Börse am Morgen: Mercedes-Benz, Siemens, TUI, Öl, Anleihen - Nord/LB
Das Verbrauchervertrauen in der Eurozone hat sich im September mit einem Rückgang auf minus 16,5 Punkte überraschend deutlich eingetrübt und liegt damit wieder weiter unter seinem langfristigen Durchschnitt. Treiber sind vor allem die durch den Iran-Krieg gestiegenen Ölpreise, die die Inflation im Euroraum auf 3,2% erhöht haben und die Kaufkraft der Haushalte belasten. Nach Einschätzung der EZB dürfte die Inflation aufgrund einer zweiten Energiepreiswelle länger erhöht bleiben und erst ab Mitte 2027 wieder schrittweise in Richtung des 2%-Ziels sinken (EZB-Chefvolkswirt Philip Lane erwartet eine Annäherung an den Zielwert von 2,0 Prozent frühestens zu diesem Zeitpunkt; Lane: „Wir erleben derzeit eine zweite Welle von Preisanstiegen, nicht nur bei Öl, sondern auch bei Gas.“).
Tagesausblick
Heute Vormittag wird eine ganze Reihe an Einkaufsmanagerindizes für die europäischen Volkswirtschaften zu erwarten sein. Das Bild wird hier und da sicherlich positive Überraschungen bereithalten können, die Situation an den Energiemärkten drückt aber einigen Entscheidern auf das Gemüt. Der Startschuss für die Midterm elections in den USA ist nun auch endgültig gefallen, die Wahlen sind per heute keine sechs Wochen mehr entfernt. In weiten Teilen werden am 03. November demnach alle Sitze des Repräsentantenhauses und 35 von 100 Sitzen im Senat neu vergeben. Diese Wahlen sind stets wichtige Pulsmesser für die amtierenden US-Präsidenten und werden von den internationalen Kapitalmärkten genau beobachtet.
Renten- und Aktienmärkte
Dt. Bundesanleihen tendierten gestern weitgehend stabil, während franz. Staatsanleihen schwächer abschnitten; Marktteilnehmer beobachteten im Tagesverlauf schwankende Ölpreise sowie die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Zusammenfassend weiteten sich die Risikoaufschläge aber leicht aus. Der OAT-Bund-Spread (FR-GER) stieg um 3bp auf 104bp, der BTP-Bund-Spread (IT-GER) um 1 Basispunkt auf 89 Basispunkte.
Leicht sinkende Ölpreise (ausgelöst durch Hoffnungen auf eine Entspannung zwischen den USA und dem Iran sowie die Wiederinbetriebnahme einer wichtigen saudischen Pipeline) sorgten am Dienstag im Tagesverlauf für Kursgewinne an den europ. Aktienmärkten. Der DAX legte am Ende aber „kaum“ auf nur 25.579 Punkte zu. Analoges Bild beim EuroStoxx50. Auch hier nur ein knappes Plus.
DAX +0,02%; MDAX +0,92%; TecDAX +0,49%; Dow Jones -0,36%; S&P 500 -0,00%; Nasdaq Comp. +0,45%.
Unternehmen
Siemens Mobility baut seine starke Position im internationalen Bahnmarkt mit zwei Großaufträgen weiter aus. In Vietnam erhielt die Sparte gemeinsam mit VinSpeed einen Auftrag über bis zu EUR 1 Mrd. zur Entwicklung von Hochgeschwindigkeitsverbindungen, während Siemens und Hitachi Rail von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) einen EUR 2,6 Mrd. schweren Auftrag zur Digitalisierung des Stellwerksystems erhielten. Auf Siemens entfallen dabei rund EUR 1,3 Mrd., womit das Unternehmen langfristig vom Ausbau moderner und digitaler Bahninfrastruktur in Europa und Asien profitiert. Die Projekte stärken die Wachstumsperspektiven in den Bereichen Hochgeschwindigkeitsverkehr, Automatisierung und digitale Bahntechnik.
Mercedes-Benz verschärft im Konflikt mit dem Betriebsrat den Sparkurs und warnt erstmals offiziell vor der Schließung eines deutschen Montagewerks und eines Powertrain-Standorts, falls die Kosten nicht deutlich sinken. Hintergrund sind die schwache Nachfrage in China, höhere US-Zölle sowie erhebliche Kostennachteile deutscher Werke gegenüber Osteuropa, wobei das ungarische Werk Kecskemét laut Unternehmen rund 70% günstiger produziert. Während das Management längere Arbeitszeiten zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit fordert, lehnen Betriebsrat und IG Metall dies ab.
Das Hannoveraner Reiseunternehmen TUI erwartet für 2025/26 ein bereinigtes operatives Ergebnis (EBIT) von EUR 1,2 bis 1,3 Mrd. und damit einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Schwächere Buchungsumsätze im Pauschalreisegeschäft mit Rückgängen von 5% im Sommer- und 7% im Wintergeschäft führt der Konzern auf das schwierige geopolitische und wirtschaftliche Umfeld sowie den Trend zu kurzfristigen Buchungen zurück. TUI reagiert hierauf mit einer vorsichtigen Kapazitätssteuerung (während höhere Preise in Hotels, Resorts und Kreuzfahrten die Nachfrageentwicklung teilweise abfedern).
Devisen und Rohstoffe
Brent- und WTI-Rohöl verbilligten sich am Dienstag zeitweise um bis zu 3,0% bzw. 3,5%, nachdem Anzeichen für eine stabilere Ölversorgung und diplomatische Fortschritte die Märkte beruhigten.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
4investors.de als bevorzugte Quelle bei Google festlegen
Damit sehen Sie unsere Börsen- und Aktiennews häufiger in Ihren Google-Suchergebnissen.


