Hensoldt Aktie: Auftragsbestand sauber – Analyst rät trotzdem zum Verkauf
Hensoldt gehört bei der Berechnung des Auftragsbestands aus Sicht von mwb research zu den konservativeren Unternehmen der Rüstungsbranche. Die ausgewiesenen 10,3 Milliarden Euro bestehen vollständig aus vertraglich gesichertem Geschäft. Das schützt die Aktie allerdings nicht vor einer Verkaufsempfehlung: mwb bestätigt „Sell“ und ein Kursziel von 62 Euro. Gegenüber dem aktuellen Hensoldt Aktienkurs von 94,22 Euro entspricht das einem erheblichen Rückschlagspotenzial.
Im Mittelpunkt der Branchenstudie steht die sehr unterschiedliche Definition des Auftragsbestands. Bei den fünf von mwb betrachteten Unternehmen Rheinmetall, Hensoldt, OHB, Renk und TKMS summieren sich die ausgewiesenen Bestände auf 122 Milliarden Euro. Davon sind rund 28 Milliarden Euro beziehungsweise 23 Prozent noch keine fest vereinbarten Umsatzverpflichtungen. Drei der fünf Unternehmen berücksichtigen ausschließlich vertraglich gesichertes Geschäft, während bei zwei Unternehmen auch Rahmenvereinbarungen oder vom Management geschätzte Volumina in die Kennzahl einfließen.
Wie stark diese Unterschiede die Vergleichbarkeit verzerren, zeigt mwb an mehreren Beispielen. Auf Basis ausschließlich fester Aufträge würde die Reichweite des Renk-Auftragsbestands nach Berechnungen der Analysten vom 5,3-Fachen auf das 2,1-Fache des Umsatzes sinken, bei Rheinmetall vom 7,7-Fachen auf das 5,5-Fache. Hensoldt bleibt dagegen unverändert beim 4,1-Fachen. Würde wiederum die weiteste Definition innerhalb der Vergleichsgruppe auf TKMS übertragen, käme der Marineschiffbauer laut mwb auf rund 64 Milliarden Euro Auftragsbestand und eine rechnerische Abdeckung vom 30-Fachen des Umsatzes.
Bei Hensoldt liegt die Skepsis von mwb daher nicht an der Qualität der Auftragskennzahl. Das Analystenhaus verweist stattdessen auf die Abhängigkeit vom Geschäft mit gepanzerten Fahrzeugen sowie den aus seiner Sicht geringen Anteil von Software Defined Defense, für den Hensoldt 2030 einen Wert von 8 Prozent anpeilt. Für 2026 bis 2028 erwartet mwb einen Umsatzanstieg von 2,82 auf 3,77 Milliarden Euro und beim EBIT von 352,6 auf 558,3 Millionen Euro. Der Gewinn je Hensoldt Aktie soll von 1,81 auf 2,98 Euro steigen, die Dividende von 0,72 auf 1,19 Euro. Trotz dieser Wachstumsprognosen bleibt das Kursziel mit 62 Euro weit unter der aktuellen Notierung.
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