Börse am Morgen: JPMorgan Chase, Thyssenkrupp und Ölpreis - Nord/LB
Die Stimmung im dt. Einzelhandel hat sich weiter eingetrübt. 65% der Unternehmen erwarten 2026 niedrigere Umsätze, während nur 18% von steigenden Erlösen ausgehen. Gleichzeitig belasten hohe Kosten für Personal, Energie und Wareneinkauf die Branche, sodass 69% der Händler rückläufige Gewinne melden. Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert daher bessere Rahmenbedingungen und warnt vor Eingriffen bei Minijobs sowie weiter steigenden Lohnnebenkosten.
Das Niedrigwasser am Rhein belastet die beginnende Erholung der deutschen Industrie, da steigende Transportkosten und mögliche Lieferkettenstörungen insbesondere für die Binnenschifffahrt zu erwarten sind. Kritische Pegelstände könnten die Frachtschifffahrt stark einschränken oder zeitweise zum Erliegen bringen, während die Bahn aufgrund von Kapazitätsengpässen und Streckensperrungen nur begrenzt als Alternative dient. Positiv ist, dass viele Unternehmen ihre Lieferketten in den vergangenen Jahren widerstandsfähiger gestaltet haben und daher besser auf solche Störungen vorbereitet sein dürften. Der Rhein steuert dabei schon in dieser Woche auf kritisches Niedrigwasser zu. An der Schifffahrtsengstelle Kaub wird der Pegel voraussichtlich unter 50cm fallen. Damit nähert sich der Wasserstand dem Rekordtief von 25cm aus dem Oktober 2018 an. ThyssenKrupp Steel Europe hat aufgrund des Niedrigwassers bereits die Produktion reduziert.
Die Großhandelspreise in Deutschland lagen im Juni 2026 um 4,9% über dem Vorjahresniveau, wobei sich der Preisauftrieb gegenüber Mai (+5,9%) und April (+6,3%) aber weiter abschwächte. Treiber waren vor allem die infolge des Irankriegs deutlich gestiegenen Preise für Mineralölerzeugnisse (+21,7%) sowie für Nicht-Eisen-Metalle (+31,0%). Ggü. dem Vormonat sanken die Großhandelspreise jedoch um 0,7% (insb. wegen rückläufiger Energiepreise). Deutliche Preisrückgänge gegenüber dem Vorjahr verzeichneten außerdem lebende Tiere (-16,0%), Kaffee/Tee/Kakao (-10,0%) sowie Milch- & Fettprodukte (-8,5%).
Tagesausblick
Der heutige Handelstag ist eher von Zahlen zur Industrie geprägt. Am späten Vormittag werden Daten zur Industrieproduktion in der Eurozone veröffentlicht, welche im Mai „flat“ gewesen sein dürften. Auf Jahressicht sollte demnach noch ein negatives Vorzeichen zu sehen sein, was aber vor allem an einem Basiseffekt liegen dürfte – im Mai 2025 brummte die Produktion nämlich noch außerordentlich. Erfreulich dürfte sich die Produzentenpreisinflation präsentieren, welche im Juni voraussichtlich sogar rückläufig gewesen sein könnte. Eine mildere Verbraucherpreisinflation könnte die Folge davon sein.
Aktien- und Rentenmärkte
Die US-Börsen handelten am Dienstag trotz überraschend schwacher US-Inflationswerte nur knapp im Plus, da gemischte Bankbilanzen und Sorgen über wieder steigende Ölpreise infolge der US-Iran-Spannungen die Stimmung belasteten. Während Goldman Sachs nach starken Zahlen deutlich zulegte, gerieten kurzfristig JPMorgan (s. u.) , Bank of America aber insbesondere IBM nach enttäuschenden Ergebnissen unter Druck. In Europa sorgten die rückläufigen US-Inflationsdaten zum Handelschluss für leichte Kursgewinne beim DAX sowie beim Euro Stoxx 50. In diesem Umfeld gingen an den Rentenmärkten die Renditen 10-jähriger Bunds nach den US-CPI-Zahlen zurück, während kurze Laufzeiten wegen der zunehmenden Inflationsrisiken (höhere Energiepreise) unter Aufwärtsdruck blieben. Insgesamt stützten Zinssenkungshoffnungen aber die Märkte, geopol. Risiken und die Berichtssaison sorgten jedoch für Zurückhaltung. DAX +0,13%; MDAX +0,37%; TecDAX -0,59%; Dow Jones +0,02%; S&P 500 +0,38%; Nasdaq Comp. +0,90%.
Unternehmen
JPMorgan Chase hat in Q2 dank eines starken Investmentbankings und einer Belebung des IPO-sowie M&A-Geschäfts den Gewinn deutlich auf USD 21,2 Mrd. gesteigert (Vorjahr: USD 15,0 Mrd.). Die Investmentbanking-Erträge legten um 30% zu und übertrafen die Erwartungen der Bank. Rückenwind kam insbesondere von großen Börsengängen (bspw. SpaceX) und einer zunehmenden Aktivität an den Kapitalmärkten.
Rohstoffe
Die leichte Entspannung in der Straße von Hormus fiel am Dienstag nur begrenzt aus. US-Präsident Trump verzichtet nunmehr zwar auf die geplante Transitgebühr von 20% und setzt stattdessen auf Investitionszusagen der Golfstaaten, hält jedoch an der Blockade für Schiffe mit IranBezug fest. Gleichzeitig verschärfen weitere US-Angriffe auf iranische Ziele den Konflikt, wodurch die Zahl der Hormus-Passagen sinkt und die Ölpreise auf den höchsten Stand seit rund einem Monat gestiegen sind. Der Markt bleibt damit stark von Sorgen über mögliche Störungen einer Route geprägt, über die normalerweise rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen transportiert wird.
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