Indus erhöht die Prognose dank Wolframcarbid-Preisexplosion
Der Vorstand der Indus Holding AG hat seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 angehoben. Hintergrund ist eine außergewöhnliche Entwicklung im Segment Materials Solutions: Eine weltweit angespannte Versorgungslage bei Wolframcarbid und die dadurch stark gestiegenen Materialpreise führten beim größten Unternehmen des Segments zu einem noch kräftigeren Umsatzanstieg als bislang erwartet. Deutlich fällt vor allem die Anhebung beim Ergebnis aus: Das adjustierte EBITA sieht Indus für 2026 nun bei 220 bis 260 Millionen Euro, nach zuvor 160 bis 190 Millionen Euro. Beim Umsatz erwartet der Konzern 1,90 bis 2,10 Milliarden Euro, nach bislang 1,85 bis 2,05 Milliarden Euro, die zugehörige Marge steigt auf 11,0 bis 13,0 Prozent.
Die Effekte zeigen sich bereits im ersten Halbjahr. Nach vorläufigen Zahlen stieg der Umsatz auf 965,2 Millionen Euro, nach 836,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das adjustierte EBITA hat sich auf 123,5 Millionen Euro mehr als verdoppelt, nach 56,1 Millionen Euro, die Marge kletterte von 6,7 auf 12,8 Prozent. Getragen wurde der Anstieg ausschließlich vom Segment Materials Solutions, während sich die Segmente Engineering und Infrastructure im Rahmen der Erwartungen entwickelten.
Die hohen Preise haben allerdings eine Kehrseite beim Mittelzufluss. Weil Indus trotz der teuren Rohstoffe bewusst lieferfähig blieb, um Zusatzaufträge abzuwickeln und Marktanteile zu gewinnen, stieg das Working Capital deutlich. Finanziert wurde der Aufbau über zusätzliche Kredite, das bessere Ergebnis und teils über Kundenunterstützung. Der Free Cashflow lag im ersten Halbjahr bei minus 36,9 Millionen Euro, nach minus 7,9 Millionen Euro, war im zweiten Quartal aber bereits positiv. An der Erwartung eines mindestens ausgeglichenen Free Cashflows für das Gesamtjahr hält Indus fest.
Wie nachhaltig die Entwicklung ist, lässt Indus offen. Wann und auf welchem Niveau sich die Wolframcarbid-Preise normalisieren, ist nach Angaben des Unternehmens derzeit nicht absehbar. Für den Rest des Jahres rechnet Indus mit anhaltend hohen Materialkosten und weiter steigendem Working Capital. Die Marge im Segment Materials Solutions dürfte sich im Jahresverlauf durch die zeitverzögert stark steigenden Materialkosten abschwächen, zudem könnten die hohen Preise und der wieder zunehmende Wettbewerb durch chinesische Anbieter Nachfrage und Ergebnis dämpfen. Den Zwischenbericht will Indus am 12. August 2026 vorlegen.
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