Gerresheimer Aktie: Erholung und Centor-Deal reichen nicht
Gerresheimer zeigt nach dem schwachen Jahresauftakt eine deutliche operative Erholung. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorquartal um 55 Millionen Euro auf 578 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA legte um 35 Millionen Euro auf 102 Millionen Euro zu. Die Marge verbesserte sich damit von 12,6 auf 17,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresquartal bleibt allerdings Luft nach oben: Der Umsatz hatte damals 614 Millionen Euro und das bereinigte EBITDA 126 Millionen Euro erreicht. mwb research sieht daher bislang eine Stabilisierung, aber noch keine Normalisierung.
Auch die Entwicklung der einzelnen Sparten bleibt uneinheitlich. Containment & Delivery Systems war mit 308 Millionen Euro Umsatz, 74 Millionen Euro bereinigtem EBITDA und einer Marge von 23,9 Prozent erneut der stärkste Bereich. Dagegen sank der Umsatz bei Primary Injectable Solutions von 147 auf 111 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA ging von 33 auf 11 Millionen Euro zurück. Moulded Glass erholte sich gegenüber dem ersten Quartal deutlich und steigerte die Marge von 5,6 auf 14,9 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr blieb die Sparte mit 165 Millionen Euro Umsatz und 25 Millionen Euro bereinigtem EBITDA aber ebenfalls zurück.
Verkaufsempfehlung wird von mwb bestätigt
Fortschritte gibt es bei der Neuordnung des Konzerns und beim geplanten Schuldenabbau. Der Verkauf von Centor wurde am 1. Oktober abgeschlossen, nur zwei Monate nach Unterzeichnung der Vereinbarung. Centor steht für etwa die Hälfte des zusammen mit PPP vereinbarten Unternehmenswertes von 1,5 Milliarden Euro. Die Erlöse sollen zum Abbau der Verschuldung verwendet werden. Der Verkauf von PPP soll im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen werden, anschließend ist eine umfassendere Refinanzierung vorgesehen. Für mwb hat sich damit das Umsetzungsrisiko verringert. Noch fehlen dem Researchhaus aber genaue Angaben zu den Nettoerlösen und eine belastbare Ergebnisbasis für den künftig neu zugeschnittenen Konzern.
An seinen Schätzungen zu den Gerresheimer-Zahlen ändert mwb nichts. Für 2026 werden 2,32 Milliarden Euro Umsatz und ein Verlust von 0,16 Euro je Aktie erwartet. 2027 sollen der Umsatz auf 2,38 Milliarden Euro steigen und der Gewinn je Aktie 0,55 Euro erreichen. Die Dividende wird für beide Jahre mit jeweils 0,04 Euro angesetzt.
Die operative Erholung und der Centor-Verkauf reduzieren aus Sicht der mwb-Analysten zwar die Risiken, für eine Neubewertung der Gerresheimer Aktie reicht dies aber noch nicht. mwb bestätigt daher die Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 20 Euro. Die Gerresheimer Aktie verliert aktuell 0,72 Prozent auf 27,88 Euro.
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