Börse am Morgen: Nvidia, Deka, Ölpreis, Konjunkturdaten,. Börsentermine - Nord/LB
Der deutsche Staat hat in H1 wegen milliardenschwerer Investitionen rote Zahlen geschrieben. Die Ausgaben von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung überstiegen die Einnahmen um rund 71,3 Mrd. EUR, wie das Statistische Bundesamt bekanntgab. Damit fiel das gesamtstaatliche Defizit um 36,6 Mrd. EUR höher aus als ein Jahr zuvor. Die Summe entspricht einem Defizit von 3,1% des Bruttoinlandsproduktes. Der EU-Wachstums- und Stabilitätspakt sieht eine Obergrenze von 3% vor.
Der Konjunkturoptimismus in Deutschland nimmt spürbar zu und fußt zudem auf einem robusten Fundament. Der ifo-Geschäftsklimaindex verbesserte sich im August deutlich stärker als erwartet, sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen beurteilen die Unternehmen besser als im Vormonat. Die Stimmungsaufhellung reiht sich nahtlos ein in die Serie anziehender Frühindikatoren. Zudem belegen die jüngsten realwirtschaftlichen Daten eine bemerkenswerte Resilienz der deutschen Wirtschaft gegenüber den Belastungen durch Geopolitik und Energiepreisschub. Der Ausblick ist trotz verbleibender Risiken positiv, wir rechnen mit einem BIP-Anstieg von 1,2% für dieses Jahr. Die deutsche Wirtschaft kehrt in diesem Jahr auf den Wachstumspfad zurück und der Fiskalimpuls stützt auch in den Folgejahren die Konjunktur.
Der Verband der Bauindustrie hat seine Umsatzprognose für 2026 gesenkt. Es werde real – also inflationsbereinigt – nur noch ein Zuwachs von 1% statt bisher 2,5% erwartet, teilte der Verband mit. "Angesichts der bis einschließlich Mai stark gebremsten Baukonjunktur und den steigenden Baukosten ist unsere ursprüngliche Prognose nicht mehr zu halten." Vor allem der Wohnungsbau laufe nicht rund. Hier werde nur noch ein Plus von 0,5% erwartet statt bisher 2%. In einer Umfrage des Verbandes unter den Mitgliedsunternehmen gehen 30% der befragten Betriebe davon aus, dass der Umsatz 2026 zulegen dürfte. Genauso viele rechnen mit einem Rückgang. Die hohen Preissteigerungen drücken aber auf das Geschäft, u.a. bei Diesel, Energie und Baumaterial.
Tagesausblick
Im Fokus der Geldpolitik steht heute der PCE-Deflator in den USA, welcher ein wichtiger Inflationsindikator ist und gemeinhin auch als „Fed’s Liebling“ bezeichnet wird. Im Unterschied zum CPI werden u.a. neben den urbanen Räumen hier auch die ländlichen Gegenden preistechnisch „vermessen“. Wir gehen für den Juli von einem zurückhaltenden Zahlenwerk aus, was die Märkte möglicherweise etwas beruhigen könnte. Außerdem wird – ebenfalls in den USA – die zweite Meldung zu den BIP-Zahlen für Q2 gemeldet, wobei es hier zu Revisionen kommen kann. In den BIP-Daten war zuletzt eine leicht erhöhte Volatilität bei den Revisionen zu beobachten. Ein Blick auf das Börsenparkett: Zwar ist die Berichtssaison mehr oder weniger zu Ende, einen Höhepunkt gibt es aber noch – Nvidia veröffentlicht heute Zahlen, die als Indikator für die Stärke des Investitionsbooms im KI-Bereich gelten.
Renten- und Aktienmärkte
Die Kurse deutscher Staatsanleihen gaben nach dem verbesserten IfoGeschäftsklima etwas nach.
Am deutschen Aktienmarkt überwog bei den Anlegern nach soliden Daten aus der Wirtschaft die Zuversicht. Unterstützung kam auch von fallenden Öl- und Gaspreisen. Damit kommt das vor knapp zwei Wochen erreichte Rekordhoch bei rund 26.574 Punkten wieder in Sichtweite. DAX +0,61%; MDAX +0,74%; TecDAX +0,04%.
Nach einem verhaltenen Wochenstart präsentierte sich die Wall Street etwas freundlicher. Als Kursstütze dienten die deutlich gesunkenen Ölpreise und Anleiherenditen. Zudem erholte sich der jüngst schwache Chip-Riese Nvidia schon vor den heute nachbörslich anstehenden Geschäftszahlen. Dow Jones 0,30%; S&P 500 +0,32%; Nasdaq C. +0,66%
Unternehmen
Der Sparkassen-Fondsanbieter Deka profitiert von der Nachfrage von Privatanlegern nach Sparplänen und hebt seine Gewinnprognose an. Dank der Geschäftsentwicklung in H1 rechnet das Institut im Gesamtjahr nun mit einem wirtschaftlichen Ergebnis von rund 800 Mio. EUR statt der bisher angepeilten 700 Mio. EUR. Das ist allerdings immer noch ein Rückgang im Vergleich zu den 963 Mio. EUR aus dem Vorjahr. In H1 steigerte die Deka das Ergebnis um 5% auf 546 Mio. EUR. Die Erträge kletterten um 7,5% auf 1,32 Mrd. EUR, was v.a. an einem höheren Provisionsergebnis lag. Das Zinsergebnis war dagegen rückläufig. Da die Deka zugleich mehr Geld für Personal und Digitalisierung ausgab, verschlechterte sich die Aufwand-Ertrag-Relation auf 59,7 von 56,9%.
Rohstoffe
Die Ölpreise gaben weiter nach. Eine Rede des US-Finanzministers Scott Bessent hatte zuvor keine konkreten Maßnahmen aufgezeigt, mit denen die USA den Kriegsgegner Iran stärker unter Druck setzen wollen.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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