Börse am Morgen: Nike, Novartis, Opec+, FOMC und Konjunkturdaten - Nord/LB
Das Defizit der öffentlichen Haushalte in Deutschland hat sich in H1 auch durch Tankrabatt und höhere Zinsausgaben deutlich ausgeweitet. Es summierte sich auf 98,8 Mrd. EUR, wie das Statistische Bundesamt zu der Kassenstatistik mitteilte. Im Vorjahreszeitraum war das Minus mit 58,5 Mrd. EUR deutlich kleiner ausgefallen. Der Anstieg geht darauf zurück, dass die Ausgaben von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung mit rund 6% deutlich stärker stiegen als die Einnahmen mit etwa 2%.
Der Inflationsdruck im Euroraum hat im Monat September wieder deutlich zugenommen. Die Inflationsrate machte einen Sprung auf 3,8% Y/Y und nähert sich damit der 4%-Marke. Der Anstieg gegenüber dem Vormonat geht auf deutlich höhere Energiepreise zurück, die so stark zulegten wie zuletzt Anfang 2023. Zwar spielen hier auch Engpässe bei Raffinerien eine Rolle, der entscheidende Faktor bleibt jedoch die weitere Entwicklung des Irankonflikts. Der nochmals gestiegene Inflationsdruck erhöht den Druck auf die EZB, ihre Geldpolitik weiter zu straffen. Allerdings geben die Daten zur zugrundeliegenden Inflation weiterhin keinen Hinweis auf eine breite Kostenüberwälzung auf die Verbraucherebene. Dies gibt der EZB gute Gründe, mit der nächsten Zinserhöhung bis zur Dezembersitzung zu warten.
In den USA sind im September lediglich 29.000 zusätzliche Stellen entstanden. Die Arbeitslosenquote legte zudem leicht auf 4,2% zu. Das Lohnwachstum präsentiert sich ziemlich zurückhaltend und hilft daher nicht dabei, die Stimmung bei den US-Konsumenten zu verbessern. Die Beschäftigungssituation scheint derzeit nicht mehr ganz so stark im Fokus der Notenbanker in Washington zu stehen, die Daten sprechen dennoch eher gegen eine zügige weitere Leitzinsanhebung.
Wochenausblick
Zum Wochenauftakt geben die europäischen Einkaufsmanagerindizes und der Sentix-Konjunkturindex Aufschluss darüber, ob die jüngste wirtschaftliche Belebung Bestand hat. Unsere Prognosen lassen zwar eine fortgesetzte Expansion erwarten, der kräftige Anstieg der Erzeugerpreise dürfte das Bild aber etwas trüben. Im weiteren Verlauf stehen mit Auftragseingang, Industrieproduktion und Außenhandel wichtige Daten zur deutschen Industrie auf dem Programm. Der Höhepunkt folgt am Mittwochabend mit den FOMC-Sitzungsprotokollen, die von den Marktteilnehmern auf Hinweise zur geldpolitischen Ausrichtung der US-Notenbank abgeklopft werden dürften. Zum Wochenausklang rundet das US-Verbrauchervertrauen der Universität Michigan den eher überschaubaren Datenkalender ab.
Renten- und Aktienmärkte
Die zuletzt aufgekommen Zins- und Inflationssorgen gerieten am deutschen Aktienmarkt zum Wochenausklang in den Hintergrund. Im Schlepptau der anziehenden US-Indikationen gelang dem DAX eine schnelle Rückkehr über die Marke von 25.000 Punkten, die am Vortag erstmals seit Juli unterschritten worden war. Eine Stütze für den DAX waren wieder die Aktien mit KI-Fantasie, darunter der Index-Spitzenreiter Infineon mit +8,8%. DAX +1,17%; MDAX +0,66%; TecDAX +2,57%
Die Wall Street baute ihre Vortagesgewinne zum Wochenschluss weiter aus. Schwächer als erwartet ausgefallene Arbeitsmarktdaten stützten insbes. Technologiewerte, da sie die Sorgen vor anhaltend hohen Zinsen und Inflationsdruck milderten. Gleichzeitig begrenzten der wieder festere Brent-Ölpreis und steigende Staatsanleiherenditen das Aufwärtspotenzial. Dow +0,49%; S&P500 +0,73%; Nasdaq C. +1,19%
Unternehmen
Nike kommt nicht aus der Krise. Vorstandschef Hill verpasst dem weltgrößten Sportartikelhersteller deshalb das nächste Sparprogramm mit weiteren Stellenstreichungen. Bis Mitte 2031 sollen die Kosten um 2,5 Mrd. USD gesenkt werden. Es gehe um einen Umbau des operativen Geschäftsmodells, um die angekündigte "Sport-Offensive" zu unterstützen: eine Modernisierung der Lieferketten, einen neuen Unternehmens-Campus im Wachstumsmarkt Indien und eine weitere Verschlankung der Organisation.
Der Schweizer Pharmakonzern Novartis sichert sich für 7,8 Mrd. USD Zugang zu mRNA-Medikamenten des chinesischen Biotech-Unternehmens Abogen. Dabei erhalte Novartis Exklusivrechte für ein Medikament gegen Autoimmunkrankheiten und Optionen, weitere Mittel auf Basis von Abogen-Technologie lizenzieren zu können. Das Mittel ABO2203 zielt auf bestimmte Zellen des Immunsystems ab, die bei Erkrankungen wie Lupus oder Rheuma zu Problemen führen.
Rohstoffe
Wichtige Ölexportländer des Verbunds Opec+ wollen ihre Förderziele auch im November nicht anheben. Somit werden die Produktionslimits der Gruppe den zweiten Monat in Folge gleich bleiben.
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