Börse am Morgen: Siemens Energy, Apple, Huawei, Shein, Venezuela-öl - Nord/LB
Die Inflation in Deutschland ist im August erneut gestiegen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um 2,9% im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach 2,8% im Juli und 2,3% im Juni, wie das Statistische Bundesamt zu seiner ersten Schätzung mitteilte. Die Ölpreise sind durch den wiederaufgeflammten Nahost-Krieg gestiegen. Auch Sondereffekte wie das Niedrigwasser am Rhein belasteten – etwa in Nordrhein-Westfalen.
Die Aktivität in der chinesischen Industrie hat sich im August zwar leicht verbessert, ist aber den 2. Monat in Folge geschrumpft. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg auf 49,8 Punkte von 49,2 Zählern im Juli. Damit blieb das Barometer weiterhin unter der Marke von 50 Punkten, die Wachstum von Schrumpfung trennt.
Die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland stiegen 2025 auf rund 86 Mrd. Euro und lagen damit 50% über dem Vorjahr. Nach dem starken Rückgang 2024 haben sich die Investitionen damit wieder stabilisiert. Im Vergleich zum langfristigen Median (2015–2024) ergibt sich noch ein Plus von knapp 11%. Die Herkunft der Investitionen hat sich jedoch deutlich verändert: Die USA investierten nur noch 11,8 Mrd. Euro (?44%), ihr Anteil sank von 36% auf 14%. Das Vereinigte Königreich wurde mit 26 Mrd. Euro (+284%) zum wichtigsten Investitionsland und stellte rund 31% aller Investitionen.
Tagesausblick
Heute liefern zunächst die deutschen Einzelhandelsumsätze einen Hinweis auf die Verfassung des privaten Konsums, wobei unsere Prognose eine leichte Belebung erwarten lässt. Im weiteren Vormittagsverlauf rücken die Inflationsdaten der Eurozone in den Blick: Ein Anstieg der Jahresrate auf 3,2% bei unveränderter Kernrate würde auf einen höheren allgemeinen Preisauftrieb, aber keine zusätzliche Verschärfung der zugrunde liegenden Preisdynamik hindeuten. Am Nachmittag dürfte vor allem der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe Beachtung finden. Bestätigt sich unsere Prognose von 55,5 Punkten, wäre dies ein robustes Signal aus der US-Industrie und könnte insbesondere am Renten- und Devisenmarkt für Bewegung sorgen.
Renten- und Aktienmärkte
Die Aussicht auf steigende Zinsen und höhere Ölpreise haben die Renditen deutscher Staatsanleihen am Montag auf neue Mehrjahreshochs getrieben. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe kletterte bis auf 3,29% und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2011. Die Rendite der zweijährigen Anleihe, die besonders empfindlich auf Zinserwartungen reagiert, erreichte mit 2,90% den höchsten Wert seit Juli 2024. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen stieg auf ein 20-Monats-Hoch von 4,78%.
Der deutsche Leitindex hat sich von der erneuten Zuspitzung der Lage im Nahen Osten verunsichern lassen. Zinssensible Immobilienwerte standen unter Druck. Größter Verlierer war Siemens Energy (-5%): Auslöser war ein Medienbericht, demzufolge Musk zur Stromversorgung für eigene Rechenzentren mit SpaceX in den Bau von Gasturbinen einsteigen will. DAX -1,17%; MDAX -0,92%; TecDAX -0,89%. Auch an der Wall Street rote Vorzeichen: Dow Jones -0,70%; S&P 500 -0,33%; Nasdaq Comp. -0,12%.
Unternehmen
Steigende Kosten und höhere Forschungsausgaben trüben die Bilanz von Huawei. Der chinesische Technologiekonzern musste in H1 trotz eines Umsatzwachstums einen Gewinneinbruch hinnehmen. Das Nettoergebnis schrumpfte um 36% auf umgerechnet 3,05 Mrd. EUR.
Nach rund 15 Jahren endet heute die Ära von Tim Cook bei dem iPhone-Anbieter. John Ternus übernimmt offiziell den Chefposten. Das Apple-Eigengewächs leitete bislang die Hardware-Entwicklung und verantwortete u.a. die Einführung der Kopfhörer AirPods.
Heute geht die chinesische Mode-Onlineplattform Shein an die Hongkonger Börse. Shein versucht schon seit Jahren, sich an einer großen internationalen Börse zu listen. Shein plant, bis zu umgerechnet etwa 1,5 Mrd. EUR einzusammeln. Gelingt der Börsengang wie geplant, wäre das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 23 Mrd. EUR aktuell deutlich niedriger bewertet als noch vor 4 Jahren. Aus den damaligen Finanzierungsrunden hatte sich eine Bewertung von rund 86 Mrd. EUR ergeben. Ende Juli hat Shein in seinem Börsenprospekt Q1 2026 einen Verlust von 99 Mio. USD ausgewiesen.
Rohstoffe
Venezuela und die USA haben ein 25-jähriges Energieabkommen zur Entwicklung von 17 Ölfeldern geschlossen. Die Produktion soll dabei um bis zu 1,5 Mio. Barrel Rohöl pro Tag steigen. Trump sprach zudem von einer mehrheitlichen Kontrolle über venezolanische Ölreserven von mehr als 65 Mrd. Barrel.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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