Börse am Morgen: DHL, Fresenius, Infineon, Siemens Energy, SpaceX, Vonovia - Nord/LB
Das Rekord-Niedrigwasser im Rhein droht das Leben in Deutschland zu verteuern. Mögliche Lieferengpässe und damit verbundene Knappheiten könnten die Preise vieler Produkte anziehen lassen. Durch das Niedrigwasser werden die Transportkosten für alle möglichen Produkte erhöht, v.a. aus der chemischen Industrie sowie für Energierohstoffe. Aber auch die Landwirtschaft ist betroffen. Wenn Schiffe nur noch zu einem Drittel oder weniger beladen werden können, müssen entsprechend mehr Schiffe eingesetzt werden oder man wählt andere (teurere) Transportwege wie Lkw oder Bahn. Händlern zufolge sind die Kosten für den Transport mit Tanker- und Binnenschiffen von Rotterdam nach Karlsruhe aktuell auf rund 150 bis 160 EUR pro Tonne gestiegen, verglichen mit 45 EUR Ende Juni. Die Frachtkosten für Getreide, Futter- und Düngemittel steigen und drücken zusätzlich auf die ohnehin niedrigen Erzeugerpreise und erhöhen die Betriebsmittelkosten.
Tagesausblick
Auch heute werden weltweit spannende Konjunkturdaten veröffentlicht. Mit Blick auf den europäischen Immobilienmarkt könnten v.a. die neuen Angaben zum britischen Construction PMI von größerem Interesse sein. Dieser dürfte sich am aktuellen Rand wohl allenfalls partiell von seinem jüngsten Schwächeanfall erholen können. Unternehmensseitig berichten heute so viele Firmen, dass wir uns im Überblick auf die relevantesten deutschen Titel konzentriert haben. Zusätzlich rückt erneut SpaceX in den Fokus. Denn die meisten Investoren, die vor dem Börsengang eingestiegen sind (Pre-IPO-Investoren),sind ab heute berechtigt, ihre Aktien zu verkaufen. (siehe „Unternehmen“)
Aktienmärkte
Deutscher Aktienmarkt: im Minus - Gewinnmitnahmen belasten. DAX -0,29%; MDAX -0,41%; TecDAX -0,98%
Wall Street: Dow nach Aussicht auf ein Friedensabkommen mit dem Iran mit weiterem Rekordhoch, Nasdaq mit Verlust nach enttäuschenden Quartalszahlen von Schwergewichten wie SpaceX und AMD. Dow Jones +0,49%; S&P 500 -0,17%; Nasdaq Comp. -0,98%.
Unternehmen
Siemens Energy hat in Q2 dank der weltweit steigenden Nachfrage nach Strom Rekordwerte eingefahren. Das Windenergiegeschäft Siemens Gamesa schrieb erstmals seit 2022 wieder schwarze Zahlen. Die Aufträge seien insbesondere durch die hohe Nachfrage in den USA um 8,5% auf 17,9 Mrd. EUR gestiegen - höher als von Analysten erwartet.
Steigende Preise für Wohnimmobilien spielen dem Branchenprimus Vonovia in die Karten. Der Konzern verzeichnete bei der Neubewertung des Verkehrswerts seines Immobilienbestands ein Plus von 1,5%. Zugleich lasten aber steigende Finanzierungskosten auf dem hoch verschuldeten Konzern. Vonovia bekräftigte seine Jahresprognosen.
Der Logistikriese DHL Group hat in Q2 deutlich mehr verdient. Seine Gewinnprognose hatte der Konzern bereits angehoben, der die Folgen der US-Zollpolitik für den Welthandel immer besser wegsteckt. Geholfen hat dabei auch ein Sparprogramm, das den Gewinn nach Minderheiten um 23,9% auf 1 Mrd. EUR in die Höhe trieb
Der Halbleiterhersteller Infineon erzielte dank der boomenden Nachfrage nach Stromchips für KI-Rechenzentren in Q3 einen Rekordumsatz von 4,17 Mrd. EUR.
Der Gesundheitskonzern Fresenius hebt seine Ergebnisprognose für das lfd. Geschäftsjahr an. Grund sei die starke operative Geschäftsentwicklung der Kerngeschäfte. Die starke operative Performance bei Fresenius Kabi und Fresenius Helios und ein verbessertes Zinsergebnis unterstützte die Ergebnisentwicklung.
SpaceX: Man darf damit rechnen, dass in den kommenden Wochen und Monaten bis zu einer Milliarde SpaceX-Aktien auf den Markt kommen. Der Aktienkurs dürfte hierdurch belastet werden. Paradoxerweise dürfte die Gewichtung der SpaceX-Aktie in Indexfonds wegen der zu erwartenden Verkaufswelle deutlich zunehmen. Denn mit jeder neuen frei handelbaren Aktie steigt der Streubesitz, der in den meisten Indizes die Gewichtung einer Aktie bestimmt. Die Folge: Einige ETFs, mit Indizes wie z.B. dem MSCI World, müssen zusätzliche SpaceX-Aktien kaufen.
Devisen und Rohstoffe
Der Gaspreis liegt aktuell bei rund 60 EUR je MWh und damit weiterhin deutlich über dem Vorkriegsniveau von 25 bis 30 EUR. Für Nervosität sorgen die niedrigen Gasspeicherstände in der EU. Ein wesentlicher Grund dürfte die erhöhte Gasnachfrage zur Stromerzeugung im Juli gewesen sein. Hinzu kamen vergleichsweise geringe LNG-Importe, da in den vergangenen Monaten größere Mengen nach Asien umgeleitet wurden. Bleiben die LNG-Importe niedrig, könnte es wohl herausfordernd werden, bis Ende Oktober einen Speicherfüllstand von 70% der Kapazität zu erreichen.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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