Börse am Morgen: Anleihen, EZB, Saudi-Aramco - Öl und Konjunkturdaten - Nord/LB
Die politische Unsicherheit in Frankreich prägt die Anleihemärkte. Der Renditeaufschlag französischer gegenüber deutschen Staatsanleihen weitete sich aus.
Das Konsumklima in Deutschland hat sich im Oktober trotz verbesserter Konjunkturaussichten eingetrübt, was die Erwartungen für das wichtige Weihnachtsgeschäft belastet. Grund dafür sind die gesunkene Anschaffungsneigung, schwächere Einkommenserwartungen sowie die Belastung durch hohe Energie- und Kraftstoffpreise, die zugleich die Inflationserwartungen erhöhen. Der HDE (Handelsverband Deutschland) sieht daher weiterhin keine spürbare Belebung des privaten Konsums.
Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau verzeichnete im August einen realen Auftragsrückgang von 5% gegenüber dem Vorjahr, wobei sowohl Inlands- als auch Auslandsbestellungen rückläufig waren. Trotz eines Auftragsplus von 4% in den ersten acht Monaten 2026 sieht der VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V) dies vor allem als Folge eines schwachen Vorjahres und einzelner Großaufträge, während eine nachhaltige Investitionsdynamik weiterhin fehlt. Positiv bleibt, dass die Aufträge im weniger volatilen Zeitraum Juni bis August, getragen von Exporten, insgesamt um 7% zulegten.
Die Stimmung in der dt. Automobilindustrie hat sich im September deutlich verschlechtert. Das Ifo-Geschäftsklima fiel auf den tiefsten Stand seit Jahresbeginn, während Unternehmen ihre Geschäftslage, Auftragsbestände, Exportaussichten, Beschäftigungserwartungen und Ertragslage zunehmend negativ bewerten. Die Branche steckt laut IfoInstitut weiterhin in einer Krise, die vor allem durch den starken Wettbewerbsdruck chinesischer Hersteller und strukturelle Wettbewerbsnachteile geprägt ist. Im Gegensatz dazu hat sich das Geschäftsklima in anderen Industriezweigen wie der Elektro- und Chemieindustrie zuletzt spürbar verbessert.
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane bekräftigt den datenabhängigen und „maßvollen“ geldpolitischen Kurs der Notenbank und betont, dass es keinen vorab festgelegten Zinspfad gibt. Die jüngsten Zinserhöhungen auf 2,50% seien angesichts des ölpreisbedingten Inflationsanstiegs auf 3,8% im September angemessen gewesen. Die Finanzmärkte erwarten derzeit eine Zinspause im Oktober und eine mögliche weitere Anhebung im Dezember (da die Inflation laut EZB noch bis 2027 über dem Zielwert bleiben dürfte).
Tagesausblick
Heute geben zunächst die dt. Auftragseingänge Aufschluss über die Lage der Industrie. Nach dem kräftigen Zuwachs im Juli lässt unsere Prognose für August einen Rückgang um 1,5% M/M erwarten, wobei das hohe Vorjahresplus durch Basiseffekte und Großaufträge relativiert wird. Die Einzelhandelsumsätze der Eurozone dürften sich nach dem deutlichen Rückgang im Juli leicht erholen, ohne bereits eine durchgreifende Belebung des priv. Konsums anzuzeigen. Am Nachmittag rundet die US-Handelsbilanz den Datenkalender ab.
Rentenmärkte
Die pol. Unsicherheit in Frankreich prägt seit geraumer Zeit die europ. Anleihemärkte. Der Renditeaufschlag zehnjähriger französischer gegenüber deutschen Staatsanleihen weitete sich in der vergangenen Woche um bemerkenswerte 32 Basispunkte auf 141 Basispunkte aus (dies korrespondiert mit dem stärksten wöchentlichen Anstieg seit Beginn der Bloomberg-Datenreihe aus dem Jahr 1990). Am vergangenen Freitag erreichte der Spread zwischenzeitlich sogar 160 Basispunkte. Man darf hier unverblümt (und sicherlich) von Anzeichen einer zunehmenden Angstreaktion der Bondmärkte sprechen, wenngleich es gestern zu einer leichten Gegenbewegung gekommen ist (der Spread ging wieder auf 136bp zurück).
Unternehmen
Lidl (Schwarz-Gruppe) investiert im laufenden Geschäftsjahr GBP 600 Mio. in die Expansion in Großbritannien und eröffnet mehr als 50 neue Filialen, um seine starke Marktposition weiter auszubauen und den Wettbewerb mit Aldi sowie den führenden britischen Supermarktketten zu verschärfen (Lidl ist derzeit Nummer 5 in UK mit einem Marktanteil von 8,7%).
Rohstoffe
Saudi-Aramco warnt vor einer zunehmenden Verknappung von Rohöl und Raffinerieprodukten, da die Wiederauffüllung der stark abgebauten globalen Lagerbestände nach Einschätzung von CEO Amin Nasser bis zu zwei Jahre dauern könnte. Zusätzlichen Preisdruck sieht der Konzern durch die weiterhin eingeschränkte Schifffahrt über die Straße von Hormus, einen Rückgang des weltweiten Ölangebots um rund drei Milliarden Barrel und die weitgehende Erschöpfung kommerzieller Lagerbestände. Ölpreise der Nordseesorte Brent handeln derzeit in diesem Umfeld gestresst. Mit Werten von über USD 135 pro Barrel (am Montag) signalisiert der Preis für das schwarze Gold deutlich eine extreme Knappheit resp. Mangel- und Versorgungserscheinungen.
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