United Internet: Die Squeezeout-Marken bei 1&1 rücken näher
United Internet stärkt mit einer Kapitalmaßnahme bei 1&1 nicht nur die Bilanz der Tochter, sondern verschafft sich zugleich zusätzlichen strategischen Spielraum. Eine Forderung über 850,2 Millionen Euro gegen die 1&1 Versatel wird gegen 35,35 Millionen neu ausgegebene 1&1-Aktien eingebracht. Das entspricht 20 Prozent des bisherigen Grundkapitals von 1&1, Bezugsrechte der übrigen Aktionäre sind ausgeschlossen. Wirtschaftlich wird damit eine konzerninterne Verbindlichkeit in Eigenkapital bei 1&1 umgewandelt. Für United Internet ist kein zusätzlicher Liquiditätseinsatz notwendig.
Für mwb liegt die besondere Bedeutung der Transaktion in der deutlich höheren Beteiligung an 1&1. Nach Abschluss wird United Internet rund 89,32 Prozent der Aktien halten. Auf Basis der dann etwa 212,1 Millionen ausstehenden Aktien fehlen rechnerisch nur noch rund 1,4 Millionen Stück, um die Schwelle von 90 Prozent zu überschreiten. Gleichzeitig besteht der bereits erteilte Auftrag zum Erwerb von bis zu sechs Millionen 1&1-Aktien weiter. Davon wurden bislang lediglich 1,29 Millionen Stück gekauft, womit noch Spielraum für rund 4,7 Millionen Aktien besteht. Würde dieser ausgeschöpft, könnte die Beteiligung nach Berechnungen von mwb auf etwa 91,5 Prozent steigen.
Damit gewinnt die Eigentümerstruktur auch mit Blick auf eine mögliche spätere Neuordnung des Konzerns an Bedeutung. Eine Beteiligung von mindestens 90 Prozent kann unter bestimmten Voraussetzungen einen Verschmelzungs-Squeeze-out ermöglichen, während für einen klassischen aktienrechtlichen Squeeze-out grundsätzlich eine Beteiligung von 95 Prozent erforderlich ist. Für diese höhere Schwelle müsste United Internet nach der Kapitalerhöhung noch rund zwölf Millionen 1&1-Aktien erwerben. mwb betont allerdings, dass ein Squeeze-out bislang weder beschlossen noch vom Management angekündigt wurde. Dass United Internet bis auf knapp 90 Prozent aufstockt und gleichzeitig den bestehenden Kaufauftrag unangetastet lässt, wertet das Researchhaus dennoch als strategisch bemerkenswert.
Kaufempfehlung für United Internet bestätigt
Auf die konsolidierten Finanzkennzahlen von United Internet hat die Einbringung der Forderung zunächst nur begrenzten Einfluss. Forderung und Verbindlichkeit sind konzerninterne Positionen und werden im Konzernabschluss ohnehin eliminiert. mwb erwartet daher aus der Transaktion selbst weder einen direkten Effekt auf die Nettoverschuldung und den Cashflow noch auf das operative EBITDA. Wirtschaftlich relevant für die Aktionäre ist dagegen der höhere Anteil an 1&1 und damit der geringere Ergebnisanteil, der künftig auf Minderheitsaktionäre entfällt. Gleichzeitig verbessert sich die eigenständige Kapitalstruktur von 1&1 und der finanzielle Handlungsspielraum der Tochter nimmt zu.
Für das laufende Jahr erwartet mwb beim Konzern aus Montabaur einen Umsatz von 6,29 Milliarden Euro und einen Gewinn je United Internet Aktie von 1,49 Euro. 2027 sollen die Erlöse auf 6,54 Milliarden Euro und das Ergebnis je Aktie auf 2,02 Euro steigen, für 2028 werden 6,80 Milliarden Euro beziehungsweise 2,21 Euro prognostiziert. Bei der Dividende rechnet das Researchhaus mit 0,45 Euro für 2026, 0,61 Euro für 2027 und 0,66 Euro für 2028.
mwb bewertet die Transaktion insgesamt leicht positiv und bleibt bei der Kaufempfehlung für die United Internet Aktie mit einem Kursziel von 30 Euro. Der TecDAX-Titel gewinnt aktuell 1,98 Prozent auf 24,72 Euro.
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