Börse am Morgen: Nordex, Uniper, Ölpreis, Börsentermine - Nord/LB
Die Perspektiven für den dt. Arbeitsmarkt haben sich eingetrübt: Laut IAB-Arbeitsmarktbarometer (Institut für Arbeitsmarkt & Berufsforschung) bewerten die Arbeitsagenturen insbesondere die künftige Beschäftigungsentwicklung deutlich pessimistischer. Gründe sind die anhaltende Wirtschaftsschwäche, der demografische Wandel sowie zusätzliche Belastungen durch steigende Ölpreise infolge der Eskalation im Nahen Osten. Das Arbeitsmarktbarometer sank im Juli auf 99,4 Punkte, ebenso die Beschäftigungskomponente. Gleichzeitig deutet das Ifo-Beschäftigungsbarometer mit einem Anstieg auf 93,0 Punkte auf eine leichte Stabilisierung hin, auch wenn ein nachhaltiger Aufschwung bislang ausbleibt. Während Industrie, Handel und Teile des Dienstleistungssektors weiter Personal abbauen oder zurückhaltend agieren, planen IT-, Elektronik- sowie Beratungsunternehmen zusätzliche Einstellungen. Insgesamt bleibt der Arbeitsmarkt damit schwach, dürfte jedoch von der verbesserten Unternehmensstimmung und dem Infrastrukturpaket der Bundesregierung in der zweiten Jahreshälfte etwas unterstützt werden.
Die BaFin überwacht künftig KI-Systeme von Banken, Versicherern und anderen Finanzinstituten im Rahmen der neuen EU-KI-Verordnung und erhält dafür erweiterte Aufsichtsbefugnisse. Im Fokus stehen Transparenzpflichten, verbotene KI-Praktiken sowie Hochrisiko-Anwendungen wie Kreditwürdigkeitsprüfungen oder Risikobewertungen in der Versicherungswirtschaft. Ziel ist es, Innovationen zu fördern, Grundrechte zu schützen und Diskriminierung im Zugang zu Finanzdienstleistungen zu verhindern; bei Verstößen kann die BaFin Bußgelder verhängen.
Tagesausblick
>Im Laufe des Tages werden in verschiedenen Währungsräumen (bzw. Ländern) – etwa in Deutschland und den USA – wichtige Zahlen zur Inflationsentwicklung und zum Wirtschaftswachstum gemeldet. Eine besondere Bedeutung hat zudem die Zinsentscheidung der Bank of England. In London ist derzeit wohl eher nicht mit einer Anpassung der Bank Rate zu rechnen. Die Märkte werden daher bei der nun anstehenden MPC-Sitzung v.a. auf die Zahl der Gegenstimmen zu achten haben. Aktuell dürften zwei abweichende Meinungen sehr weitgehend von den internationalen Finanzmärkten eingepreist werden. Sollte es eine weitere Gegenstimme geben, wäre von einem „hawkishen“ Signal aus der Bank of England zu sprechen, welches dann v.a. für den Devisenmarkt eine Relevanz haben könnte.
Aktien- und Rentenmärkte
Die europ. Aktienmärkte bewegten sich gestern vor der Fed-Zinsentscheidung kaum, während geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Stimmung belasteten. Der DAX schloss nahezu unverändert, der EuroStoxx 50 gab leicht nach, während die US-Börsen deutlicher im Minus lagen. Anleger agierten angesichts der unsicheren Zinsperspektiven der Fed vorsichtig; zugleich sorgte der Ölpreisanstieg für Inflationssorgen, wodurch insbesondere kurzlaufende europ. Staatsanleihen unter Druck gerieten und die Renditekurve in Deutschland eine Bear Steepening-Bewegung zeigte. (Renditen am langen Ende steigen stärker als am kurzen Ende) DAX -0,01%; MDAX -0,47%; TecDAX +0,21%; Dow Jones -2,18%; S&P 500 -1,52%; Nasdaq Comp. -1,74%.
Unternehmen
Nordex hat im zweiten Quartal dank eines um 32% auf 3,1GW gestiegenen Auftragseingangs seine Profitabilität deutlich verbessert. Das EBITDA stieg auf EUR 224 Mio. (Vorjahr: EUR 108 Mio.), die EBITDAMarge erhöhte sich auf 10,3%. Für 2026 bestätigte das Unternehmen seine Jahresprognose und fokussiert sich weiter auf die Umsetzung seines Geschäfts sowie das Erreichen der mittelfristigen Margenziele.
Uniper hat sich über einen bis zu 20 Jahre laufenden Vertrag mit Ksi Lisims LNG langfristig kanadische LNG-Lieferungen gesichert und wird ab 2032 jährlich zwei Millionen Tonnen Flüssigerdgas beziehen. Die Vereinbarung stärkt nach Unternehmensangaben die Versorgungssicherheit Europas und diversifiziert die Gasbezugsquellen. Besonders hervorzuheben ist die geplante LNG-Exportanlage in British Columbia, deren CO?-Intensität dank Wasserkraft rund 90% unter der herkömmlicher LNG-Terminals liegen soll.
Rohstoffe
Die wieder eskalierenden Spannungen im Nahen Osten haben die Ölpreise am Mittwoch deutlich steigen lassen. Brent kletterte um rd. 6% auf über USD 90 je Barrel. Auslöser sind dieses Mal Sorgen über mögliche Störungen wichtiger Schifffahrtsrouten im Roten Meer, nachdem die Huthi-Miliz (laut Insidern) neue Gebühren für Handelsschiffe erwägt. Die zunehmenden geopol. Risiken und erneute Angriffe im IranKrieg schüren die Furcht vor Lieferengpässen am Ölmarkt. Das alte Spiel seit ca. 5 Monaten!
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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