Börse am Morgen: Netflix, Paypal, Chemie- und Chip-Aktien, Börsentermine - Nord/LB
Die Auftragsbücher der deutschen Industrie sind so gut gefüllt wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Der Bestand an offenen Bestellungen wuchs im Mai um 1,7% im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das war der stärkste Anstieg seit September 2021, als es Nachholeffekte wegen der Corona-Pandemie gab. Damit sind die Auftragsbücher aktuell so gut gefüllt wie noch nie seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2015. Verglichen mit dem Vorjahresmonat legten die Bestellungen um 9,5% zu und damit so kräftig wie seit August 2022 nicht mehr. Die positive Entwicklung des Auftragsbestands geht wesentlich auf den Maschinenbau zurück. Hier gab es im Mai ein Plus von 3,3% zum Vormonat. Auch der Anstieg bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen von 3,0% wirkte sich positiv aus. In der Automobilindustrie sank der Auftragsbestand dagegen um 0,8%.
Die US-Unternehmen haben ihre Produktion im Juni nur minimal hochgefahren. Industrie, Versorger und Bergbau stellten zusammen 0,1% mehr her als im Vormonat, wie die US-Notenbank Federal Reserve mitteilte. Experten hatten mit einem Zuwachs von 0,2% gerechnet. Der Ausstoß der Industrie allein stagnierte im Juni ggü. dem Vormonat. Auf diesen Sektor entfallen in den USA gut 10% der Wirtschaftsleistung.
Wochenausblick
In dieser Woche steht die Zinsentscheidung der EZB am Donnerstag und die Flash-Schätzungen der Einkaufsmanagerindizes am Freitag im Mittelpunkt. Gerade vor dem Hintergrund zuletzt schwankender Energiepreise und anderer Unsicherheiten dürfte die Kommunikation der EZB genau verfolgt werden, eine Zinsänderung erscheint aber unwahrscheinlich. Hinsichtlich der Einkaufsmanagerindizes steht die Frage im Raum, ob und wenn ja, wie stark sie sich vor dem Hintergrund des wieder aufflammenden Konflikts im mittleren Osten befestigen können. Außerdem stehen an: Die deutschen ZEW-Konjunkturerwartungen und britische Arbeitsmarktzahlen (Dienstag), Inflationsdaten aus dem Vereinigten Königreich (Mittwoch), das vorläufige Juli-Verbrauchervertrauen für den Euroraum (Donnerstag) und japanische Inflationsdaten am Freitag.
Aktienmärkte
Auch in der neuen Woche dürfte sich der DAX in seiner Konsolidierung schwertun. Während die Lage im Nahen Osten auf der Stimmung der Anleger lastet, könnten die Gewinnmitnahmen im Technologiesektor weitergehen. Ansonsten nimmt auch hierzulande die Berichtssaison so richtig Fahrt auf. Fr: DAX -0,34%; MDAX -0,55%; TecDAX -0,32%
An der Wall Street ging die Talfahrt zum Wochausklang weiter. Eine pessimistische Prognose bei Netflix und fallende Chipaktien setzen die US-Börsen erneut unter Druck. Für enttäuschte Gesichter sorgte v. a. Netflix mit einem Kursrutsch um bis zu 11,4%. Der weltgrößte Streamingdienst legte bei Umsatz und Gewinn erneut zu. Mit seinem Ausblick blieb er jedoch hinter den Markterwartungen zurück. Zudem belasteten erneute Verluste im Halbleitersektor die Märkte. Investoren machen sich laut Experten zunehmend Sorgen, dass der starke Aufschwung bei Unternehmen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz übertrieben war. Dow Jones -0,77%; S&P 500 -1,01%; Nasdaq C. -1,40%
Sektor / Unternehmen
Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie verlagert aufgrund hoher Standortkosten und wachsender politischer Unsicherheiten zunehmend Investitionen ins Ausland. Nach Einschätzung von VCI-Präsident Markus Steilemann befindet sich die Branche nicht in einer konjunkturellen Schwächephase, sondern in einer tiefgreifenden strukturellen Krise. Eine aktuelle Umfrage unter den VCI-Mitgliedsunternehmen zeigt, dass 45% ihre Investitionen in Deutschland reduzieren wollen, während 40% eine Ausweitung ihrer Ausgaben im Ausland planen. Das operative Geschäft bleibt unter Druck. In H1 ging die Produktion um 3% ggü. dem Vorjahreszeitraum zurück, der Umsatz verringerte sich um 1% auf 106 Mrd. EUR. Mit Sorge blickt der VCI auf die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Produktive Nettoinvestitionen erreichen lediglich 0,2% der Wirtschaftsleistung und liegen damit im internationalen Vergleich auf einem sehr niedrigen Niveau. Während große Konzerne den Standortnachteil durch Investitionen in wachstumsstarken asiatischen Märkten teilweise kompensieren können, fehlen vielen mittelständischen Unternehmen hierfür die finanziellen Möglichkeiten. „Der Mittelstand stirbt leise“, sagte Steilemann.
Der US-Zahlungsabwickler PayPal hält das 53 Mrd. USD schwere Übernahmeangebot des Konkurrenten Stripe und des Finanzinvestors Advent Insidern zufolge für zu niedrig. Der Verwaltungsrat sei der Ansicht, dass die Offerte von 60,50 USD je Aktie den Wert des Unternehmens unterschätze und zudem auf regulatorische Hürden stoßen könnte.
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