Starke Woche: Broadcom, Dell, Deutsche Bank, Nvidia, Siemens Energy - Börse München
Die deutschen Aktienmärkte haben eine starke Woche mit deutlich steigenden Kursen hinter sich. Getrieben wurden die Notierungen dabei unter anderem von positiven Konjunkturdaten, wie beispielsweise dem besser als erwartet ausgefallenen ifo-Geschäftsklima und einem leicht nach oben korrigierten Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal. Großen Einfluss auf den Markt hatten darüber hinaus die neuesten Quartalszahlen von Nvidia, die Mittwochnacht bekannt gegeben wurden. Darüber hinaus unterstützte auch der tendenziell leicht fallende Ölpreis die Aktienkurse. Am Freitag im späten Geschäft sorgte dann die Rede von Fed-Präsident Kevin Warsh auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole für weiteren Schwung an den deutschen Märkten. Denn Warsh hatte zum einen zwar eine Zinserhöhung angedeutet, andererseits aber auch die gute Situation der US-Wirtschaft hervorgehoben. Und letzteres interpretierten die Marktteilnehmer insbesondere als positives Signal für die deutsche Exportwirtschaft.
Durch all dies beendete der Deutsche Aktienindex (DAX) den Handel am Freitag bei 26.551,83 Punkten. Damit hat er im Wochenvergleich um 1,6 Prozent zugelegt. Im Handelsverlauf am Freitag hatte er sogar zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch von 26.618,74 Punkten erreicht. Deutlich besser als der Dax entwickelte sich MDAX. Er sprang um 2,8 Prozent auf 32.997,99 Zähler. Der Tech-Dax kam dagegen nur um 0,5 Prozent auf 4.112,55 Punkte voran. Der m:access All Share verbesserte sich ebenfalls um 0,5 Prozent auf 977,31 Zähler.
Größter Gewinner im Dax waren die Aktien der Deutschen Bank. Sie zogen in der vergangenen Woche um 7,9 Prozent an. Händler begründeten dies unter anderem mit den jüngsten guten Zahlen des Instituts, Hoffnungen auf Zinsschritte der EZB und mit Nachholbedarf bei dem Titel. Auch Heidelberg Materials waren mit einem Plus von 5,4 Prozent deutlich gesucht. Trotz dieses Zuwachses haben die Aktien des Unternehmens seit Jahresanfang aber um knapp 25 Prozent nachgegeben. Zu den wenigen Wochenverlierern im Dax zählten Siemens Energy, das sein Dampfturbinengeschäft abgeben will. Die Papiere verloren im Wochenvergleich 2,1 Prozent.
Die Renditen an den deutschen Anleihemärkten sind in der vergangenen Woche weiter etwas gestiegen und notierten damit auf mehrjährigen Höchstständen. Dabei gaben die Kurse vor allem auch am Freitag als Reaktion auf die Rede von Fed-Präsident Kevin Warsh etwas nach, allerdings deutlich verhaltener als am US-Bondmarkt. Letztlich stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich um 2 Hundertstel auf 3,27 Prozent. Die Umlaufrendite, die noch vor der Rede von Warsh ermittelt wurde, erhöhte sich um 2 Basispunkte auf 3,23 Prozent.
Auch an den US-Aktienbörsen gaben die Kurse am Freitag als Reaktion auf die Rede von Kevin Warsh leicht nach. Hier konzentrierten sich die Anleger vor allem auf seine relativ deutlichen Aussagen zu den Themen Inflation und Zinserhöhungen. Trotz des Minus am letzten Handelstag retteten die führenden Indizes allerdings ein Wochenplus über die Ziellinie. Grund dafür war vor allem das über den Erwartungen liegende Quartalsergebnis und die ebenfalls über dem Marktkonsens liegende Prognose von Nvidia, die zu zahlreichen positiven Analystenkommentaren führten. Sie trieben nicht nur die Aktien des Chipkonzerns, die im Wochenverlauf, trotz Verlusten am Freitag, noch immer 2 Prozent gut machten, sondern auch viele andere Tech-Aktien nach oben. Der marktbreite S&P-500-Index gewann im Wochenvergleich 0,5 Prozent auf 7.711,76 Punkte. Der tech-lastige Nasdaq-Composite-Index verbesserte sich um 0,9 Prozent auf 26.402,42 Zähler, und der Dow-Jones-Index gewann 0,5 Prozent auf 53.559,99 Punkte.
Ausblick
Kevin Warsh hat mit seiner Rede in Jackson Hole den Ton gesetzt, der die Aktienmärkte in den nächsten zwei Wochen vermutlich umtrieben wird. Denn zwar ist es bis zur nächsten Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses, der am 15./16. September über die Leitzinsen in den USA entscheidet, noch eine Weile hin. Aber dennoch erwarten die Auguren, dass das Thema US-Zinsen die Märkte nun deutlich stärker beeinflussen wird, als in der jüngeren Vergangenheit. Etwas aus dem Blick geraten ist aufgrund von Warshs Rede allerdings, dass die EZB bereits eine Woche zuvor, nämlich am 10. September, über die Zinsen in der Eurozone entscheiden wird. Entsprechend werden die Anleger auch hier die neusten Konjunkturdaten auf ihr „Zinserhöhungspotenzial“ abklopfen.
Dafür haben sie in der aktuellen Woche reichlich Gelegenheit. Denn diese ist gespickt mit wichtigen volkswirtschaftlichen Daten. So werden bereits an diesem Montag die neuesten Inflationsdaten für Deutschland veröffentlicht, und am Dienstag folgt dann der Verbraucherpreisindex für die Eurozone. Ebenfalls am Dienstag stehen zudem Zahlen zu den deutschen Einzelhandelsumsätzen sowie zu den Auftragseingängen des deutschen Maschinenbaus und zur Lage der chemischen Industrie zu Veröffentlichung an.
In den USA wiederum geht es am Dienstag ebenfalls um Auftragseingänge, nämlich um die des verarbeitenden Gewerbes. Am Mittwoch wiederum folgenden die Auftragseingänge der US-Industrie. Zudem wird das Beige Book veröffentlicht. Wichtig für die Zinsentscheidung der Fed sind zudem die Entwicklung der Lohnstückkosten, die am Donnerstag veröffentlicht werden. Und am Freitag folgen dann – ebenfalls relevant – die offiziellen Arbeitslosenzahlen für die USA.
Von Unternehmensseite sind in dieser Woche nur wenige Zahlen zu erwarten. Wie bereits in der Vorwoche dürfte sich der Blick allerdings zumindest Mittwochnacht in die USA richten. Denn dort veröffentlicht nach Börsenschluss in New York Broadcom sein Quartalsergebnis. Das Unternehmen hat zwar nicht die gleiche Bedeutung wie Nvidia, ist allerdings auch einer der wichtigen Player im KI-Bereich – und dürfte mit seinen Zahlen entsprechend auch die Entwicklung anderer Aktien aus dem Sektor beeinflussen. Bereits einen Tag zuvor legt Dell Technologies seinen Quartalsbericht vor. Auch dieser könnte die Entwicklungen bei KI- und Hich-Tech-Aktien mit beeinflussen, zumal Dell mit einem Kursplus von über 260 Prozent seit Jahresanfang zu den absoluten Outperformern zählt.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 31.08: Verbraucherpreisindex für Deutschland; Chicago Einkaufsmanagerindex.
Dienstag, 01.09: Einzelhandelsumsätze Deutschland; HCOB Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes für Deutschland; Quartalsbericht des Verbands der Chemischen Industrie; Auftragseingänge des deutschen Maschinenbaus; Verbraucherpreisindex für die Eurozone; ISM Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA; ISM Index Auftragseingänge des verarbeitenden Gewerbes in den USA.
Mittwoch, 02.09: ADP Beschäftigungsänderungen in den USA; Auftragseingänge der US-Industrie, Beige Book der Fed.
Donnerstag, 03.09: HCOB Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen und HCOB Einkaufsmanager-Gesamtindex für Deutschland. Erzeugerpreisindex Eurozone; Erstanträge Arbeitslosenunterstützung in den USA; Entwicklung der Lohnstückkosten und der Arbeitsproduktivität außerhalb der Landwirtschaft in den USA; ISM Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen in den USA; ISM Beschäftigungsindex für das nichtproduzierende Gewerbe in den USA.
Freitag, 04.09: Entwicklung der Werkaufträge in Deutschland; Einzelhandelsumsätze Eurozone; Entwicklung der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft in den USA; Arbeitslosenquote USA; Entwicklung der durchschnittlichen Stundenlöhne in den USA.
Disclaimer: Dies ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt von Text und Video wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
4investors.de als bevorzugte Quelle bei Google festlegen
Damit sehen Sie unsere Börsen- und Aktiennews häufiger in Ihren Google-Suchergebnissen.

