Börse am Morgen: Aumovio, BMW, Konjunkturdaten, Börsentermine - Nord/LB
Europa: Die europäische Konjunktur bleibt auch im Frühjahr trotz aller Belastungsfaktoren überraschend resilient. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte gemäß der Schnellschätzung von Eurostat im zweiten Quartal saison- und kalenderbereinigt um 0,4% Q/Q zu. Die Jahresrate erhöhte sich entsprechend deutlich auf 1,0% Y/Y. Die gestern veröffentlichten Wachstumszahlen liegen damit sogar noch etwas über der Prognose unseres Chefvolkswirtes (die im Vergleich ohnehin schon am optimistischen Rand lag). Insofern stellen die gestrigen BIP-Daten für den Euroraum eindeutig eine positive Überraschung dar. Sicher bleibt der Irankrieg ein Risiko für das zweite Halbjahr (insbesondere bei einer massiven Eskalation). Zugleich ist im ersten Halbjahr von konjunkturellen Bremsspuren im Euroraum kaum etwas zu sehen, weshalb sich die EZB voll auf die Inflationsrisiken konzentrieren kann. Da sich kurzfristig eher wieder ein Anziehen der Inflation abzeichnet, spricht viel für eine weitere Zinserhöhung der EZB bereits auf der Septembersitzung.
Deutschland: Auch die dt. Konjunktur hat sich im Frühjahr überraschend widerstandsfähig gegenüber den vielfältigen äußeren Belastungsfaktoren gezeigt. Gegenüber dem Vorquartal legte die reale Wirtschaftsleistung um 0,2% zu. Zudem wurde das Wachstum für Q1 aufwärts revidiert. Damit trotzt die dt. Wirtschaft nicht nur den Folgen des Irankriegs, zugleich zeichnen die teils deutlichen Aufwärtsrevisionen ein positiveres Wachstumsbild für die Vorjahre als bislang gedacht. Es ist so gut wie sicher, dass die dt. Wirtschaft 2026 auf den Wachstumspfad zurückfindet. Der Patient lebt, allen Unkenrufen zum Trotz!
USA: Fed-Chef-Kevin Warsh scheint die momentanen Inflationsprobleme in den USA wirklich einfach aussitzen zu wollen. Entsprechend ist das Leitzinsniveau in den Vereinigten Staaten vom Federal Open Market Committee (FOMC) auch am aktuellen Rand in dieser Woche nicht angepasst worden. Die obere Grenze der Fed Funds Target Rate verharrt somit weiterhin bei einem Wert von 3,75%. Warsh folgt damit letztlich der unter weltweiten Notenbankern derzeitig ziemlich populären Strategie „Worte statt Taten“ – und dabei will der neue Fed-Chef eigentlich gar kein Freund der Worte sein!
Tagesausblick
Diese Woche hat sehr klar eine Konstante gezeigt. Die Geldpolitik bleibt im Fokus der internationalen Finanzmärkte! Nach den Notenbanksitzungen in Washington, London und (heute) in Tokio rücken nun Inflationsdaten ganz eindeutig ins Blickfeld der Anleger. Heute werden vorläufige Zahlen zur Entwicklung der Verbraucherpreise in Euroland gemeldet. Zudem werden in den USA revidierte Daten zu den Stimmungsindikatoren der Universität von Michigan publiziert. Hier wird vor allem auch auf die Angaben zu den Inflationserwartungen der privaten Haushalte zu achten sein. Zentrale Frage dürfte sein, ob es noch zu einer deutlicheren Revision der Zahlen zu den Erwartungen in 12 Monaten kommen wird. Diese Zeitreihe war nach vorläufigen Angaben auf einen Wert von 4,2% gefallen.
Rentenmärkte
Die anhaltenden, weltweiten, energiepreisinduzierten Inflationssorgen treiben die Renditen von Treasuries weiter nach oben. Die 30-jährige US-Staatsanleihe erreichte in dieser Woche nach der US-Notenbank-Sitzung mit 5,23% den höchsten Stand seit 19 Jahren (Anleger haben Zweifel an einer ausreichend restriktiven Fed-Politik). Auch Bundesanleihen gerieten in diesem Umfeld unter Druck, wobei die Rendite 10-jähriger Bunds auf 3,17% und die 30-jähriger Laufzeiten auf 3,66% anstieg.
Unternehmen
BMW leidet weiter unter der Schwäche des chinesischen Automarkts. Im zweiten Quartal brach der Gewinn um 34,9% auf EUR 1,2 Mrd. ein, während der Umsatz um 7,9% auf EUR 31,3 Mrd. sank. Die operative Marge im Automobilgeschäft fiel auf lediglich 2,3%, weshalb der Konzern seinen Sparkurs verschärft. BMW hält an der gesenkten Jahresprognose fest und erwartet einen Rückgang des Vorsteuergewinns von mehr als 15%. Zudem sollen bis Ende 2027 rund 8.000 Stellen in Deutschland über freiwillige Programme abgebaut werden.
Aumovio (ehem. Teil von Continental) beendet den Rechtsstreit mit BMW um ein integriertes Bremssystem durch eine Vergleichszahlung von EUR 350 Mio. und schafft damit Klarheit über ein wesentliches Rechtsrisiko. Gleichzeitig vereinbaren beide Unternehmen eine Ausweitung ihrer Technologiepartnerschaft (langfristige Zusammenarbeit).
Devisen
Der japanische Yen legte gestern deutlich zu und erreichte mit 158 Yen je US-Dollar den „tiefsten“ Stand seit Mitte Mai (wobei Marktteilnehmer aufgrund der ungewöhnlich starken Tagesbewegung über eine mögliche Intervention der jap. Behörden spekulieren). Eine offizielle Bestätigung des jap. Finanzministeriums lag zunächst jedoch nicht vor.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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