Börse am Morgen: DAX, KWS, Ölpreis, Konjunkturdaten - Nord/LB
Die Wirtschaft in Deutschland hat zuletzt überraschend weiter Fahrt aufgenommen. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - legte im September um zwei volle Punkte auf 53,8 Zähler zu, wie der Finanzdienstleister S&P Global zu seiner monatlichen Unternehmensbefragung mitteilte. Dies ist der höchste Stand seit 11 Monaten. Das Barometer stieg damit deutlich über die Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert. Ökonomen hatten mit einem Verharren auf dem Vormonatswert von 51,8% gerechnet. Ausschlaggebend für die überraschend gute Entwicklung war das Wachstum im Servicesektor: Der Index stieg auf 52,9 Punkte, nach 49,7 Zählern im August. Gleichzeitig ging es mit dem Barometer für die Industrie etwas nach unten. Es hielt sich mit 53,8 Punkten (54,3 im August) aber deutlich über der Wachstumsschwelle.
Die OECD hat ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr deutlich heraufgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt werde um 1,1% wachsen, sagte die OECD voraus. Im Juni war lediglich ein Plus von 0,7% erwartet worden. Für 2027 wurde die Vorhersage bei ebenfalls 1,1% belassen. „Im ersten Halbjahr 2026 sind die Exporte überraschend stark gestiegen, was u. a. an der steigenden Nachfrage nach elektronischen Produkten und Ausrüstungen im Zuge des KI-Booms liegt“, sagte OECD-Experte Grundke. Diese dürfte weiterhin hoch bleiben. „Auch die steigenden öffentlichen Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur haben zur konjunkturellen Erholung beigetragen“, fügte Grundke hinzu. Die OECD verwies zudem auf Reformen im Bereich der öffentlichen Vergabe und der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte. Damit stünden die Chancen für einen schnelleren Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und eine stärkere Unterstützung des Wachstums gut.
Tagesausblick
Zwei Ereignisse werden am heutigen Handelstag im Fokus der Märkte stehen. Zunächst wird am Morgen die SNB tagen und über den Leitzins für die Schweiz beraten. Aus unserer Sicht wird der Zinssatz bei 0,00% belassen, angesichts der weiterhin recht moderaten Inflationsentwicklung mit einer Jahresrate von nur 0,8% ist aber wirklich auch keine Intervention notwendig. Außerdem werden die Erkenntnisse aus dem ifo-Index Einblicke in die Erwartungshaltung der deutschen Wirtschaft liefern. Die Zukunftsaussichten dürften dabei leicht über der aktuellen Geschäftslage liegen, was zumindest einen leichten Optimismus zutage fördert. In Handels- und Wirtschaftsfragen werden die Blicke außerdem auf das Gipfeltreffen von Trump mit Chinas Staatschef Xi Jinping gerichtet.
Aktienmärkte und Rentenmärkte
Nachdem sich der deutsche Leitindex bereits am Dienstag an seiner 50- Tage-Durchschnittslinie festsetzte, fehlte es auch zur Wochenmitte an Schwung. Der DAX büßte seine anfänglichen Gewinne ein und drehte ins Minus. Auf die Stimmung drückte u. a., dass die Ölpreise ihre Verluste aus dem frühen Handel wieder wettgemacht hatten. Der September macht seinem Ruf bislang als schlechter Börsenmonat alle Ehre, denn der DAX hat in diesem Monat aktuell mehr als 3% an Wert verloren. DAX -0,66%; MDAX -1,00%; TecDAX -0,48%.
Auch an der Wall Street bestimmte Verunsicherung das Geschehen. Steigende Ölpreise und unerwartet starke US-Konjunkturdaten sorgten für wieder zunehmende Inflationssorgen und verstärkten Spekulationen auf eine weitere Zinserhöhung durch die Fed. Zudem belasteten steigende Anleiherenditen. So stieg die Rendite fünfjähriger US-Staatsanleihen erstmals seit dem Jahr 2007 über die Marke von 5%. Dow Jones -0,68%; S&P 500 -0,75%; Nasdaq Comp. -1,13%.
Unternehmen
Der Saatguthersteller KWS hat im abgelaufenen Geschäftsjahr die weltweit angespannte Lage der Landwirtschaft zu spüren bekommen. Der Umsatz sank 2025/26 um 3% auf 1,63 Mrd. EUR. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis ging um mehr als 8% auf 314 Mio. EUR zurück. „Klimatische Extreme, zunehmender Krankheitsdruck und volatile Agrarmärkte stellen Landwirtinnen und Landwirte vor große Herausforderunge “, beschrieb Vorstandschef Büchting das Umfeld. Wegen eines positiven Finanzergebnisses stieg der Gewinn nach Steuern jedoch um mehr als 13% auf 158,4 Mio. EUR. Für das neue Geschäftsjahr 2026/27 peilt KWS bei sich erholenden Agrarmärkten ein organisches Umsatzwachstum von etwa 3% sowie eine operative Umsatzrendite (EBITDAMarge) zwischen 19 und 20% an (zuvor: 19,3%).
Rohstoffe
Die Ölpreise bauten am Mittwochabend ihre Gewinne aus. In der Straße von Hormus ist erneut ein Frachtschiff unter Beschuss geraten.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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