Börse am Morgen: Deutsche Telekom, Anthropic, Ölpreis, Börsentermine - Nord/LB
Die japanische Wirtschaft ist im Frühjahr nach Regierungsangaben schwächer gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Zeitraum von April - Juni auf das Jahr hochgerechnet um 1,1% zu. Der private Konsum, der mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmacht, stagnierte. Die Unternehmensinvestitionen schrumpften zudem um 1,2%.
China ist schwach ins Q3 gestartet. Industrieproduktion und Einzelhandel blieben im Juli hinter den Erwartungen zurück; belastend wirkten zusätzlich Extremwetterereignisse. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe wurde im Juli nur um 4,5% hochgefahren, die Einzelhandelsumsätze, die im Juli normalerweise kräftig von den Ausgaben der Touristen profitieren, stiegen lediglich um 0,6%, nach einem Plus von 1,0% im Juni. Die staatlichen Stützungsmaßnahmen zeigen bislang nur begrenzte Wirkung, zumal der Autoabsatz weiter rückläufig ist. Gleichzeitig bleibt der Immobiliensektor ein zentraler Belastungsfaktor: sinkende Neubaupreise, schwache Hausverkäufe und fallende Vermögenswerte dämpfen Konsum und Investitionen. Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass die chinesische Wirtschaft die Schwächephase des Frühjahrs noch nicht überwunden hat; das Wachstumsziel von 4,5 - 5,0% bleibt damit ambitioniert.
Deutsche Unternehmen drosseln Investitionen in den USA. In H1 haben sie einer Studie zufolge ihr Engagement um fast zwei Drittel zurückgefahren. Demnach flossen nur noch rund 4,3 Mrd. EUR an deutschen Direktinvestitionen in die weltgrößte Volkswirtschaft, wie aus Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis von Bundesbank-Daten hervorgeht. Das ist ein Einbruch um 65% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Die aktuellen Daten des NAHB zeichnen weiterhin das Bild eines schwachen US-Immobilienmarktes. Angesichts eines leichten Anwachsens um einen Punkt verbleibt der Index mit 35 Punkten weiterhin im tief pessimistischen Bereich.
Tagesausblick
Heute wird die ZEW-Umfrage im Fokus der hiesigen Märkte stehen, welche zuletzt hier und da Wachstumstendenzen zeigen konnten. Während die Geschäftslage weiterhin zurückhaltend von uns eingeschätzt wird, sollten die Konjunkturerwartungen sowohl für Deutschland als auch die Eurozone nach unserem Dafürhalten weitere Wachstumstendenzen anzeigen. Der Nachmittag wird US-lastig. Die Industrieproduktion sowie die Kapazitätsauslastung werden von Übersee die spannendsten ökonomischen Nachrichten sein. Darüber hinaus zieht der Deutsche Bauernverband (DBV) seine Erntebilanz 2026. Die Witterung mit Hitze, Trockenheit und in vielen Regionen fehlenden Niederschlägen hat die Bauern in diesem Jahr bei der Getreideernte, aber auch bei Obst und Gemüse vor enorme Herausforderungen gestellt.
Renten- und Aktienmärkte
Dem Anleihemarkt fehlte es zunächst an klaren Impulsen. Die zuletzt den Markt bestimmenden Ölpreise bewegten sich kaum. Die Kurse deutscher Staatsanleihen haben in diesem Umfeld zum Wochenstart etwas zugelegt.
Verdüsterte Aussichten auf Frieden im Nahen Osten haben der Wall Street zu schaffen gemacht. Darunter litt auch der deutsche Leitindex, der sich zunächst noch stabil präsentiert hatte. Im Technologiesektor trieben starke Umsatzsignale von Anthropic die Erholung von KI-Aktien voran. DAX -0,38%; MDAX -0,33%; TecDAX -0,31%; Dow Jones -0,51%; S&P 500 -0,52 %; Nasdaq Comp. -0,32 %.
Unternehmen
Die Deutsche Telekom stärkt ihre Marktposition in Polen mit zwei Zukäufen. Der Konzern gab die Übernahme des Glasfaser-Spezialisten Fiberhost und des Breitband-Anbieters Inea für insgesamt etwa 1 Mrd. EUR bekannt. Dominique Leroy, die Europa-Chefin der Telekom, bezeichnete die Transaktion als Meilenstein für T-Mobile Polska. Sie muss noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden. Fiberhost betreibt nach eigenen Angaben ein Glasfasernetz mit einer Länge von mehr als 50.000 km. An dieses können potenziell 1,4 Mio. polnische Haushalte angeschlossen werden. Inea versorgt 300.000 Kunden mit Telefon- und Breitband-Internetanschlüssen.
Rohstoffe
Die Ölpreise haben ihr höheres Niveau aus der Vorwoche nach den jüngsten Angriffen auf Tanker im Nahen Osten gehalten. In der Vorwoche waren die Preise um mehr als 5% gestiegen, nachdem eine Raffinerie des saudischen Staatskonzerns Saudi Aramco sowie Tanker der Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) angegriffen worden waren. Hintergrund der Preisentwicklung sind zudem schwindende Hoffnungen auf ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
4investors.de als bevorzugte Quelle bei Google festlegen
Damit sehen Sie unsere Börsen- und Aktiennews häufiger in Ihren Google-Suchergebnissen.

Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: Deutsche Telekom.
