt, liegt das Kursziel rund 17 Prozent unter dem Börsenwert.
Für das dritte Quartal kalkuliert mwb mit einem Umsatzanstieg um 17 Prozent auf 695 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA soll 125 Millionen Euro erreichen, was einer Marge von 18 Prozent entspricht. Beim Cashflow rechnen die Analysten mit 35 Millionen Euro. Eine möglicherweise schwache Cashflow-Entwicklung wäre aus ihrer Sicht angesichts der ausgeprägten Saisonalität des Geschäfts nicht überzubewerten. Traditionell entfällt bei Hensoldt ein erheblicher Teil der Jahresaktivitäten auf das Schlussquartal.
Gerade deshalb erscheint eine Anhebung der Jahresziele für mwb naheliegend. Um die bisherigen Erwartungen für 2026 zu erfüllen, müsste Hensoldt im vierten Quartal noch 958 Millionen Euro Umsatz erzielen. Das entspräche einem Wachstum von lediglich 4 Prozent, während der durchschnittliche Umsatzzuwachs in den Schlussquartalen der vergangenen drei Jahre bei rund 14 Prozent lag. Beim bereinigten EBITDA wären im vierten Quartal 285 Millionen Euro und damit eine Marge von 30 Prozent erforderlich. Die Analysten sehen die Voraussetzungen für eine höhere Jahresprognose gegeben, erwarten daraus aber keinen grundlegenden Bewertungsimpuls.
Höhere Prognose, trotzdem Verkaufsempfehlung
Skeptisch bleibt mwb auch hinsichtlich der längerfristigen Perspektiven. Die zwischenzeitlichen Kursgewinne nach Nachrichten über eine Radarvereinbarung mit der Ukraine sind inzwischen mehr als aufgezehrt. Nach Einschätzung der Analysten hat die Absichtserklärung weder die langfristigen Ertragsperspektiven noch die strukturellen Risiken verändert. Besonders kritisch beurteilen sie die starke Abhängigkeit von gepanzerten Fahrzeugen und Panzern, auf die nach eigenen Schätzungen mehr als 40 Prozent des Umsatzes entfallen. Ohne eine Anhebung der langfristigen Unternehmensziele bleibt zudem die Sorge bestehen, dass Hensoldt Anfang der 2030er-Jahre einen Umsatzhöhepunkt erreichen könnte.
In den mittelfristigen Finanzprognosen von mwb zeigt sich dennoch ein kräftiger Wachstumspfad. Für 2026 erwarten die Analysten einen Umsatz von 2,92 Milliarden Euro und ein EBITDA von 559,4 Millionen Euro. Im Jahr 2027 sollen daraus 3,32 Milliarden Euro Umsatz und 637,1 Millionen Euro EBITDA werden, bevor 2028 Erlöse von 3,85 Milliarden Euro und ein EBITDA von 770,3 Millionen Euro erreicht werden. Der Gewinn je Hensoldt Aktie soll dabei von 1,89 Euro über 2,29 Euro auf 3,01 Euro steigen. Auch die Dividende dürfte nach den Schätzungen von 0,76 Euro für 2026 auf 0,91 Euro für 2027 und 1,20 Euro für 2028 wachsen. Trotz dieser Entwicklung hält mwb die Bewertung der Hensoldt Aktie weiterhin für zu hoch.
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