Börse am Morgen: Dell, Versicherungs-Aktien, DAX, Anleihen, Gaspreise - Nord/LB
Der Inflationsdruck im Euroraum hat im August zugenommen. Nach den vorläufigen Daten von Eurostat stieg die HVPI-Inflationsrate wie erwartet auf 3,3% Y/Y. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem die kräftig steigenden Energiepreise. Die Kernrate sowie die Dienstleistungsinflation gingen dagegen leicht zurück und liefern derzeit keine Hinweise auf eine breite Weitergabe des Energiepreisschocks in die übrigen Preiskomponenten. Gleichwohl hat sich die Gesamtinflationsrate weiter vom Stabilitätsziel der EZB entfernt. Die Daten stützen daher die Erwartung einer Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte auf der September-Sitzung. Darüber hinaus dürfte der Fokus der Märkte auf den neuen EZB-Projektionen liegen, insbesondere auf der Einschätzung der Notenbank zur weiteren Konjunktur- und Inflationsentwicklung.
Die deutschen Einzelhändler sind überraschend schwach in die zweite Jahreshälfte gestartet: Ihr Umsatz sank im Juli so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr. Inflationsbereinigt (real) fiel er um 3,4% zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Juli 2021. Ökonomen hatten mit einem Wachstum von 0,4% gerechnet, nachdem der reale Umsatz im Juni noch stagniert hatte.
Tagesausblick
Heute wird die Beschäftigungsänderung in den USA, veröffentlicht vom Datenanbieter ADP, einen ersten Vorgeschmack auf die Arbeitsmarktdaten am Freitag liefern. Die Zeitreihen korrelieren nicht immer miteinander, eine schwache Lesart bei beiden Indikatoren lässt aber immerhin wenig Spielraum für Interpretation. Bei den heutigen Daten gehen wir von einer Seitwärtsbewegung aus, was für einen weiterhin wenig dynamischen Arbeitsmarkt sprechen sollte. Das Beige Book wird den Blick in die USA aufrechterhalten, wobei das Pamphlet tiefergehende Analysen der jeweiligen Fed-Distrikte ermöglicht und hier und da geldpolitische Impulse bereithält.
Renten- und Aktienmärkte
Gestiegene Ölpreise belasten erneut die Anleihen. Die Renditen deutscher Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit erreichten mit 3,35% ein neues mehrjähriges Hoch. Die Renditen sind an fünf Tagen in Folge deutlich gestiegen.
Der Ölpreisanstieg und zunehmende Inflationssorgen haben auch gestern das Handelsgeschehen am deutschen Aktienmarkt überschattet. Der DAX entfernte sich weiter von seinem erst am Freitag erreichten Rekord. Dabei fiel das Börsenbarometer erstmals seit rund einer Woche wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 26.000 Zählern. DAX -1,10%; MDAX -1,68%; TecDAX -1,42%.
An der Wall Street litten v.a. zinssensible Technologiewerte unter den Inflationssorgen. Dow -0,79%; S&P 500 -0,71%; Nasdaq Comp. -1,03%.
Sektor / Unternehmen
Dank ausgebliebener schwerer Winterstürme erwarten die deutschen Versicherer in diesem Jahr unterdurchschnittliche Schäden durch Naturkatastrophen. Sturm, Hagel, Starkregen und Überschwemmung verursachten im ersten Halbjahr Schäden von rund 950 Mio. EUR Euro, wie der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mitteilte. Für das ganze Jahr geht der Verband von 2 Mrd. EUR aus. Das wäre über 1 Mrd. EUR weniger als in einem durchschnittlichen Jahr. Voraussetzung ist aber, dass es auch bis Jahresende keine größeren Katastrophen gibt.
Der US-Computerbauer Dell hat wegen der boomenden Nachfrage nach Servern für KI zum 2. Mal in diesem Jahr seine Umsatz- und Gewinnprognosen angehoben. Im abgelaufenen Q2 erzielte Dell einen Rekordumsatz von 47 Mrd. USD und übertraf damit die durchschnittlichen Analystenschätzungen. Für das Gesamtjahr erhöhte Dell die Umsatzprognose um 25 Mrd. auf 192 Mrd. USD. Zudem erwartet das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2027 nun einen Umsatz mit KI-optimierten Servern von 74 Mrd. USD, nach zuvor 60 Mrd. USD.
Rohstoffe
Die Furcht vor Lieferunterbrechungen wegen der neu aufgeflammten Kämpfe im Nahen Osten treibt die Gaspreise in Europa auf den höchsten Stand seit mehr als 3 Jahren. Der europäische Gas-Future zog bis auf 1,50 Euro je Megawattstunde an. Seit Anfang August haben die Preise damit mehr als 20% zugelegt.
Solaranlagen haben in China erstmals Kohle als größte Stromquelle abgelöst. Wie die Energiebehörde des Landes mitteilte, waren Photovoltaikanlagen Stand Ende Juli mit 1.286 Gigawatt installierter Leistung die größte Stromerzeugungsart. Die installierte Leistung von Kohlekraftwerken lag bei 1.285 Gigawatt. Nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens entfiel auf Solarstrom damit ein Anteil von 31,5% an der gesamten installierten Stromerzeugungskapazität.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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